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Politische Bildung

Übung in Demokratie

Erstmals veranstaltete die Stadt einen „Demokratietag“ mit der Jugendfeuerwehr.

Selten war der Hodlersaal so gut gefüllt. Etwa 100 Jugendliche der Jugendfeuerwehr – begleitet durch ihre Betreuer/innen – waren am 9. Februar von der Stabsstelle „Integration und Politik“ und dem Verein „Demokratie zum Anfassen“ e.V. ins Rathaus eingeladen worden, um hautnah und aktiv zu erleben, wie das politische Tagesgeschäft in Hannover funktioniert.

Die Landeshauptstadt Hannover setzt seit einigen Jahren ein politisches Bildungskonzept für Jugendliche um. Ziel ist es, gegen Politikverdrossenheit unter Jugendlichen vorzugehen, indem ihnen altergerecht das Arbeiten mit realpolitischen Strukturen zu vermittelt wird. Sie sollen motiviert werden, sich aktiv in die Politik einzumischen und ihre Interessen zu vertreten. Dazu schlüpfen sie in die Rollen von Ratsmitgliedern und diskutieren, wie sie miteinander leben wollen. Die Umsetzung des Demokratietages erfolgte mit dem Verein Politik zum Anfassen e.V., der vom Ehepaar Monika und Gregor Dehmel geleitet wird.

Die Jungfeuerwehrleute wurden nach der Begrüßung in zufällige Gruppen eingeteilt und durchliefen am Vormittag jeweils drei Stationen. Bei der „Demokratie-Station“ tauschten sich die Mädchen und Jungen über die Vor- und Nachteile der Demokratie aus. Sie überlegten außerdem, wie sie sich selber in ihren Kommunen engagieren und gleichzeitig andere zum Mitmachen begeistern können. Beim Durchlauf der „Kommunalpolitik-Station“ ging es um die politische Praxis. Der Nachwuchs der Feuerwehr lernte, wie in Hannover regiert wird, wie man Anträge formuliert und Mehrheiten organisiert. Bei der „Migration-Station“ wurden die Jungfeuerwehrleute gegen offenen und unterschwelligen Rassismus sensibilisiert. Sie lernten dabei die alltäglichen Probleme von Eingewanderten und ihrer Kinder kennen. Anschließend berieten sie in den Gruppen, wie man junge Leute mit Migrationshintergrund zum Mitmachen bei der Jugendfeuerwehr motivieren könnte.

Nachdem sich die Jugendlichen mit frischem Obst und belegten Bagels gestärkt hatten, ging es im Hodlersaal ans Eingemachte, denn nun spielten sie unter professioneller Leitung eine Ratssitzung nach. Bürgermeister Bernd Strauch, der sich über die rege Teilnahme freute, erklärte die Geschäftsordnung, die bei Rats- und Ausschusssitzungen angewendet wird. Die Schüler/innen stellten nicht weniger als 26 Anträge vor, die über zwei Stunden lang zum Teil sehr kontrovers diskutiert wurden. Dazu gehörte z.B. die Forderungen der Jungfeuerwehrleute, bei Ausrüstungsanschaffungen und Ausflügen mitbestimmen zu dürfen.

Obgleich die ebenfalls stimmberechtigten Betreuer/innen Vorbehalte äußerten, setzten sich die Jugendlichen durch und erreichten eine Mehrheit für den Beschluss, fortan delegierte Interessenvertreter/innen mit Stimmrecht zu stellen, die bei denjenigen Entscheidungen mitbestimmen sollen, die die Jugendfeuerwehr betreffen. Das Plenum fand auch einen Konsens in dem Vorhaben, sowohl in der Öffentlichkeit mehr Präsenz zu zeigen, als auch Politiker/innen zu Veranstaltungen einzuladen. Außerdem solle bei Werbung und Veranstaltungen künftig mehr Wert auf sprachliche und kulinarische Vielfalt gelegt werden, damit sich auch Jugendliche mit Migrationshintergrund und deren Familien eingeladen fühlen.

Bürgermeister Strauch wertete die Veranstaltung als großen Erfolg. Die Jugendlichen diskutierten angesichts ihres doch sehr jungen Alters auf hohem Niveau und tauschten neue und machbare Ideen aus. Melanie Walter, die Leiterin der Stabsstelle „Integration und Politik“, kündigte an, die Ergebnisse der Sitzung sowohl an die Jugendfeuerwehrstellen, als auch an die freiwillige Feuerwehr und die entsprechenden Bezirksräte weiterzuleiten, damit sie auch tatsächlich umgesetzt werden. Darüber hinaus werde eine Jury gebildet, die die Umsetzung des besten Antrages auswählen und mit einem Preis von 500 Euro auszeichnen werde.