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Straßenschild mit dem Namen: De-Haën-Platz © Region Hannover

De-Haën-Platz

De-Haën-Platz

Bodensanierung De-Haën-Platz

Die Sanierungsarbeiten rund um den De-Haën-Platz wurden im Herbst 2013 erfolgreich abgeschlossen werden.

Fünf Jahre nach der Entdeckung von chemischen und radioaktiven Altlasten im hannoverschen Stadtteil List ist die Sanierung der kontaminierten Grundstücke abgeschlossen. Bei einer Begehung mit Politikerinnen und Politikern und Fachleuten aus den Umweltbehörden von Stadt und Region zeigte sich der Umweltdezernent der Region Hannover, Prof. Dr. Axel Priebs, zufrieden mit der rund um den De-Haën-Platz geleisteten Arbeit: „In den sanierten Vorgärten und Innenhöfen finden die Eigentümer und Mieter nun wieder einen unbelasteten Boden vor, auf dem auch Kinder wieder spielen können.“  

Mit bis zu 2,4 Millionen Euro Kosten für die Entsorgungsarbeiten rechnet die Region Hannover, die sich zusammen mit der Landeshauptstadt Hannover mit rund 1,1 Mio. Euro beteiligen wird. Priebs machte deutlich: „Ich habe Verständnis, dass es die privaten Eigentümer nach wie vor als ungerecht empfinden, in großen Teilen für den Schaden haften zu müssen, ohne den eigentlichen Verursacher oder seine Rechtsnachfolger belangen zu können. Aber auch der Aufwand, den die Öffentliche Hand betreiben musste, um die gefährlichen Hinterlassenschaften der Chemiefabrik Eugen de Haen zu beseitigen, war enorm. Ich freue mich, dass die Sanierung in einer für den Umfang der Maßnahme relativ kurzen Zeit abgeschlossen werden konnte."

Im Sommer 2008 war entdeckt worden, dass der Boden auf dem Gelände der ehemaligen Chemiefabrik Eugen De Haën (1861 – 1902) mit Schwermetallen verunreinigt war. Auf einigen Grundstücken bestand zudem eine Belastung durch radioaktive Stoffe wie Uran, Thorium und Radium. Anfang 2009 hatte die Region Hannover als zuständige Bodenschutzbehörde die so genannte Gefährdungsabschätzung abgeschlossen. Bis Mitte 2010 lief die Sanierungsuntersuchung, im Rahmen derer für jedes betroffene Grundstück ein Sanierungskonzept erarbeitet wurde. Da eine von der Verwaltung angenommene Gesamtrechtsnachfolge durch die Firma Honeywell Speciality Chemicals Seelze GmbH in einem Klageverfahren durch das Verwaltungsgericht Hannover verworfen wurde,  waren die Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer  nach Bundesbodenschutzgesetz zu den Sanierungsmaßnahmen verpflichtet.

Wegen der Ausdehnung der Bodenbelastung, der großen Anzahl der betroffenen Grundstücke und der besonderen Struktur des Gebietes wurde für die zu sanierenden 45 Grundstücke sowie städtische Flächen eine gemeinsame Sanierungsplanung vorgenommen. „Es war uns wichtig, eine wirtschaftliche Sanierung nach einem einheitlichen Qualitätsstandard zu gewährleisten“, erläuterte Priebs das Vorgehen der Umweltbehörde. Im Rahmen dieser Planung wurden verschiedene Sanierungsvarianten geprüft und unter den Gesichtspunkten Kosten und zukünftige Nutzungsmöglichkeiten der sanierten Flächen bewertet. Im Ergebnis wurden als Vorzugsvariante ein Bodenaushub von 35 cm und ein Bodenauftrag von 60 cm gewählt, da mit dieser Variante insbesondere die Entsorgungskosten für den Boden reduziert werden und nur vergleichsweise geringe Einschränkungen bei Eingriffen in den Boden verbunden sind. Die Sanierung geht damit über die nach Bodenschutzrecht vorgegebene Mindestmaßnahme (35 cm sauberer Boden). Insgesamt willigten Eigentümer von 31 betroffenen Grundstücken ein, mit der Region Hannover öffentlich-rechtliche Sanierungsverträge abzuschließen. An der Vertragsgestaltung  wirkte die  Bürgerinitiative „Gegen Altlasten in der List e. V.“ mit.

Für diese Grundstücke wurde die Vorzugsvariante für jedes einzelne Grundstück geplant sowie die Gesamtkosten und deren Aufteilung auf die einzelnen Grundstücke ermittelt. Neben der Abstimmung mit den Eigentümerinnen und Eigentümern, die in einer weiteren persönlichen Gesprächsrunde beteiligt wurden und auch ggf. gewünschte Sonderleistungen einbringen konnten, war eine Abstimmung der Belange verschiedener Behörden (Denkmalschutz, Natur- und Artenschutz, Entlassung aus dem Strahlenschutz, Entsorgungswege, Arbeitsschutz etc.) erforderlich. Auf der Grundlage dieser Detailplanung und den Festlegungen der abgeschlossenen Sanierungsverträge erfolgte dann die Ausschreibung der Sanierungsarbeiten. Den Auftrag erhielt Anfang Juni 2012 die Gesellschaft für Abfall-Aufbereitung Barenburg mbH (G.A.A.).

Um die finanziellen Belastung für die Grundstückseigentümer abzufedern, verpflichteten sich die Landeshauptstadt Hannover und die Region Hannover sich mit jeweils bis zu 0,5 Millionen Euro an den Sanierungskosten zu beteiligen. Auf Grundlage der im Rahmen der Ausführungsplanung erstellten Kostenermittlung wurde der prozentuale Zuschuss pro Grundstück im öffentlich-rechtlichen Vertrag auf 29,1 Prozent der tatsächlich anfallenden grundstücksbezogenen Sanierungskosten festgelegt. Um den Grundstückseigentümern Kostensicherheit zu geben, wurde der maximal von der Grundstückseigentümerin oder dem  Grundstückseigentümer zu leistende Eigenanteil  zusätzlich verbindlich festgelegt;  etwaige Mehrkosten trägt die Region.

Zusätzlich hatte die Landeshauptstadt Hannover für selbst genutzte Eigentumswohnungen einen Härtefallfonds mit einem Maximalbetrag in Höhe von 100.000 Euro aufgelegt, aus dem für 17 Eigentümerinnen und Eigentümer 65.000 Euro ausgeschüttet wurden.

Sanierungsablauf

Die Sanierung erfolgte auf den 31 Grundstücken sowie städtischen Flächen im Bereich der Fraunhoferstraße und des Wittekamps in sechs Sanierungsabschnitten, wobei die Innenhöfe von Grundstücken in vier Abschnitten nur mit einem Kran zugänglich waren, so dass sämtliches Material und größere  Gerätschaften über die Hausdächer gehoben werden mussten. Nur in zwei Abschnitten waren die Grundstücke direkt zugänglich.

In drei Sanierungsabschnitten wurde die Vorzugsvariante 35cm Bodenaushub und 60cm Bodenauftrag, verbunden mit einer Erhöhung des ursprünglichen Geländeniveaus und dem Abfangen mit Winkelsteinen, umgesetzt. In den übrigen drei Abschnitten mit ausschließlich chemischen Bodenbelastungen hat sich der überwiegende Teil der Eigentümer und Eigentümerinnen  im Rahmen des Abstimmungsprozesses dazu entschlossen, 60 cm Boden auszutauschen, da dies mit nur geringen Mehrkosten verbunden ist und so die Erhöhung des Geländes entfallen konnte.

Die dauerhafte Baustelleneinrichtung mit Personal- und Sanitärcontainern sowie Lagerflächen erfolgte Ende Juli 2012 zentral am De-Haën-Platz. In den folgenden Monaten wurde abschnittsweise mit der Entfernung des Bewuchses sowie dem Rückbau von Zäunen, Versiegelungen usw. begonnen. Anschließend folgte der Bodenaushub. Auf die Baugrubensohle wurde dann ein wasserdurchlässiges Geovlies als Grabesperre und Signalschicht eingebaut und darauf der saubere und qualitätsgesicherte Boden aufgebracht. Abschließend erfolgte eine e Wiederherstellung von Befestigungen und Zäunen sowie die Bepflanzung der sanierten Flächen.

Die Sanierungsarbeiten sind nach Rückbau der Baustelleneinrichtungsflächen am De-Haën-Platz seit Mitte August abgeschlossen. In Einzelfällen sind noch Nachbesserungsarbeiten und Pflanzarbeiten in geringem Umfang durchzuführen. Wegen des langen und strengen Winters haben sich die Arbeiten um wenige Monate verzögert.

Die gesamte Maßnahme wurde durch die Region Hannover sowie durch Fachgutachter radiologisch begleitet und durch die örtliche Bauüberwachung überwacht. Für alle Grundstücke wird gegenwärtig eine Dokumentation der durchgeführten Arbeiten erstellt, die auch Erfolgskontrollmessungen der Direktstrahlung der radiologisch belasteten Grundstücke enthält. Die Dokumentation wird den Grundstückseigentümern übergeben.

Nach diesen Sanierungsmaßnahmen ist die planungsrechtlich zulässige Nutzung der Grundstücke nachhaltig wieder hergestellt, so dass eine gefahrlose Nutzung der Grundstücke möglich ist.

Radonsanierung

Aufgrund erhöhter Radonkonzentrationen in der Raumluft in zwei Gebäuden waren zusätzlich zu den oben dargestellten Bodensanierungsarbeiten Maßnahmen erforderlich, die das Eindringen von Radon aus der Bodenluft in die Kellerluft und somit in das Gebäude weitgehend unterbinden. Dazu wurde der Boden im Bereich der Kellerwände bis auf Fundamenttiefe ausgehoben, eine radondichte kunststoffmodifizierte Bitumen-Dickbeschichtung auf die Kelleraußenwände aufgebracht und die Baugrube anschließend wieder mit sauberem Füllboden verfüllt und geschlossen. Um den Sanierungserfolg zu überprüfen, wird über ein Jahr ein laufendes Radonmonitoring in den beiden Häusern durchgeführt.

Entsorgung

Bei der Entsorgung des im Rahmen der Sanierung anfallenden belasteten Bodenmaterials war zwischen radiologisch und chemisch belastetem Boden zu unterscheiden. Der radiologisch belastete Boden wurde nach Entlassung aus der strahlenschutzrechtlichen Überwachung durch das Gewerbeaufsichtsamt Hannover und nach Zuweisung durch die Niedersächsische Gesellschaft für Sonderabfall mbH (NGS) in Sachsen auf der Deponie Puschwitzer Feld in Sachsen entsorgt (ca. 2.860 Tonnen). Der „nur“ chemisch belastete Boden wurde in Abstimmung mit der NGS in einer Bodenwaschanlage entsorgt. Dabei handelte es sich um eine Menge von ca. 2.470 Tonnen.

Kosten der Region Hannover

Über den Kostenzuschuss von 500.000 Euro zur Sanierung hinaus musste die Region für die Bearbeitung des Altlastenfalls bislang ca. 1.600.000 Euro aufwenden. Im Wesentlichen sind dies Kosten für Gutachten, Untersuchungen, Projektsteuerung, Anwohnerkommunikation, Sanierungsuntersuchung und Sanierungsplanung, Ausführungsplanung, Ausschreibung und Vergabe. Die Sanierungskosten betrugen ca. 2.400.000 Euro.