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Ehemalige de-Haën-Grundstücke

Region empfiehlt: Vorsorgliche Untersuchungen

Angebot an private und öffentliche Eigentümerinnen und Eigentümer, ihren Grund und Boden in der List vorsorglich auf radiologische Belastungen untersuchen zu lassen.

Die Eigentümerinnen und Eigentümer von rund 200 Grundstücken im hannoverschen Stadtteil List haben inzwischen mit der Post das Angebot von der Region Hannover, ihren Grund und Boden vorsorglich auf radiologische Belastungen untersuchen zu lassen, erhalten. Auch Kleingärten in der List, Sahlkamp und Vahrenheide sind einbezogen. Dort veranlasst die Landeshauptstadt Hannover als Eigentümerin die Untersuchungen. Auslöser ist die Empfehlung einer jetzt vorliegenden historischen Recherche, die sich mit Flächen befasst, die sich ehemals im Privatbesitz der Chemie-Fabrikantenfamilie de Haën befanden. Die Sanierung der ehemaligen Produktionsflächen rund um den heutigen De-Haën-Platz konnte schon 2013 nach aufwändigen Arbeiten weitestgehend abgeschlossen werden.

Mehr als 40 zusammenhängende Flächen

wurden im Zuge der Recherche ermittelt, die sich im Eigentum der Chemischen Fabrik de Haën beziehungsweise der Familie de Haën befunden haben könnten. Im Ergebnis ergibt sich aus dem Fachgutachten zwar kein Verdacht auf Altlasten, aber wegen der Nähe zum ehemaligen Betriebsgelände wurden teilweise vorsorglich radiologische Untersuchungen empfohlen.

Ungewissheit soll geklärt werden

"Wir haben aber weiterhin keinerlei Hinweis, dass auf einer der weiteren Flächen, die im Besitz der Familie de Haen waren, in der Vergangenheit mit belastetem Material gearbeitet wurde", erklärte Prof. Dr. Axel Priebs, zuständiger Umweltdezernent der Region Hannover: "Wir können aber nicht gänzlich ausschließen, dass auf einzelnen Grundstücken zumindest zeitweilig belastetes Material gelagert wurde. Diese Ungewissheit wollen wir im Interesse der Eigentümer, Bewohner und Nutzer zweifelsfrei klären." Priebs betonte, dass die für die erste Jahreshälfte 2018 vorgesehenen Untersuchungen nur mit Einwilligung der Betroffenen vorgenommen würden, die Kosten trage die Region Hannover.

Messungen ohne Bohrungen, sofortige Ergebnisse

Die Messungen selbst werden mit einem tragbaren Gerät vorgenommen, Bohrungen oder andere Eingriffe in den Boden finden nicht statt. Die unmittelbar vorliegenden Untersuchungsergebnisse werden mit dem für Hannover üblichen Hintergrundwert abgeglichen, so dass sofort erkenntlich wird, ob radiologische Auffälligkeiten vorhanden sind oder nicht.  
Bei den schon in der Vergangenheit beprobten weiteren Verdachtsflächen in der List und in Linden (ehemalige Betriebseinrichtungen in der Ungerstraße, der Falkenstraße, im Bereich des heutigen Lister Bades oder der Altdeponie Constantinstraße) ergaben die Messungen keinen Sanierungsbedarf. "Zum jetzigen Zeitpunkt besteht keine Annahme, dass weitere Grundstücke radiologisch belastet sind", so Umweltdezernent Priebs.

Hintergrund: Chemische Fabrik de Haen

Im Sommer 2008 hatte sich herausgestellt, dass der Boden auf dem Gelände der ehemaligen Chemiefabrik Eugen De Haën (1861 – 1902) im hannoverschen Stadtteil List mit Schwermetallen verunreinigt worden war. Auf einigen Grundstücken bestand zudem eine Belastung durch radioaktive Stoffe wie Uran, Thorium und Radium. Anfang 2009 hatte die Region Hannover als zuständige Bodenschutzbehörde die so genannte Gefährdungsabschätzung abgeschlossen. Bis Mitte 2010 lief die Sanierungsuntersuchung, im Rahmen derer für jedes betroffene Grundstück ein Sanierungskonzept erarbeitet wurde. Da eine Gesamtrechtsnachfolge der Chemiefabrik Dr. Eugen de Haën durch die Firma Honeywell Speciality Chemicals Seelze GmbH in einem Klageverfahren durch das Verwaltungsgericht Hannover verworfen wurde, waren die Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümer  nach Bundesbodenschutzgesetz zu den Sanierungsmaßnahmen verpflichtet.
Wegen der Ausdehnung der Bodenbelastung, der großen Anzahl der betroffenen Grundstücke und der besonderen Struktur des Gebietes wurde für die zu sanierenden Grundstücke sowie städtische Flächen eine gemeinsame Sanierungsplanung vorgenommen, die den Austausch von kontaminierten gegen unbelasteten Boden vorsah. Bis auf wenige Ausnahmen willigten die Eigentümerinnen und Eigentümer der betroffenen Grundstücke ein, mit der Region Hannover entsprechende Sanierungsverträge abzuschließen. Die notwendigen Arbeiten erfolgten unter Federführung der Region.

(Veröffentlicht am 16. Oktober 2017)