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Biomassepotentiale in der Region Hannover

Ausgangslage

Zurzeit befinden sich 15 Biomasseanlagen in der Region in Betrieb. bzw. sind genehmigt. Daneben laufen aber in fast allen Städten und Gemeinden Anträge auf Genehmigung sowohl von privilegierten (bis 0,5 MW) als auch von nichtprivilegierten Anlagen. Für die erstgenannten Anlagen sind es meist einzelne Landwirte bzw. Zusammenschlüsse von solchen die als Betreiber auftreten. Größere Anlagen werden sowohl von Einzelinvestoren als auch von Anteilseignern betrieben. Daneben verfolgen aber auch öffentliche Körperschaften wie Abfallwirtschaftsbetriebe oder Stadtwerke die Absicht, solche Anlagen zu errichten. In diesen Fällen ist ein Betrieb sogar naheliegend, denn in einem Fall ist für die Rohstoffbasis gesorgt, in dem anderen ist die Kompetenz als Energieerzeuger vorhanden.

Entwicklungstrends und Perspektiven der Biomasseproduktion und –nutzung

Das theoretische Potential der Biomassenutzung zur Primärenergieerzeugung wird bisher allgemein mit einem Anteil von 10 % beziffert. Voraussetzung ist allerdings, dass das technische Potential - sprich die Rohstoffbasis - tatsächlich auch gegeben ist. In der Region Hannover finden beide Hauptquellen - nämlich Reststoffe und Energie-pflanzen - ausgezeichnete Standortbedingungen.
Während für eine privilegierte Anlage auf Energiepflanzenbasis eine Anbaufläche von ca.150 -250ha als ausreichend angesehen wird, kann z.B. eine 5 MW-Anlage mit Reststoffverwertung schon auf einen Einzugsbereich im 25 km-Radius angewiesen sein. So gesehen wird der Energiepflanzenanbau und seine energetische und thermische Verwertung den Hauptpfad der Biomassenutzung bilden.
Mit einem Anteil von rund 55 % stellt die Landwirtschaft die Hauptnutzungsart in der Region Hannover dar. Schwerpunkte der Biomassenutzung werden sowohl die ertragsstarken Bördelandschaften des südlichen Regionsgebietes wie auch die inzwischen hochproduktiven Geestbereiche im Norden sein, aufgrund der Bereitschaft der Landwirtschaft, diese neue Entwicklung entscheidend mitzutragen. Dabei ist nach Einschätzung von Experten davon auszugehen, dass im Bördebereich überwiegend der Mehrkulturanbau (mehrere Ernten pro Vegetationsperiode) zum Teil auch als Mischkultur (verschiedene Kulturarten in einer Ernte) zum Zuge kommt, während der geestgeprägte Norden der Region Schwerpunkt des intensiveren Energiepflanzenanbaus sein könnte.
Aber auch in der Lösung jetzt noch offener technischer Fragen wie zum Beispiel der Gasdirekteinspeisung, die die Standortquantität der Anlagen erhöhen würde, könnte sich ein Wachstumsschub für die Biomasse ergeben. Zusätzlich sollten auch noch die Abnahmekapazitäten für die ganzjährige Wärmenutzung verbessert werden, um den optimalen Wirkungsgrad der energetischen Nutzung zu erreichen.

Folgen für die Regionalentwicklung

Das prognostizierte Wachstum der energetischen Nutzung von biogenen Festbrennstoffen wird sich regionalwirtschaftlich unterschiedlich auswirken. Vorhandene Beispiele gelungener Gesamtkonzepte von sogenannten Bioenergiedörfern zeigen, dass über positive betriebswirtschaftliche Effekte hinaus es zu verstärkten Investitionen und Beschäftigungsanreizen auch in der Nachbarschaft solcher Vorreiterinitiativen kommt. Es werden sich also verstärkt Bioenergiecluster bilden, die in immer stärkerer Vernetzung und raumstruktureller Stärke auch vor- und nachgelagerte Bereiche der regenerativen Energiewirtschaft umfassen. Das bedeutet aber auch im Endeffekt eine noch stärkere Durchdringung des ländlichen Raumes mit gewerblichen und/oder industriellen Strukturen und eine weitere Suburbanisierung ländlicher Siedlungen.
In der Flächennutzung selbst kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich bestimmte Energiepflanzen aufgrund ihres optimierten Biomasseanteils eine vorrangige Anbaustellung verschaffen, die zu einer Monokulturisierung der Landschaft führen kann. Es sei hier nur auf das Beispiel des sogenannten "Turbomaises" verwiesen, der eine Erntegröße von ca. 3,50 m erreicht und dabei ausschließlich Blattmasse und keine Maiskolben mehr bildet. Aber auch Kurzumtriebsplantagen können diesen Eindruck vermitteln. Sie werden allerdings nach ca. 2-3 Jahren wieder abgeerntet. Pappelforsten dagegen - nach dem 2.Weltkrieg als Ligni-Kulturen Schwerpunkt der Wiederaufforstung – bleiben noch für Jahrzehnte landschaftsbestimmend.
Die verschärfte Flächenkonkurrenz um Standorte und Anbaupotentiale könnte auch dazu führen, dass die Boden- und Pachtpreise erheblich ansteigen, so dass der ohnehin schon vorhandene Umstrukturierungsprozess in der Landwirtschaft sich noch mehr beschleunigt und kleine Betriebsformen, die noch die Vielfalt der Nutzung und der Dörfer ausmachen, aufgeben müssen.