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Perspektiven der Biomassenutzung im Rahmen der Energieversorgung

Biomasseproduktion und Nutzung

Biomasse ist eine wirtschaftlich besonders günstig zu erschließende Quelle erneuerbarer Energien - gerade dann, wenn sie in Form von Abfällen und Reststoffen anfällt. Aufgrund von aktuellen energiepolitischen und finanziellen Rahmenbedingungen ist die Erweiterung der Rohstoffbasis durch landwirtschaftliche Produkte entscheidend für die Perspektive dieser Form der umweltfreundlichen Energiegewinnung. Als nachwachsende Rohstoffe werden insbesondere sogenannte Energiepflanzen Grundstoff der Biomasseproduktion sein.
Global wachsen jährlich ca.120 Mrd. Tonnen-Biomasse nach, davon etwa die Hälfte als Holz. Rein rechnerisch könnten auf der regionalen Ebene über 50 % der Biomasse auf landwirtschaftlichen Flächen erzeugt werden, weil mit 55 % Flächenanteil diese Nutzung überwiegt. Neben der Verwertung von tierischen und pflanzlichen Abfällen, wo sich diese Form der "Entsorgung" besonders anbietet, werden es hauptsächlich landwirtschaftliche Produkte sein, die Träger der künftigen regenerativen Energie sein werden. Dazu bieten sich erst einmal alle konventionellen Nutzpflanzen an.
Darüber hinaus kristallisiert sich aber eine spezielle Zahl von Hochleistungspflanzen als besonders prädestiniert für die Biomassenutzung heraus. Neben Raps, der bereits im geringen Umfang als Energiepflanze genutzt wird; aber wegen seines relativ hohen Schwefelgehaltes nur bedingt eine größere Rolle als Biospritquelle spielen wird, kann auf Grund der mit der WTO vereinbarten neuen Zuckermarktordnung der EU auch die Zuckerrübe eine Rolle als Energiepflanze spielen - ebenso wie alle Getreidearten. Hauptsächlich wird aber der Mais seine jetzt schon dominante Rolle - mit etwa 80 % an der Biomasseerzeugung behalten. Mit Hilfe verbesserter Züchtungsmethoden gelang es, den Biomasseertrag so zu steigern, dass Mais augenblicklich bei den Betreibern von Anlagen als optimale Energiepflanze gilt. Es ist zu erwarten, dass es auf diesem Gebiet zukünftig mit "neuen und alten Pflanzen" zu großen Ertragssteigerungen kommen wird.

Beitrag der Biomasse zum Klimaschutz

Regenerative Energien tragen schon heute in der Region Hannover maßgeblich zum Klimaschutz bei - allen voran die Windenergie. Aufgrund des augenblicklichen Wachstumsschubes durch den starken Preisanstieg fossiler Energieträger sowie den finanziellen Anreizen durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist die Grundlage dafür gelegt, das der Beitrag dieser Energieform zum Klimaschutz beständig steigt. So geht das Wuppertal-Institut in einer Studie über das zukünftige Energiesystem in der Region Hannover davon aus, dass erneuerbare Energien bis zum Jahr 2050 die Hälfte der Kohlendioxyd-Vermeidung übernehmen können.
Gerade der Biomasse wird einen wachsenden Anteil an diesem Szenario bescheinigt. Die standörtlichen Voraussetzungen sind im Verdichtungsraum Hannover mit einer Bevölkerungszahl von fast 1,2 Mio. Menschen in Hinsicht auf das Aufkommen von Reststoffen als einer Rohstoffquelle erheblich. Die weitaus größere Möglichkeit liegt in der Nutzung der bedeutenden landwirtschaftlichen Nutzfläche, die 55 % Anteil am Regionsumfang hat. Dabei überwiegt der Ackerbau mit ca. 85 %, so dass gerade für den Anbau von Energie-pflanzen sehr gute Bedingungen bestehen.

Beitrag zur energiepolitischen Zukunftssicherung

Der dynamisch wachsende Anteil der Biomasse an der Primärenergieerzeugung durch erneuerbare Energien ist im Wärmebereich in der Region Hannover schon jetzt dominant, während er bei der Stromerzeugung augenblicklich noch gerade 5 % beträgt.
Das wird sich nach der Prognose des Wuppertal- Institutes schon bis zum Jahr 2010 in der Wärmeerzeugung um den Faktor 5 erhöhen. In der Stromerzeugung wird nach dieser Aussage immerhin eine Verdreifachung der Summe möglich sein.
Eine ähnlich positive Entwicklung ist bei den Biokraftstoffen zu erwarten. Hier wirkt sich sowohl die – noch - geringe Steuerbelastung für Biodiesel ebenso aus, wie die "Europäische Richtlinie zur Förderung der Verwendung von Biokraftstoffen oder anderer erneuerbarer Kraftstoffe im Verkehrssektor", die vorsieht, dass bis zum Jahr 2010 ein Mindestanteil von 5,75 % den Biomassepfad zum unverzichtbaren Teil der energiepolitischen Zukunftssicherung macht.
Auch die verstärkte Nutzung von Holz zur Energiegewinnung gewinnt an Bedeutung. Im Rahmen eines EU-Projektes unterstützt die Region Hannover mit der Kampagne "Heizen mit Holz - Energie aus der Region" den Einsatz von regional und umweltverträglich erzeugtem Holz. Die Nutzung von Holz kann als Brennstoff in modernen Feuerungsanlagen einen wertvollen Beitrag für eine nachhaltige Wärmeversorgung sowohl in privaten Haushalten als auch in größeren Gebäuden wie z.B. in kommunalen Liegenschaften leisten.
Der gesamtwirtschaftliche Vorteil liegt darin, dass damit auch die Abhängigkeit von Energieimporten geringer wird und die dezentrale und überwiegend mittelstandsgeprägte Struktur der Erzeugung zusätzlich die Bildung regionaler Wirtschaftskreisläufe fördert.