Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Umweltauswirkungen und ¿anforderungen aus der Sicht von Naturschutz / Wasserschutz / Bodenschutz

Nach der Zielvorgabe der EU- Kommission sollen die erneuerbaren Energieträger im Jahr 2020 bis zu 25% im Energiesystem leisten. Dazu kann die Biomasse einen erheblichen Beitrag leisten. Es besteht die große Chance, dass die verstärkte Nutzung nachwachsender Rohstoffe u.a. aufgrund ihrer CO2 - Neutralität, der Ressourcenschonung und Risikoarmut entscheidend am Aufbau einer nachhaltigen umwelt- und klimaverträglichen Energieversorgung mitwirkt.

Unter dieser Prämisse ist es ein zentrales Anliegen des Natur-, Wasser- und Bodenschutzes, dass die umweltentlastenden Faktoren, die die regenerative Biomasse mit sich bringt, nicht durch Umweltbelastungen bei der Erzeugung der Biomasse wieder zunichte gemacht werden. Energiepflanzen sollen daher so angebaut werden, dass Beeinträchtigungen von Umwelt und Natur minimiert und die umweltentlastenden Effekte der Biomassenutzung noch gesteigert werden. Dazu müssten u.a. auf geeigneten Anbauflächen alle Möglichkeiten naturverträglicher und standortangepasster Anbau-weisen und artenreicher Fruchtfolgen (z.B. Mehrkulturenanbau, möglichst hohe Kulturartenvielfalt, Verzicht auf Spritzmittel, Anpassung der Arten an die Wasserverfügbarkeit, Verzicht auf zusätzliche Beregnung, Erhalt der Bodenfruchtbarkeit, Herbeiführen von geschlossenen Nährstoffkreisläufen etc., s.u.) mit einer hohen Flächenproduktivität vereint werden. Bei der Auswahl der Flächen und Räume sind besondere Aspekte z.B. des Natur- und Wasserschutzes mit zu berücksichtigen. Im Sinne der Nachhaltigkeit und zur Förderung einer breiten Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung ist es darüber hinaus erforderlich, negative Veränderungen von Natur und Landschaft zu vermeiden und neue Anbauformen natur- und raumverträglich in das Landschaftsbild einzufügen.

In Schutzgebieten erfordert der Anbau von Biomasse besondere Sensibilität. Hier kann es unter bestimmten Umständen zum Erhalt des Schutzzweckes erforderlich sein, spezielle Anforderungen an den Energiepflanzenanbau zu definieren (z.B. Umfang der Holzentnahme, Begrenzungen einer Dominanz von wenigen Kulturen, keine Störung der freien Sicht oder den wichtigen Blickbeziehungen, keine Beeinträchtigung wertvoller Offenlandbiotope durch hochwüchsige Pflanzen oder Kurzumtriebsplantagen) oder Teilgebiete sogar ganz auszuschließen. Gleiches kann für den Einsatz von Düngemitteln bzw. die Ausbringung des Gärsubstrates gelten (z.B. Einschränkung in Wasserschutzgebieten). Auch an den Anlagenbau sind in Landschafts- und Wasserschutzgebieten besondere Anforderungen zu stellen.

Sowohl der Anbau von Energiepflanzen als auch die Holzproduktion sollen sich in je-dem Fall am Grundsatz der Nachhaltigkeit orientieren. Hierzu bilden die Regelungen zur guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft, der Kriterienkatalog zur guten fachlichen Praxis in der Forstwirtschaft (Winkel und Volz 2003) sowie die Bestimmungen der Cross Compliance eine Basis, die natur-, wasser- und bodenschutzfachliche Mindeststandards benennen, die unbedingt einzuhalten sind.

Auf dieser Grundlage ergeben sich weitere Anforderungen 

  • Anbau von Energiepflanzen in einem Mehrkulturen- System mit dem Ziel einer E-tablierung von Mischkulturen in standortangepassten Anbausystemen mit mehre-ren Pflanzenarten und Sorten, Vermeidung von großflächigen Monokulturen, hohe Flächenproduktivität, Erhalt der Artenvielfalt, Tolerierung von Wildpflanzen
  • Reduzierung von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln
  • Herbeiführung geschlossener Nährstoffkreisläufe, Vermeidung einer Nährstoff-auswaschung
  • Erhalt einer nachhaltigen Bodenfruchtbarkeit, Verbleib einer ausreichende Menge an Humus bildenden Substanzen auf der Fläche (z.B. Stroh), Bilanzierung der Humusbildung, Verhinderung von Bodenerosion (z.B. durch ganzjährige Bodenbedeckung)
  • Erhalt von Grünlandstandorten
  • Verzicht auf Anbau gentechnisch veränderter Sorten
  • Keine Übernutzung des Waldes
  • Erhalt von naturschutzrelevanten Strukturen und Kleinstbiotopen im Wald mit einem angemessenen Alt- und Totholzanteil, Nist- und Höhlenbäumen (Biotopbäumen), Verbleib von Totholz, Wurzelstubben, Wurzelstöcken, Feinreisig, Laub
  • Verzicht eines Ausbaus des Waldwegenetzes und Verhinderung von möglichen Zerschneidungseffekten, keine Erhöhung des Ausbauzustandes der Wege
  • Einhaltung einer naturverträglichen Grundwasserentnahme, Verzicht auf zusätzliche Beregnung durch Auswahl entsprechender und an die örtlichen Gegebenheiten (z.B. Wasserverfügbarkeit des Standortes) angepassten Pflanzensorten und Fruchtfolgen
  • Verhinderung von Auslaufen und Eindringen der Sickersäfte von eingesetzten Substraten und anderen wassergefährdenden Stoffen im Bereich des Anlagenstandortes (durch z.B. Doppelwandigkeit von Behältern, Leckerkennungssysteme, Anforderungen an die Dichtigkeit von Bodenplatten, Auffangen von Silagesickerwasser usw.)
  • Minimierung der Flächeninanspruchnahme und Versiegelung (z.B. durch Brachflächennutzung von ehemaligen Industrie- und Gewerbeflächen)
  • Fachgerechte und umweltverträgliche Ausbringung von Gärsubstraten und Reststoffen (Menge pro Fläche, Ausbringungszeitpunkt und Ausbringungsart), damit verbunden ist ein entsprechenden Verzicht auf Mineraldünger
  • Erhalt eines schützenswerten Landschaftsbildes (z.B. durch Verzicht auf monokulturige Dominanz von wenigen Kulturen; Erzeugung von Energiepflanzen in kleinräumigem Wechsel und mit unterschiedlichen Anbauvarianten, behutsames Einfügen von Kurzumtriebsplantagen in die Landschaft z.B. in Waldnähe und mit einem umgebenden Heckensaum)
  • Erhalt von freier Sicht und wichtigen Blickbeziehungen.