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Kommunen stellen Kli­ma­schutz-Pro­jek­te vor

Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz der Region Hannover informiert sich in Langenhagen, Wedemark und Isernhagen.

Gruppenbild mit einer großen Gruppe in einem Wohngebiet. © Mirko Bartels / Region Hannover

Der Ausschuss für Umwelt und Klimaschutz während seiner Bereisung.

Über zukunftsweisende Klimaschutz-Projekte und den Stand der Umsetzung der kommunalen Klimaschutz-Aktionsprogramme haben sich Mitglieder des Regionsausschusses für Umwelt und Klimaschutz (AUK) am 3. September in Langenhagen, Wedemark und Isernhagen informiert. Die Bereisung war initiiert worden von Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs, der mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus der Klimaschutzleitstelle ebenso teilnahm wie die Fachleute der Klimaschutzagentur, in deren Händen die Organisation der Besichtigungen lag.

1. Station Langenhagen-Wiesenau

Der Quartierstreff in Wiesenau ist eine gemeinsame Einrichtung der Stadt Langenhagen und der KSG Hannover GmbH für die Bewohnerinnen und Bewohner des Viertels, in dem städtebauliche Sanierungsmaßnahmen laufen. KSG-Quartiersmanagerin Claudia Koch betreut seit mittlerweile einem Jahr den Quartierstreff als Ort des Austauschs für Jung und Alt und organisiert Beratungs- und Veranstaltungsangebote. Seit 2010 wird die Quartiersmitte Wiesenau über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gefördert. Das Viertel wird neu strukturiert und private Hausbesitzer mit Beratungsangeboten zur energetischen und klimaschonenden Sanierung ermuntert. Besonders aktiv treibt die KSG die Modernisierung und Erneuerung ihres Bestandes vor Ort voran. „Wir sind dabei, diverse alte Gebäude durch Neubauten zu ersetzen“, erklärte KSG-Geschäftsführer Karl Heinz Range. Mit dem Quartierstreff wolle man neben der baulichen Erneuerung „den Menschen vor Ort eine Plattform der Begegnung bieten, um das soziale Leben im Quartier zu befördern und die Lebensqualität zu verbessern. Letztendlich ziele diese Arbeit darauf ab, den Stadtteil so zum Positiven zu verändern“, sagte Range. Verzögerungen beim Abriss und Neubau ergeben sich zurzeit dadurch, dass bereits entmietete Räumlichkeiten vorübergehend zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung gestellt werden.

Im Juli 2015 sei das Quartier Wiesenau ins Städtebauförderprogramm „Soziale Stadt“ aufgenommen worden, berichtete der Langenhagener Stadtbaurat Carsten Hettwer. Damit unterstütze der Bund die Stabilisierung und Aufwertung städtebaulich, wirtschaftlich und sozial benachteiligter und strukturschwacher Stadt- und Ortsteile. „Schwerpunkte im Programm sind neben baulichen Erneuerungen von Straßen, Plätzen und Freianlagen vor allem Maßnahmen zur Barrierefreiheit, Inklusion und sozialer Teilhabe, wie beispielweise unser inklusiver Spielplatz hier vor Ort“, so Hettwer.

Zudem gibt es ein innovatives Energiekonzept im Quartier Wiesenau. Dr. Manfred Schüle, Geschäftsführer der Energieprojektgesellschaft Langenhagen GmbH, erklärte, mit dem Energiekonzept werde das Ziel verfolgt, eine innovative Lösung des Einsatzes von Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) für die Versorgung privater und öffentlicher Gebäude mit unterschiedlicher Nutzungsstruktur zu schaffen. Die Ausschuss-Vorsitzende, Brigitte Nieße, begrüßte besonders die Absicht der Stadt, anschließend mit dem Energiekonzept offensiv auf Eigentümer von Mehrfamilienhäusern und Gewerbebetrieben zuzugehen und für die KWK werben zu wollen. „Hier geht die Kommune mit gutem Beispiel voran“, sagte Nieße.

2. Station Hannover Airport

Der Hannover Airport in Langenhagen könnte in Zukunft seinen kompletten Strombedarf klimafreundlich mit Hilfe geothermischer Energie decken. Dies hat eine Machbarkeitsstudie ergeben, deren Ergebnisse seit kurzem vorliegen und von Carsten Skwirblies, Leiter der Versorgungsdienste des Hannover Airport, vorgestellt wurden. Geprüft wurde, ob die geologischen Verhältnisse eine Nutzung der Wärme aus der Tiefe erlauben, zudem wurden die Kosten geschätzt. Danach hat sich der Standort für eine Bohrung in 3.400 bzw. 4.200 Metern Tiefe als sehr geeignet erwiesen. Allerdings geht die Studie von Investitionskosten von rund 120 Millionen Euro aus. „Ohne erhebliche Förderung durch den Bund, zusätzliche Investoren und Unterstützung von wissenschaftlicher Seite ist ein solch innovatives Projekt nicht darstellbar“, sagte Skwirblies. Derzeit würden Gespräche mit den Ministerien in Berlin als auch mit potenziellen Investoren geführt.

Langenhagens Bürgermeister Mirko Heuer, der ebenfalls an der Präsentation der Studie teilnahm, betonte die Bedeutung des Flughafens für Langenhagen und wies darauf hin, dass sich mit der Geothermie-Nutzung die CO2-Bilanz der Stadt entscheidend verbessern würde. Ein „spannendes Projekt“ nannte auch Prof. Dr. Axel Priebs das Geothermie-Konzept des Flughafens. „Erdwärme wird als Energiequelle noch immer unterschätzt“, betonte Priebs und erinnerte daran, dass die Region bereits vor Jahren die Erstellung eines Katasters für die oberflächennahe Geothermie für die Städte Neustadt und Wunstorf gefördert habe.

3. Zwischenstopp am geplanten Windpark südlich von Brelingen

Auf der Fahrt zur vierten Station schloss sich der Wedemärker Bürgermeister Helge Zychlinski der Exkursion an. Er zeigte der Gruppe eine im neuen RROP ausgewiesene Fläche zwischen Resse und Brelingen und erläuterte den Regionspolitikern, dass sich die Wedemark deutlich mehr neue Flächen für die Windenergienutzung gewünscht hätte. Er hoffe, dass die jetzt dargestellte Fläche noch arrondiert werden könne, auch um den vielen engagierten Bürgerinnen und Bürgern in der Wedemark Beteiligungsmöglichkeiten zu eröffnen. „Denn sowohl in der Wedemark wie auch in der gesamten Region Hannover lassen sich Klimaschutz und Energiewende nur mit einem deutlichen Ausbau der Windenergienutzung gemeinsam umsetzen“, bekräftigte Zychlinski. Hierfür würde sich die Kommune im laufenden Verfahren weiter stark machen.

Umweltdezernent Priebs zeigte sich von der lokalen Unterstützung für die Windkraft in der Wedemark beeindruckt und sagte eine konstruktive Prüfung der Wedemärker Vorschläge zu.

4. Station Wedemark, OT Mellendorf

Seit einem Jahr erzeugt der Mellendorfer Turn-Verein (MTV) seinen Strom selbst – klimafreundlich mit einer Solaranlage auf dem Hallendach im Sportpark. Die jährliche Stromproduktion der 400 Quadratmeter großen Anlage liegt bei 65 Megawattstunden, wobei der MTV etwa 50 Megawattstunden selbst verbraucht, vornehmlich für Lüftung und Flutlicht, wie der zweite MTV-Vorsitzende Rudi Ringe betonte. „Damit der Sonnenstrom auch dann zur Verfügung steht, wenn er benötigt wird, wurde die Anlage um einen Speicher ergänzt. Die drei Lithium-Ionen-Akkumulatoren sind jeweils so groß wie eine Bierkiste“, erklärte Timo Abert von der Avacon AG, die an Gemeindewerken Wedemark beteiligt sind. Diese haben die insgesamt 160.000 Euro teure Anlage mit 125.000 Euro aus ihrem Fördertopf unterstützt. „Die Speichertechnik ist ein echtes Leuchtturmprojekt für uns“, sagte der Geschäftsführer der Gemeindewerke, Christian Bruns.

„Es ist beeindruckend“, so Brigitte Nieße, „dass die Wedemark schon seit vielen Jahren mit den Gemeindewerken Klimaschutz vor Ort fördert und solche Projekte ermöglicht.“ Sie lies durchblicken, dass sie sehr viel Sympathie für den weiteren Ausbau der Windenergienutzung in der Wedemark hege, um das kommunale Engagement weiter zu stärken.

5. Station Isernhagen

Isernhagen zählt zu den ersten Kommunen in der Region, die ein Klimaschutz-Aktionsprogramm erarbeitet haben. Die stellvertretende Bürgermeisterin Dr. Renate Vogelgesang ist stolz darauf, dass die Gemeinde beim Energiemanagement und dem Einsatz der Kraft-Wärme-Kopplung in kommunalen Gebäuden besonders gut aufgestellt ist. „Die Politik hat sich stets dafür eingesetzt, dass diese anerkannte Technik bei uns zum Einsatz kommt“, sagte Vogelgesang. Mittlerweile gibt es in Isernhagen an 14 Standorten gasbetriebene Blockheizkraftwerke (BHKW) unterschiedlicher Größe, die verschiedene Liegenschaften klimafreundlich mit Strom und Wärme versorgen, darunter fünf Schulen, fünf Sporthallen, das Hallenbad und das Rathaus. Besichtigt wurde vom Umweltausschuss das neueste Projekt im Neubaugebiet Wietzeaue. Dort werden von drei Heizzentralen über eine Nahwärmeleitung acht Mehrfamilienhäuser, zwei Wohn- und Geschäftshäuser sowie das Familienzentrum mit der Kita Wietzeaue umweltfreundlich mit Energie versorgt. „Die effizienten Anlagen wurden alle in diesem Jahr in Betrieb genommen, die letzte Ende Juli“, berichtete Michael Frerking, der u.a. Geschäftsführer der Gemeindewerke Isernhagen GmbH ist.

Umweltdezernent Prof. Dr. Axel Priebs freute sich, dass die Gemeindewerke Isernhagen der Stadt als professioneller Partner für Planung, Bau und Betrieb von BHKW und Wärmenetzen zur Verfügung stehen. „Das innovative Energiekonzept in der Wietzeaue ist vorbildlich auch für andere Neubaugebiete in der Region. Wenn Kommunen wie Isernhagen mit gutem Beispiel vorangehen, ist dies ein klares Signal an Unternehmen, aber auch für Bürgerinnen und Bürger“, sagte Priebs.