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Klimaschutzregion Hannover

Innerstädtische Lieferverkehre – klimafreundlich in die Zukunft

Rund 100 Gäste besuchten die öffentliche Veranstaltung des Kuratoriums Klimaschutzregion Hannover. Diskutiert wurde über den innerstädtischen Lieferverkehr und wie mit klimafreundlichen Konzepten die Logistik verbessert werden kann.

Gruppenbild © S. Fricke / Region Hannover

Kuratorium Klimaschutzregion Hannover: Alternative Lieferkonzepte für die Innenstadt im Blick.

Mit der Zunahme des innerstädtischen Lieferverkehrs und alternativen, klimafreundlichen Anlieferkonzepten befasste sich eine öffentliche Veranstaltung des Kuratoriums Klimaschutzregion Hannover am 1. November 2018 im Haus der Region. Rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verfolgten die Vorträge sowie die abschließende Podiums- und Publikumsdiskussion.

Wie sind die Ansprüche des Handels und der Kunden an innerstädtische Lieferverkehre? Welche klimafreundlichen Alternativen gibt es zu den herkömmlichen Logistikketten? Welche Ideen haben andere Städte und was bietet die Forschung für Lösungsansätze? Diese und andere Fragen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen, Politik, Verwaltung und Wissenschaft bei der von Dr. Evelyn Gustedt von der Akademie für Raumforschung und Landesplanung moderierten Veranstaltung.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden vom Kuratoriumsvorsitzenden und Bürgermeister der Gemeinde Uetze, Werner Backeberg, und von Christine Karasch, Dezernentin für Umwelt, Planung und Bauen der Region Hannover, begrüßt. Die Relevanz des Wirtschaftsverkehrs für den Klimaschutz stand im Fokus des Impulsvortrags von Sabine Tegtmeyer-Dette, Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt der Landeshauptstadt Hannover.

Projektinitiative Urbane Logistik

Neue Wege für Hannover stehen im Mittelpunkt der Projektinitiative Urbane Logistik, vorgestellt von Tim Gerstenberger, Landeshauptstadt Hannover, Dr. Susanne Leifheit, Volkswagen Nutzfahrzeuge und Prof. Dr. Lars-Oliver Gusig von der Hochschule Hannover. Der Druck zur Einhaltung der Luftqualitäts-Grenzwerte nehme immer mehr zu. Über 700 Einfahrrestriktionen seien in europäischen Städten bereits zu verzeichnen. Ziel der Projektinitiative sei die Entwicklung einer Kompetenzregion für urbane Logistik und einer ganzheitlichen Roadmap, um das EU-Ziel einer weitestgehend CO2-freien Innenstadtlogistik ab 2030 zu erreichen.

Beim Erproben alternativer Logistikkonzepte spiele auch die Beteiligung der Bevölkerung eine wichtige Rolle. „Auf der letzten Meile werden oft mehr Kilometer zurückgelegt, als in der gesamten Wertschöpfungskette davor“, erläuterte Prof. Dr. Gusig und wies auf die hohen Kilometer-Anteile hin, die durch ineffiziente Einzelfahrten privater PKW bei Einkäufen entstehen.

Lastenräder in der Praxis

Sind Lastenräder eine Alternative? Die Erfahrungsberichte von drei Unternehmen und Dienstleistern aus Hannover fielen positiv aus. Rechtsanwalt Dennis Ketels wies auf die geringen Wartungskosten von jährlich weniger als 100 Euro im Jahr hin und freut sich darüber, mit dem Lastenrad positiv aufzufallen und hierdurch mit den Kundinnen und Kunden ins Gespräch zu kommen. Christian Wehrmeister vom Bauunternehmen Wallbrecht betonte den Zeitgewinn bei Fahrten in der Stadt. Und Katharina Tempel vom Bürodienstleister office360 wies auf die Stärken des Lastenrads gerade auf Kurzstrecken hin. Die Region Hannover hatte den Kauf der gewerblich genutzten Lastenräder mit Mitteln der Sparkasse Hannover gefördert.

Nachhaltiges Lieferkonzept für Hamburgs Innenstadt

Wie Hamburg mit dem SMILE-Projekt vorangeht, veranschaulichte Stadtplanerin Astrid Kroschke. Mit dem Projekt will die Hansestadt zur Modellregion für nachhaltige, belastungssenkende „Smart Last Mile Logistics“ werden. Zu diesem Zweck haben Unternehmen und die Stadt viele Ideen zu einer intelligenteren Zustellung von Waren in die Hamburger City entwickelt, die nun Schritt für Schritt umgesetzt und getestet werden. Astrid Kroschke stellte unter anderem ein Micro-Hub-Konzept vor, das dezentrale Container-Depots in der City einbindet. Diese sind die Grundlage für alternative Zustellvarianten per Lastenrad oder auch zu Fuß. Die Stadtplanerin betonte, dass die Kooperation von Unternehmen, Wissenschaft und öffentlichen Institutionen entscheidend ist, um neue Konzepte zu realisieren.

In der abschließenden Podiums- und Publikumsdiskussion berichtete Stefan Hohm von der DACHSER Group von Erfahrungen mit dem Einsatz von Lastenpedelecs, die Stückgutpaletten weitertransportieren: „Das Lastenrad ist ein Hingucker und effizient. Es ist nicht nur ein Gimmick, es rechnet sich auch.“ Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft Hannover e. V., sprach an, dass flexiblere Anlieferzeiten in der Innenstadt notwendig sind, um die neuen Konzepte umzusetzen. Ein Standpunkt, dem Logistik-Experte Hohm zustimmte: „Man muss nicht alles in einer Stunde haben.“

Hintergrund:

Das im Jahr 2012 gegründete Kuratorium Klimaschutzregion Hannover unterstützt das Ziel einer klimaneutralen Region bis zum Jahr 2050. Das Kuratorium kommt halbjährlich zusammen und besteht aktuell aus 57 Mitgliedern und Gästen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft sowie Kammern und Verbänden. Die Klimaschutzleitstelle der Region Hannover führt die Geschäfte des Kuratoriums. Die Herbstsitzungen des Kuratoriums werden jeweils als große öffentliche Veranstaltungen durchgeführt.