Brunnen und Pflanzprojekt Hannover-Blantyre

Pflanzsaison in vollem Gange

Die erste Zwischenbilanz nach einem Jahr Projektlaufzeit kann sich sehen lassen: Fünf neue Brunnen wurden in Primary Schools in Blantyre fertig gestellt und vier repariert. Inzwischen sind 30 sogenannte Brunnenpat*innen in Brunnenmechanik geschult worden und können nun kleinere Reparaturen und Instandhaltungsmaßnahmen selber vornehmen. Im Dezember 2021 haben die ersten Pflanzaktionen begonnen.

Baumpflanzaktion in einer Primary School.

900 Obstbaumsetzlinge sind in 15 Primary Schools gepflanzt worden und mehr als 100 Schüler*innen und 15 Lehrkräfte wurden in Baumpflege und Baummanagement geschult. Erste Workshops zu Klimaschutz, Recycling und weiteren Nachhaltigkeitsthemen haben für Multiplikator*innen stattgefunden. Darüber hinaus steht das Agenda 21-und Nachhaltigkeitsbüro in regelmäßigem Austausch mit dem Projektteam der Stadt Blantyre.

Auftakt der Pflanzsaison und „Big walk“
Zum Auftakt der ersten Pflanzaktionen in Blantyre zogen am 2. Dezember 2021 Schüler*innen und Lehrkräfte von 15 Schulen sowie Eltern mit selbst angefertigten Plakaten und Projekt-T-Shirts mit einem sogenannten „Big Walk“ durch die Stadt, um die Einwohner*innen für die Themen Klimaschutz und Klimawandel zu sensibilisieren und auf das Projekt aufmerksam zu machen. Am Rathaus wurden sie von einem Vertreter des Stadtrates begrüßt und präsentierten ihre Aktivitäten. Bei der öffentlichkeitswirksamen Aktion kamen die Schüler*innen auch mit interessierten Menschen ins Gespräch. Einige zogen sogar spontan mit und wollten ebenfalls einen Baum pflanzen.

Schüler*innen machen in Blantyre mit selbst gestalteten Plakaten auf das Thema Klimaschutz aufmerksam.

Baumpflanzaktionen und Pflegeworkshops
Die Pflanzzeit in Blantyre beginnt in der Regel mit der Regenzeit im November und dauert bis März/April. In der ersten Phase nahmen 15 Schulen an den Pflanzaktionen teil.

Im Vorfeld wurden die Böden an den jeweiligen Standorten gesäubert und aufgelockert. Außerdem wurden die Pflanzlöcher ausgehoben. Darüber hinaus gab es erste Workshops zu Pflegemaßnahmen und Baummanagement für die teilnehmenden Schulen. In theoretischen und praktischen Schulungen lernten die Schüler*innen, Lehrkräfte und Eltern u. a. die richtige Vorbereitung des Bodens, die Auswahl des Saatguts, die Aussaat, die Bewässerung, die Identifizierung der Setzlinge und allgemeine Verfahren, die bei der Anpflanzung von Obstbäumen zu beachten sind. Auch das Thema Klimawandel wurde angesprochen und warum Baumpflanzaktionen einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten können.
Die Schulungen wurden von der Umweltabtteilung der Stadt Blantyre und Mitgliedern der Wildlife and Environmental Society of Malawi (WESM) durchgeführt.

Jede Schule erhielt anschließend 60 Setzlinge, die Schüler*innen, Lehrkräfte und Elternvertreter*innen einpflanzten. Bei den Setzlingen handelt es sich in erster Linie um eine Mischung schnell wachsender und für den Standort geeigneter Obstbäume, z. B. Guave, Papaya, Mango, Zitrusfrüchte und Avocado.

Ein Mitarbeiter der Wildlife and Environmental Society of Malawi (WESM) erklärt Schüler*innen, was bei der Pflege der Setzlinge zu beachten ist.

Workshops für Multiplikator*innen
Die Ausbildung von Schüler*innen zu Multiplikator*innen hat sich bewährt. Mit viel Wissbegierde gehen sie  in die Workshops zu Pflegemaßnahmen oder Nachhaltigkeitsthemen. Anschließend geben sie das Gelernte selbstbewusst in eigenen Präsentationen oder praktischen Übungen in Schul-AGs an ihre Mitschüler*innen weiter. Die in Recycling-Workshops hergestellten Papierkugeln nehmen die Schüler*innen mit nach Hause, um sie dort beim Kochen anstatt von Holzkohle einzusetzen.

Parallel werden die Lehrkräfte und auch Eltern in Workshops geschult, damit diese die Schüler*innen jederzeit in ihren Aktivitäten unterstützen können. Darüber hinaus tauschen sich die Lehrkräfte auch mit anderen Kolleg*innen aus.

Praise Msangambe, einer der geschulten Multiplikatoren der South Lunzu Primary School, erklärt seinen Mitschüler*innen die verschiedenen Baumarten.

Projektaustausch und Expert*innenaustausch
Da eine ursprünglich angedachte Reise nach Blantyre Corona-bedingt nicht stattfinden konnte, trafen sich Anfang Dezember 2021 die Projektteams aus Blantyre und Hannover, Expert*innen sowie weitere eingeladene Gäste zu einem Online-Projekt- und Erfahrungsaustausch.

Am ersten Tag stand der interne Projektaustausch im Vordergrund.  Der Fokus am zweiten Tag lag auf dem Austausch der Expert*innen aus der Verwaltung zum Thema „Klimawandel in Hannover und Blantyre“. Aus beiden Kommunen waren Vertreter*innen aus dem Bereich Klimaschutz/Klimaanpassung und aus dem Bereich Forsten anwesend. In ihren Vorträgen gingen die Expert*innen auf die Auswirkungen des Klimwandels auf die Bereiche Infrastruktur, Gesundheit, Wasser, Stadtgrün, Stadtwald in ihrer jewiligen Stadt ein. Auch über Herausforderungen, Ziele, Maßnahmen und weitere Planungen wurde berichtet und im Anschluss rege darüber diskutiert.

 

Video zum Pflanz- und Brunnenprojekt in Blantyre

 

Zyklon Ana
Ende Januar 2022 verursachte der Tropensturm Ana in Madagaskar, Mosambik und in Malawi große Schäden. Im Süden Malawis wurden durch Starkregen und Sturm Dächer abgedeckt, Bäume entwurzelt, Felder überspült, Häuser, Straßen und Brücken beschädigt und die Strom- und Wasserversorgung ist zum Teil ausgefallen. Schulen wurden für eine Woche geschlossen. Laut Amt für Katastrophenmanagement hat der Tropensturm in Malawi 32 Todesopfer gefordert, 188.000 Menschen wurden vertrieben. Das Land hat den nationalen Katastrophenfall in diesen Gebieten ausgerufen.

Auch die Stadt Blantyre ist betroffen. Knapp 7.000 Haushalte sind beschädigt oder komplett zerstört worden. Vier Menschen starben, ca. 2.500 Menschen wurden obdachlos. Große Teile der Ernten von Mais und  Bohnen, die ein wichtiges Grundnahrungsmittel darstellen, wurden vernichtet.

Auch an einigen projektbeteiligten Schulen wurden Dächer abgedeckt, sind Mauern eingestürzt oder andere Gebäudeteile beschädigt worden. Einige Schulen standen den obdachlos gewordene Menschen als Notunterkünfte zur Verfügung, so dass dort kein oder nur eingeschränkt Unterricht stattfinden konnte. Durch den Starkregen wurden in einigen Schulen die frisch gepflanzten Setzlinge weggeschwemmt, die wieder nachgesetzt werden müssen. In Blantyre wird nun ein Plan entwickelt, wie die Pflanzungen so angelegt werden können, dass sie bei zukünftigen Starkregenfällen standhalten können.

Schäden am Dach der Kapeni Demonstration Primary School nach dem Zyklon "Ana".

 

Teilnahme am ELMinar "Partnerschaften für Klimaschutz"

Am 23. Februar trafen sich Teilnehmer*innen aus Deutschland und Malawi zu einem Online-Seminar des Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) zum Thema „Bäume pflanzen und die Erde retten? Erfahrungen aus Malawi“. Die Teilnehmenden  nutzten das ELMinar als Plattform zum Erfahrungsaustausch über Projekte in Deutschland und Malawi sowie zur Vernetzung. Hier wurde auch das Brunnen- und Pflanzprojekt von den Partner*innen aus Blantyre vorgestellt, zu dem es im Anschluss viele interessierte Fragen gab.

https://www.elm-mission.net/news/malawi-partnerschaften-fuer-klimaschutz

 

Das Projekt wird gefördert von Engagement Global gGmbh mit ihrer Servicestelle Kommunen in der Einen Welt aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).