Urban Gardening in Hochbeeten

Gartenprojekt im Flüchtlingswohnheim Sahlkamp 30

Präsenzveranstaltungen sind in Zeiten der Covid-19-Pandemie eine Seltenheit. Umso erfreulicher ist es, dass am 10. März 2021 ein gemeinsames Gartenprojekt der Johanniter Unfallhilfe e.V. - Ortsverband Hannover-Leine - und des Agenda 21- und Nachhaltigkeitsbüros beginnen konnte. 

Pflanzplan für eines der Hochbeete. 

Die Johanniter Unfallhilfe betreibt das Flüchtlingswohnheim Sahlkamp 30 unweit des Vahrenheider Markts im Auftrag der Landeshauptstadt Hannover. Auf dem Gelände des Wohnheims stehen sechs Hochbeete, die bereits in den vergangenen Jahren von Bewohner*innen genutzt worden waren. 

Im Februar 2020 traten die Betreiber*innen mit dem Wunsch an das Agenda 21- und Nachhaltigkeits-büro heran, die Bepflanzung der Hochbeete in ein Gartenprojekt einzubetten. Das Anliegen: den teil-nehmenden Bewohner*innen Kenntnisse über das Gärtnern in Hochbeeten zu vermitteln und sie bei der Auswahl und Pflege der Pflanzen zu unterstützen. Gleichzeitig sollten die Aspekte regionales und saisonales Obst und Gemüse sowie verpackungsarmes Einkaufen eingebunden werden. 

Das Agenda 21- und Nachhaltigkeitsbüro entwickelte in Zusammenarbeit mit der Naturfreundejugend Niedersachsen e.V. ein Konzept, das von März bis September sieben Termine vorsieht. 

Das Interesse der Bewohner*innen am Gartenprojekt war groß, so dass die Hochbeete schnell verge-ben waren. Insgesamt nehmen zehn Erwachsene und acht Kinder teil. Dabei zeigte sich, dass sämtliche Familien bereits in der Heimat Gärten bewirtschaftet und die Ernte zum Teil auch verkauft hatten. 

Darüber kamen die Teilnehmenden und die Referent*innen sowie die beteiligen Mitarbeitenden des Wohnheims schnell ins Gespräch. Und beim Erstellen der Pflanzpläne kristallisierten sich schnell Vorlie-ben für bestimmte Gemüsesorten heraus. 

Die einzelnen Gruppen bereiteten ihre Hochbeete durch Lockern der Erde und Entfernen von Wild-kräutern vor, so dass beim zweiten Termin am 24. März Kompost aufgetragen und eingearbeitet wer-den konnte. Außerdem stand die Aussaat für das Vorziehen von Gemüsepflanzen an. Als Behälter dienten Eierpappen, aufgeschnittene Tetrapacks und Dosen. Mit einem so genannten Paper Potter wurden kleine Anzuchttöpfe aus Zeitungspapier hergestellt. Das Saatgut wurde größtenteils vom Ver-mehrungsgarten in Ricklingen bezogen, der sich für die Erhaltung alter Gemüsesorten einsetzt und auf seinem Gelände in Ricklingen auf Beeten und in Gewächshäusern Pflanzen für die Vermehrung heran-zieht. Weitere Termine sind am 21. April, 19. Mai, 16. Juni, 21. Juli und 22. September vorgesehen. 

Es ist ein Wochenmarktbesuch geplant, der Anlass bietet für einen Austausch über Obst und Gemüse in der Heimat der Teilnehmenden und über solches, das in der Region Hannover angebaut wird. Und er ist Anlass, über verschiedene Anbaumethoden und Erfahrungen zu sprechen, denn auch darum geht es: voneinander zu lernen. Beim letzten Termin wird das geerntete Gemüse zu Speisen für ein kleines Abschlussfest verarbeitet. 

Das Gartenprojekt bietet den Teilnehmenden die Möglichkeit, mehr über das Gärtnern und über Einkaufsmöglichkeiten in unseren Breiten zu erfahren. Die Teilnehmenden erfahren, welches Obst und Gemüse in der Region gedeiht und sich für den Anbau eignet. Und sie erfahren, dass frisches Gemüse und Obst in der Haupterntezeit günstig auf dem Bauern- und Wochenmarkt zu haben ist - selbst in Bio-Qualität. Ebenso lernen sie kostengünstige Möglichkeiten des Gärtnerns kennen, indem beispielsweise ausrangierte Behälter zum Bepflanzen genutzt werden. Damit wird zugleich deutlich, dass sich nachhaltiges Handeln und sparsames Wirtschaften nicht grundsätzlich widersprechen.