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Debatte

Klimapolitik selbst gemacht

Im Neuen Rathaus nahmen am 8. März 2017 25 Schülerinnen und Schüler der Klasse 11/4 der IGS Roderbruch am Planspiel Südsicht mit Schwerpunkt Südamerika teil.

Kinder in einem Saal. © Nader Ismail / LHH

Schülerinnen und Schüler diskutieren Klimaschutzmaßnahmen.

Für die Durchführung stand der Hodlersaal im Neuen Rathaus zur Verfügung und damit ein authentischer Ort, an dem auch die Ausschüsse des Rates der Landeshauptstadt Hannover tagen. Angeleitet wurde das Planspiel von zwei Referentinnen der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V.

Das Szenario

Die Schülerinnen und Schüler schlüpften in die Rolle von Parlamentariern der fiktiven Gemeinde Selvagalpa in Nicorugoa. Diese ist immer häufiger von Wasserknappheit und Ernteausfällen als Folge von Dürreperioden, Stürmen und unkontrollierbaren Überschwemmungsereignissen mit gefährlichen Erdabrutschen betroffen. Besonders betroffen ist der ärmste Teil der Bevölkerung in den Slums der Stadt und in den ländlichen Regionen. Doch neben dem großen Investitionsbedarf der Kommune in Klimaanpassungsmaßnahmen fordert die benachteiligte Landbevölkerung den längst überfälligen Anschluss an das kommunale Trink-und Abwassersystem. Auf dem Land gibt es vielerorts nicht einmal Strom und die Forderung nach Versorgung mit erneuerbarer Energie aus der Wirtschaft wird laut, um unabhängig von den schwankenden Rohölimporten aus den Nachbarländern zu werden. Innerhalb der Stadt verursacht das mangelhafte Müllentsorgungssystem hygienische und gesundheitliche Probleme.

Das Ziel

Aufgabe des Stadtrates war es nun zu entscheiden, in welche Projekte das limitierte Haushaltsbudget von 1,5 Millionen US-Dollar investiert wird: Hochwasserschutz? Kläranlagen, Trink- und Abwassersystem? Erneuerbare Energien oder Müllentsorgung?

Das Ergebnis

Die Schülerinnen und Schüler debattierten im Rat und berieten sich in ihren Fraktionen und in zwei Ausschüssen, dem Haupt- und Finanzausschuss sowie dem Planungs- und Umweltausschuss. Als Ergebnis der Beratungen entstanden zwei Beschlussvorlagen, die konkrete Maßnahmenvorschläge inklusive entsprechender Finanzpläne sowie einer Übersicht möglicher Fördergeber aus dem In- und Ausland enthielten. Mit einer Mehrheitsabstimmung entschied der Stadtrat am Ende über die Empfehlungen.

Die Resonanz

Trotz der Komplexität der Aufgabenstellung und des begrenzten Zeitrahmens von fünf Stunden gelang es den "Kommunalpolitikern", die verschiedenen Aspekte zu durchdringen und wohldurchdachte Empfehlungen für die Abstimmung im Stadtrat zu erarbeiten. Die Rückmeldungen der Schülerinnen und Schüler waren durchweg positiv. Nahezu alle Jugendlichen sprachen sich dafür aus, Planspiele auch zu anderen Themen im Unterricht einzusetzen.

Der Lokalaspekt

Im Rahmen der Veranstaltung kam auch der lokale Aspekt zum Tragen. Das Agenda 21- und Nachhaltigkeitsbüro stellte unter anderem seine Aktivitäten im Rahmen der Klimapartnerschaft mit der Gemeinde Belén de los Andaquíes in Kolumbien vor. Dort gibt es eine Zusammenarbeit mit Kakao-Bauern, die ihre Kakaopflanzen regenwald- und damit auch klimafreundlich im Agroforstsystem anpflanzen; es gibt dort keine großflächigen Rodungen sowie Monokulturen. Der Kakao wird in einer Mühle im Odenwald zu Schokolade verarbeitet, die das Agenda 21- und Nachhaltigkeitsbüro im Rahmen seiner Öffentlichkeits- und Bildungsarbeit einsetzt. An ihr lassen sich die Zusammenhänge zwischen unserem Konsumverhalten und den globalen Auswirkungen sehr gut verdeutlichen.

Das Verhalten Einzelner

Daran anknüpfend wurden zum Schluss in großer Runde klimafreundliche Handlungsweisen im privaten Umfeld sowie Möglichkeiten der Einflussnahme auf politische Entscheidungen beziehungsweise Firmenpolitik diskutiert.

Video-Download

Ein klimapolitischer Perspektivwechsel mit der Klasse 11/4 der IGS Roderbruch im Neuen Rathaus am 8. März 2017.