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Gemeinde Wedemark

Jürsenbach Oberlauf

Köcherfliegenlarve © Region Hannover, G. Kruse

Köcherfliegenlarve

Biologie

Der Jürsenbach weist einen natürlichen Quellbereich mit konstanter Schüttung auf. Besonders der obere Abschnitt ist daher artenreich belebt (ca. 30 Arten). Auffällig ist jedoch das völlige Fehlen von Eintagsfliegenlarven. Köcherfliegenlarven und Zweiflügler sind jedoch ganzjährig im gesamten Gewässerverlauf vorhanden. Köcherfliegenlarven weisen vielfältig konstruierte Köcher u.a. aus Holz, Blattstückchen oder Steinen auf. Er dient als Schutz  ihres langen zarten Körpers. Es gibt aber auch köcherlose Arten. Die meisten Köcherfliegenarten lieben das Leben in sauberem, fließenden Wasser und leisten mit ihrem Verzehr von organischen Stoffen einen wichtigen Beitrag zur Selbstreinigung.

Bis auf die im Uferseitenraum außerhalb des Wassers lebende Köcherfliege Enoicyla pusilla findet sich eine Vielfalt an weiteren im Gewässer lebenden Köcherfliegenarten im Jürsenbach. So z.B. die räuberisch lebende und netzbauende Art Plectrocnemia conspersa. Beiden ist gemein, dass sie Laubwaldbegleitung benötigen. Daher sind die Erlen am Gewässerrand für sie existenziell wichtig. Robuste Steinköcher bauen Lithax und Silo. Sie benötigen also entsprechendes Baumaterial am Gewässergrund. Sauberes und quellnahes Wasser liebt Beraea pullata. Auch Lithax obscurus ist ein typischer Hartsubstratbewohner relativ schmaler Bäche mit gut ausgebildetem Bodenlückensystem. Seine Hauptsohlsubstratbedürfnisse sind Sand und Kies, kleinere Steine und Totholz. Dies trifft auch auf Silo und Sericostoma-Arten zu.

Für Forellen sind sie alle eine fette Beute. Die erwachsenen Köcherfliegen können bei der Partnerfindung beeindruckende Schwärme ausbilden. Diese schwärmen gerne im Dämmerlicht am Bachufer entlang. Der Wert des Jürsenbaches liegt vor allem auch darin, dass wir hier noch einen natürlichen und unverbauten Quellbereich haben.

Die Ausbildung und Sicherung eines turbulenten NW- und MW-Abflusses mit Schattendruck durch Erlen oder Hochstauden, sowie eine gute Hartsubstratsohle sichern langfristig die gute Qualität.

Quellen:

Gütezeigerarten des Deutschen Fauna-Index in Berlin/Brandenburg www.stadtentwicklung.berlin.de/umwelt/wasser/.../Arten_DFI_Berlin.pdf‎

Chemie

Allgemeines

An den zehn Versuchsgewässern werden dreimal jährlich folgende physikalisch-chemische Grundparameter erhoben: Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamtphosphat, Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff. Die Wasserproben werden vom Wasserlabor der Region Hannover nach den jeweiligen DIN-Vorschriften analysiert bzw. vor Ort gemessen.

Diese allgemeinen Kenngrößen der Wasserqualität ergänzen und unterstützen die biologische Bewertung der Gewässer. Die Nichteinhaltung bestimmter Werte liefert wertvolle Hinweise auf vorhandene Belastungen und ökologische Defizite.

Die WRRL gibt direkt keine Vorgaben für die Bewertung der einzelnen Parameter. Es wurden jedoch Orientierungswerte im Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL erarbeitet (LAWA 2007: Rahmenkonzeption Monitoring, Teil B: Bewertungsgrundlagen und Methodenbeschreibung. Arbeitspapier II Hintergrund- und Orientierungswerte für physikalisch-chemische Komponente). Anhand von diesen Schwellenwerten kann eine Bewertung für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand / Potential erfolgen.

Zusätzlich ist eine Bewertung mit den alten chemischen Güteklassen aus den 90er Jahren möglich (LAWA 1998: Zielvorgaben zum Schutzoberirdischer Binnengewässer). Als Orientierungswert sind hier die Angaben für die Güteklasse II anzunehmen.

Im Folgenden werden die Nährstoffparameter Phosphor und Stickstoff näher beschrieben und bewertet, da sie für die Unterhaltung eine wichtige Rolle spielen.

Gesamtphosphor

Für den Aufbau von pflanzlicher Biomasse ist Phosphor ein notwendiger Nährstoff. In nicht verunreinigten Gewässern ist er natürlicherweise in sehr geringen Konzentrationen vorhanden und begrenzt daher das Wachstum von Pflanzen. Die künstliche Zufuhr von Phosphorverbindungen bewirkt bei ausreichender Lichtzufuhr starke Verkrautungen sowie Fadenalgen oder auch Algenblüten.

Phosphor wird in Gewässer hauptsächlich durch Abwassereinleitungen (Kläranlagen, Regenwasser), Bodenabschwemmungen und Sickersäften eingetragen. Eine weitere erhebliche Belastungsquelle ist die Moorentwässerung.

Der Schwellenwert für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand beträgt 0,1 mg / l (Mittelwert). Der Wert für die Güteklasse II wird mit < 0,15 mg / l angegeben.

Ammonium- und Nitrat-Stickstoff

Die Stickstoffverbindungen stellen neben den Phosphorverbindungen die wichtigsten Nährstoffe in Gewässern da. In Form von Ammonium kommt Stickstoff in unbeeinflussten Bächen nur in Spuren vor. Höhere Konzentrationen weisen fast immer Einleitungen (Abwasser, Gülle, Silagesäfte) hin. Eine Ausnahme ist auch hier die Entwässerung von Moorgebieten. Hier treten aufgrund der anaeroben Verhältnisse ebenfalls hohe Werte in den Vorflutern auf. In Fließgewässern liegt Stickstoff zum überwiegenden Teil als Nitrat vor. Der Eintrag erfolgt hauptsächlich über das Grundwasser bzw. oberflächennahe Wasser (Drainagen) und durch Kläranlagen. Alle Stickstoffverbindungen werden von Pflanzen genutzt. Die Wirkung hinsichtlicht einer Massenentwicklung von Pflanzen ist aber meist nachrangig, da Stickstoff auch unter natürlichen Bedingungen kein limitierender Faktor ist. Hohe Konzentrationen können aber bestimmte Pflanzenarten fördern und so eine Artenverschiebung verursachen. Mit Blick auf die Belastungssituation der Nordsee und der Küstengewässer – dort hat Stickstoff hinsichtlich der Überdüngung eine hohe Bedeutung – ist der Stickstoffeintrag in die Fliegewässer stark zu reduzieren.

Der Schwellenwert wird für Ammonium- Stickstoff wird mit 0,3 mg / l N als Mittelwert angegeben. Für die Gewässergüteklasse II soll die Konzentration < 0,3 mg / l N betragen. Ammonium wird in Abhängigkeit vom pH-Wert und der Temperatur zu  stark fischgiftigen Ammoniak umgewandelt wird. Dieser Stoff ist bereits in sehr geringen Konzentrationen akut toxisch für Fische und Wirbellose.

Qualitätsziele hinsichtlich der Wirkung von Nitrat als Pflanzennährstoff liegen bisher nicht vor. Abgeleitet von den Umweltzielen der Küstengewässer sollten nach neuen Erkenntnissen die Konzentrationen für Gesamtstickstoff im Mittel bei höchstens 2,8 mg / l N liegen (Bund-Länder Messprogramm 2011). Dieser Wert deckt sich gut mit der Angabe von < 2,5 mg / l Nitrat-Stickstoff für die Gewässergüteklasse II.