Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

monitoring

Stadt Burgwedel und Realverband Großburgwedel

Graben am Zweiten Seckbruchdamm

Neuseeländische Deckelschnecke © Region Hannover, G. Kruse

Neuseeländische Deckelschnecke

Biologie

Der Graben wurde bisher nur einmal beprobt (Oktober 2013). Auffällig ist das hohe Vorkommen der Neuseeländischen Deckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum). Daneben traten nur Funde aus folgenden Gruppen in nennenswertem Umfang auf: Muscheln (2 Arten), Bachflohkrebse (1 Art) und Zweiflügler (4 Arten). Die Neuseeländische Deckelschnecke sieht wie ein kleines ovales schwarzes Sandkorn aus. Wenn sie beim Abfressen von Algen gemächlich über Pflanzen und Steine gleitet, zeigt sich, dass ihr kleiner Körper von edler schwarzer Farbe ist. Sie kommt ursprünglich aus Neuseeland und ist vermutlich mit Trink- und Ballastwasser der Schiffe nach Europa eingeschleppt worden. Sie ist mittlerweile fester Bestandteil der Gewässerfauna Europas und verträgt Salzgehalte bis 1,7% (Brackwasser). Sie bevorzugt organisch verschmutzte nitratbelastete Gewässer, wo sie Massenvorkommen aufbauen kann. Sie benötigt aber ausreichende Calciumgehalte für den Gehäuseaufbau (2-4 mg/l), weshalb sie sich in sauren Gewässern mit pH-Werten dauerhaft unter pH6 nicht vermehren kann. In ihrer Heimat ist sie getrenntgeschlechtlich. Bei uns kommen ausschließlich Weibchen vor, die dann wieder Weibchen gebären. Diese kleinen Mädchen werden lebend geboren,  mit fertigen eigenen Schneckenhäusern, die sogar einen winzigen Deckel zum Verschließen haben. Die Neuseeländische Deckelschnecke  ist nicht frosthart und flüchtet bei ungünstigen Verhältnissen in das Sediment des Untergrundes. Daher reagiert sie auf Sedimententnahmen entsprechend sensibel.

Obwohl der Graben am zweiten Seckbruchdamm zeitweise im Mündungsbereich zum Wiesenbach trocken fällt, entwickelt er in größeren Streckenabschnitten Fließgewässerqualität. Dies drückt sich auch aus im Vorkommen des Bachflohkrebses. Vor allem aber weist das Vorkommen der für Fließgewässer charakteristischen Eintagsfliege Ephemera danica auf sandige bis kiesgeprägte Abschnitte mit Bachqualität hin mit einer ausreichenden Sauerstoffversorgung bei relativ ungestörten Verhältnissen.

Quellen:
- Neuseeländische Deckelschnecke – Wikipedia de.wikipedia.org/wiki/Neuseeländische_Deckelschnecke
- Potamopyrgus antipodarum - Oberösterreichisches Landesmuseum www.landesmuseum.at/pdf_frei.../CAR_187_107_0021-0023.pdf‎
- Jacob Brandt (2011) Das Vorkommen von Ephemera danica im Alstereinzugsgebiet [PDF] Ephemera danica - Hamburg www.hamburg.de/contentblob/2996626/data/ephemera-danica.pdf‎

Chemie

Allgemeines

An den zehn Versuchsgewässern werden dreimal jährlich folgende physikalisch-chemische Grundparameter erhoben: Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamtphosphat, Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff. Die Wasserproben werden vom Wasserlabor der Region Hannover nach den jeweiligen DIN-Vorschriften analysiert bzw. vor Ort gemessen.

Diese allgemeinen Kenngrößen der Wasserqualität ergänzen und unterstützen die biologische Bewertung der Gewässer. Die Nichteinhaltung bestimmter Werte liefert wertvolle Hinweise auf vorhandene Belastungen und ökologische Defizite.

Die WRRL gibt direkt keine Vorgaben für die Bewertung der einzelnen Parameter. Es wurden jedoch Orientierungswerte im Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL erarbeitet (LAWA 2007: Rahmenkonzeption Monitoring, Teil B: Bewertungsgrundlagen und Methodenbeschreibung. Arbeitspapier II Hintergrund- und Orientierungswerte für physikalisch-chemische Komponente). Anhand von diesen Schwellenwerten kann eine Bewertung für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand / Potential erfolgen.

Zusätzlich ist eine Bewertung mit den alten chemischen Güteklassen aus den 90er Jahren möglich (LAWA 1998: Zielvorgaben zum Schutzoberirdischer Binnengewässer). Als Orientierungswert sind hier die Angaben für die Güteklasse II anzunehmen.

Im Folgenden werden die Nährstoffparameter Phosphor und Stickstoff näher beschrieben und bewertet, da sie für die Unterhaltung eine wichtige Rolle spielen.

Gesamtphosphor

Für den Aufbau von pflanzlicher Biomasse ist Phosphor ein notwendiger Nährstoff. In nicht verunreinigten Gewässern ist er natürlicherweise in sehr geringen Konzentrationen vorhanden und begrenzt daher das Wachstum von Pflanzen. Die künstliche Zufuhr von Phosphorverbindungen bewirkt bei ausreichender Lichtzufuhr starke Verkrautungen sowie Fadenalgen oder auch Algenblüten.

Phosphor wird in Gewässer hauptsächlich durch Abwassereinleitungen (Kläranlagen, Regenwasser), Bodenabschwemmungen und Sickersäften eingetragen. Eine weitere erhebliche Belastungsquelle ist die Moorentwässerung.

Der Schwellenwert für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand beträgt 0,1 mg / l (Mittelwert). Der Wert für die Güteklasse II wird mit < 0,15 mg / l angegeben.

Ammonium- und Nitrat-Stickstoff

Die Stickstoffverbindungen stellen neben den Phosphorverbindungen die wichtigsten Nährstoffe in Gewässern da. In Form von Ammonium kommt Stickstoff in unbeeinflussten Bächen nur in Spuren vor. Höhere Konzentrationen weisen fast immer Einleitungen (Abwasser, Gülle, Silagesäfte) hin. Eine Ausnahme ist auch hier die Entwässerung von Moorgebieten. Hier treten aufgrund der anaeroben Verhältnisse ebenfalls hohe Werte in den Vorflutern auf. In Fließgewässern liegt Stickstoff zum überwiegenden Teil als Nitrat vor. Der Eintrag erfolgt hauptsächlich über das Grundwasser bzw. oberflächennahe Wasser (Drainagen) und durch Kläranlagen. Alle Stickstoffverbindungen werden von Pflanzen genutzt. Die Wirkung hinsichtlicht einer Massenentwicklung von Pflanzen ist aber meist nachrangig, da Stickstoff auch unter natürlichen Bedingungen kein limitierender Faktor ist. Hohe Konzentrationen können aber bestimmte Pflanzenarten fördern und so eine Artenverschiebung verursachen. Mit Blick auf die Belastungssituation der Nordsee und der Küstengewässer – dort hat Stickstoff hinsichtlich der Überdüngung eine hohe Bedeutung – ist der Stickstoffeintrag in die Fliegewässer stark zu reduzieren.

Der Schwellenwert wird für Ammonium- Stickstoff wird mit 0,3 mg / l N als Mittelwert angegeben. Für die Gewässergüteklasse II soll die Konzentration < 0,3 mg / l N betragen. Ammonium wird in Abhängigkeit vom pH-Wert und der Temperatur zu  stark fischgiftigen Ammoniak umgewandelt wird. Dieser Stoff ist bereits in sehr geringen Konzentrationen akut toxisch für Fische und Wirbellose.

Qualitätsziele hinsichtlich der Wirkung von Nitrat als Pflanzennährstoff liegen bisher nicht vor. Abgeleitet von den Umweltzielen der Küstengewässer sollten nach neuen Erkenntnissen die Konzentrationen für Gesamtstickstoff im Mittel bei höchstens 2,8 mg / l N liegen (Bund-Länder Messprogramm 2011). Dieser Wert deckt sich gut mit der Angabe von < 2,5 mg / l Nitrat-Stickstoff für die Gewässergüteklasse II.