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Stadt Garbsen

Brandmoorgraben

Zuckmückenlarve © Region Hannover, G. Kruse

Zuckmückenlarve

Biologie

Im Brandmoorgraben wurden viele Bachflohkrebse, Zweiflügler (mind. 4 Arten), Köcherfliegen (4 Arten) und Käfer (3 Arten) entdeckt. Der obere Abschnitt fällt im Sommer trocken. Hier leben hauptsächlich Erbsenmuscheln. Zuckmücken sind im gesamten Gewässerverlauf vorhanden. Zuckmücken sind eine der artenreichsten Tiergruppen überhaupt. Sie sind friedliche Zeitgenossen, die nicht stechen können. Sie lieben den Tanz zur Partnerfindung und bilden große, an Rauchschwaden erinnernde Tanzschwärme. Als Larven leisten sie ihren Beitrag zur Selbstreinigung des Wassers, indem sie unentwegt Algen und andere organische Stoffe, die wir als Schmutz bezeichnen, wegfressen. Sie besiedeln, je nach Art, sowohl saubere als auch stark verschmutzte Bereiche. Insbesondere die roten Zuckmückenlarven besiedeln gerne stark organisch belastete Areale. Ihr roter Farbstoff dient wie beim Menschen dazu, Luftsauerstoff zu atmen. Das macht sie unabhängig vom Sauerstoffgehalt im Wasser. Mit diesem Konkurrenzvorteil sind sie in der Lage sauerstoffarme Bereiche zu besiedeln.

Sie zeigen uns bei Massenvorkommen nicht nur die schlechte Wasserqualität, sondern sie bilden damit eine wichtige erste Stufe der biologischen Selbstreinigung. Und auch als Fischfutter bilden sie einen wichtigen Grundstock für das Nahrungsnetzwerk im Gewässer. Der obere Bereich des Brandmoorgrabens ist von Tieren besiedelbar, die sich mit verschiedensten Strategien gegen Austrocknung wappnen: durch Rückzug ins Sediment, trockene Phase als Ei, Puppe oder adult [Erwachsenenstadium] außerhalb des Gewässers.

Eine regelmäßige Wasserführung fördert die Entwicklung in Richtung Fließgewässer im Brandmoorgraben.

Chemie

Allgemeines

An den zehn Versuchsgewässern werden dreimal jährlich folgende physikalisch-chemische Grundparameter erhoben: Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamtphosphat, Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff. Die Wasserproben werden vom Wasserlabor der Region Hannover nach den jeweiligen DIN-Vorschriften analysiert bzw. vor Ort gemessen.

Diese allgemeinen Kenngrößen der Wasserqualität ergänzen und unterstützen die biologische Bewertung der Gewässer. Die Nichteinhaltung bestimmter Werte liefert wertvolle Hinweise auf vorhandene Belastungen und ökologische Defizite.

Die WRRL gibt direkt keine Vorgaben für die Bewertung der einzelnen Parameter. Es wurden jedoch Orientierungswerte im Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL erarbeitet (LAWA 2007: Rahmenkonzeption Monitoring, Teil B: Bewertungsgrundlagen und Methodenbeschreibung. Arbeitspapier II Hintergrund- und Orientierungswerte für physikalisch-chemische Komponente). Anhand von diesen Schwellenwerten kann eine Bewertung für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand / Potential erfolgen.

Zusätzlich ist eine Bewertung mit den alten chemischen Güteklassen aus den 90er Jahren möglich (LAWA 1998: Zielvorgaben zum Schutzoberirdischer Binnengewässer). Als Orientierungswert sind hier die Angaben für die Güteklasse II anzunehmen.

Im Folgenden werden die Nährstoffparameter Phosphor und Stickstoff näher beschrieben und bewertet, da sie für die Unterhaltung eine wichtige Rolle spielen.

Gesamtphosphor

Für den Aufbau von pflanzlicher Biomasse ist Phosphor ein notwendiger Nährstoff. In nicht verunreinigten Gewässern ist er natürlicherweise in sehr geringen Konzentrationen vorhanden und begrenzt daher das Wachstum von Pflanzen. Die künstliche Zufuhr von Phosphorverbindungen bewirkt bei ausreichender Lichtzufuhr starke Verkrautungen sowie Fadenalgen oder auch Algenblüten.

Phosphor wird in Gewässer hauptsächlich durch Abwassereinleitungen (Kläranlagen, Regenwasser), Bodenabschwemmungen und Sickersäften eingetragen. Eine weitere erhebliche Belastungsquelle ist die Moorentwässerung.

Der Schwellenwert für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand beträgt 0,1 mg / l (Mittelwert). Der Wert für die Güteklasse II wird mit < 0,15 mg / l angegeben.

Ammonium- und Nitrat-Stickstoff

Die Stickstoffverbindungen stellen neben den Phosphorverbindungen die wichtigsten Nährstoffe in Gewässern da. In Form von Ammonium kommt Stickstoff in unbeeinflussten Bächen nur in Spuren vor. Höhere Konzentrationen weisen fast immer Einleitungen (Abwasser, Gülle, Silagesäfte) hin. Eine Ausnahme ist auch hier die Entwässerung von Moorgebieten. Hier treten aufgrund der anaeroben Verhältnisse ebenfalls hohe Werte in den Vorflutern auf. In Fließgewässern liegt Stickstoff zum überwiegenden Teil als Nitrat vor. Der Eintrag erfolgt hauptsächlich über das Grundwasser bzw. oberflächennahe Wasser (Drainagen) und durch Kläranlagen. Alle Stickstoffverbindungen werden von Pflanzen genutzt. Die Wirkung hinsichtlicht einer Massenentwicklung von Pflanzen ist aber meist nachrangig, da Stickstoff auch unter natürlichen Bedingungen kein limitierender Faktor ist. Hohe Konzentrationen können aber bestimmte Pflanzenarten fördern und so eine Artenverschiebung verursachen. Mit Blick auf die Belastungssituation der Nordsee und der Küstengewässer – dort hat Stickstoff hinsichtlich der Überdüngung eine hohe Bedeutung – ist der Stickstoffeintrag in die Fliegewässer stark zu reduzieren.

Der Schwellenwert wird für Ammonium- Stickstoff wird mit 0,3 mg / l N als Mittelwert angegeben. Für die Gewässergüteklasse II soll die Konzentration < 0,3 mg / l N betragen. Ammonium wird in Abhängigkeit vom pH-Wert und der Temperatur zu  stark fischgiftigen Ammoniak umgewandelt wird. Dieser Stoff ist bereits in sehr geringen Konzentrationen akut toxisch für Fische und Wirbellose.

Qualitätsziele hinsichtlich der Wirkung von Nitrat als Pflanzennährstoff liegen bisher nicht vor. Abgeleitet von den Umweltzielen der Küstengewässer sollten nach neuen Erkenntnissen die Konzentrationen für Gesamtstickstoff im Mittel bei höchstens 2,8 mg / l N liegen (Bund-Länder Messprogramm 2011). Dieser Wert deckt sich gut mit der Angabe von < 2,5 mg / l Nitrat-Stickstoff für die Gewässergüteklasse II.