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Wasser- und Bodenverband Eldagsen

Everdagser Beeke

Muschel im Gewässer. © Region Hannover, G. Kruse

Erbsenmuschel

Biologie

Das Gewässer fällt in den Sommermonaten trocken.

Im Herbst 2012 und im Frühjahr 2013 wurden in dem Bach hauptsächlich Schnecken (3 Arten), Muscheln (3 Arten), und Mückenlarven (aus mehreren Gruppen) gefunden.

In der Everdagser Beeke leben Wirbellose, die an das Trockenfallen angepasst sind. Entweder sind die Generationszeiten der Tiere recht kurz und fallen genau in den Zeitraum der Wasserführung oder sie haben spezielle Strategien zum Überleben der Trockenzeiten entwickelt.

Auch die Erbsenmuschel (Pisidium) kommt in temporären Gewässern vor. Sie verfügt über eine enorme passive Ausbreitungsfähigkeit und kann so Gewässer schnell wiederbesiedeln. Erbsenmuscheln sind die kleinsten Süßwassermuscheln. Sie sehen auf den ersten Blick wie winzige weiße Sandkörner aus.

Alle Muscheln tragen mit zum Teil sehr großer Filterleistung – bis zu ca. 1 m³ pro Tag – zur Reinigung des Wassers bei.

Während die Art Pisidium casertanum auch unter extremen Bedingungen wie Nahrungsarmut, Kalkarmut, Austrocknung und Temperaturschwankungen sowie nur geringsten Schlammdicken auskommt, gilt Pisidium personatum als deutlich anspruchsvoller.

Der Name Beeke gibt einen Hinweis darauf, dass es sich vom Potenzial her um ein Fließgewässer handelt.

Das vereinzelte Vorkommen des Bachflohkrebses und der strömungsabhängigen Kriebelmücke (Simulium angustipes) zeigt, dass, wenn es gelingt, die Rahmenbedingungen in Richtung Fließgewässer weiter zu entwickeln, aus der angrenzenden Haller eine Wiederbesiedlung stattfinden kann.

Quellen:

Der ökologische Indikatorwert mitteleuropäischer Pisidium-Arten
e-docs.geo-leo.de/bitstream/handle/11858/00.../vol26_no1_a11.pdf...‎
von CLAUS MEIER-BROOK (1975)

Chemie

Allgemeines

An den zehn Versuchsgewässern werden dreimal jährlich folgende physikalisch-chemische Grundparameter erhoben: Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit, Gesamtphosphat, Ammonium-Stickstoff und Nitrat-Stickstoff. Die Wasserproben werden vom Wasserlabor der Region Hannover nach den jeweiligen DIN-Vorschriften analysiert bzw. vor Ort gemessen.

Diese allgemeinen Kenngrößen der Wasserqualität ergänzen und unterstützen die biologische Bewertung der Gewässer. Die Nichteinhaltung bestimmter Werte liefert wertvolle Hinweise auf vorhandene Belastungen und ökologische Defizite.

Die WRRL gibt direkt keine Vorgaben für die Bewertung der einzelnen Parameter. Es wurden jedoch Orientierungswerte im Zusammenhang mit der Umsetzung der WRRL erarbeitet (LAWA 2007: Rahmenkonzeption Monitoring, Teil B: Bewertungsgrundlagen und Methodenbeschreibung. Arbeitspapier II Hintergrund- und Orientierungswerte für physikalisch-chemische Komponente). Anhand von diesen Schwellenwerten kann eine Bewertung für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand / Potential erfolgen.

Zusätzlich ist eine Bewertung mit den alten chemischen Güteklassen aus den 90er Jahren möglich (LAWA 1998: Zielvorgaben zum Schutzoberirdischer Binnengewässer). Als Orientierungswert sind hier die Angaben für die Güteklasse II anzunehmen.

Im Folgenden werden die Nährstoffparameter Phosphor und Stickstoff näher beschrieben und bewertet, da sie für die Unterhaltung eine wichtige Rolle spielen.

Gesamtphosphor

Für den Aufbau von pflanzlicher Biomasse ist Phosphor ein notwendiger Nährstoff. In nicht verunreinigten Gewässern ist er natürlicherweise in sehr geringen Konzentrationen vorhanden und begrenzt daher das Wachstum von Pflanzen. Die künstliche Zufuhr von Phosphorverbindungen bewirkt bei ausreichender Lichtzufuhr starke Verkrautungen sowie Fadenalgen oder auch Algenblüten.

Phosphor wird in Gewässer hauptsächlich durch Abwassereinleitungen (Kläranlagen, Regenwasser), Bodenabschwemmungen und Sickersäften eingetragen. Eine weitere erhebliche Belastungsquelle ist die Moorentwässerung.

Der Schwellenwert für den Übergang vom guten zum mäßigen ökologischen Zustand beträgt 0,1 mg / l (Mittelwert). Der Wert für die Güteklasse II wird mit < 0,15 mg / l angegeben.

Ammonium- und Nitrat-Stickstoff

Die Stickstoffverbindungen stellen neben den Phosphorverbindungen die wichtigsten Nährstoffe in Gewässern da. In Form von Ammonium kommt Stickstoff in unbeeinflussten Bächen nur in Spuren vor. Höhere Konzentrationen weisen fast immer Einleitungen (Abwasser, Gülle, Silagesäfte) hin. Eine Ausnahme ist auch hier die Entwässerung von Moorgebieten. Hier treten aufgrund der anaeroben Verhältnisse ebenfalls hohe Werte in den Vorflutern auf. In Fließgewässern liegt Stickstoff zum überwiegenden Teil als Nitrat vor. Der Eintrag erfolgt hauptsächlich über das Grundwasser bzw. oberflächennahe Wasser (Drainagen) und durch Kläranlagen. Alle Stickstoffverbindungen werden von Pflanzen genutzt. Die Wirkung hinsichtlicht einer Massenentwicklung von Pflanzen ist aber meist nachrangig, da Stickstoff auch unter natürlichen Bedingungen kein limitierender Faktor ist. Hohe Konzentrationen können aber bestimmte Pflanzenarten fördern und so eine Artenverschiebung verursachen. Mit Blick auf die Belastungssituation der Nordsee und der Küstengewässer – dort hat Stickstoff hinsichtlich der Überdüngung eine hohe Bedeutung – ist der Stickstoffeintrag in die Fliegewässer stark zu reduzieren.

Der Schwellenwert wird für Ammonium- Stickstoff wird mit 0,3 mg / l N als Mittelwert angegeben. Für die Gewässergüteklasse II soll die Konzentration < 0,3 mg / l N betragen. Ammonium wird in Abhängigkeit vom pH-Wert und der Temperatur zu  stark fischgiftigen Ammoniak umgewandelt wird. Dieser Stoff ist bereits in sehr geringen Konzentrationen akut toxisch für Fische und Wirbellose.

Qualitätsziele hinsichtlich der Wirkung von Nitrat als Pflanzennährstoff liegen bisher nicht vor. Abgeleitet von den Umweltzielen der Küstengewässer sollten nach neuen Erkenntnissen die Konzentrationen für Gesamtstickstoff im Mittel bei höchstens 2,8 mg / l N liegen (Bund-Länder Messprogramm 2011). Dieser Wert deckt sich gut mit der Angabe von < 2,5 mg / l Nitrat-Stickstoff für die Gewässergüteklasse II.