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Renaturierungsprojekt

Der Weiße Berg wird wieder Binnendüne

Arbeiten in Mardorf beginnen heute, 16.10.2017. Tiere, Pflanzen und Erholungssuchende finden zukünftig wieder das Biotop "offene Binnendüne" am Steinhuder Meer vor.

Binnendünen mit vielen offenen Sandflächen und nur wenigen Bäumen waren noch vor fünfzig Jahren charakteristisch für das Landschaftsbild am Nordufer des Steinhuder Meers. Obwohl bis zu 20 Meter hoch sind die heute aufgeforsteten oder landwirtschaftlich genutzten Sandberge kaum noch erkennbar. Mit einem Renaturierungsprojekt will die Region Hannover den ursprünglichen Zustand einiger Dünen wieder herstellen. Am Montag, 16. Oktober 2017, beginnen in Mardorf am Weißen Berg erste Arbeiten. In einem Teilabschnitt werden bewaldeten Bereiche, Eigentümerin der Flächen ist die Region, schrittweise zu offenen Grasflächen und Magerrasen innerhalb eines lichten Eichen-Kiefern-Waldes entwickelt.

Ca. 250 Bäume werden entfernt

Der zu Renaturierung vorgesehene Abschnitt befindet sich zwischen Badestraße und dem Dünenüberweg am Strandhotel. Um den neu gestalteten Uferweg zu schonen, werden in Absprache mit der Stadt Neustadt die notwendigen Abtransporte von Holz und Bodenmaterial über die Badestraße erfolgen. Die Erdbauarbeiten sollen bodenschonend auf der Düne erfolgen. Geplant ist, in den nächsten vier bis fünf Wochen etwa 250 Bäume unterschiedlichen Durchmessers sowie sämtlichen Wildaufwuchs zu entfernen. Mehr als 150 Bäume bleiben allerdings erhalten, auch viele Baum-Stubben im Boden, um Erosionen vorzubeugen.

Dünenlandschaft bei Spaziergang erleben

"Ziel der Maßnahme ist es, den selten gewordenen Biotoptyp ‚offene Binnendüne‘ wieder am Nordufer entstehen zu lassen, der dann wertvollen Lebensraum für hoch spezialisierte Pflanzen- und Tierarten bietet", erläutert Sonja Papenfuß, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Region Hannover: "Auch für die Besucherinnen und Besucher des Naturparks Steinhuder Meer ist die entstehende Dünenlandschaft eine Besonderheit, die sie auf ihren Spaziergängen erleben und genießen können." Eine Informationstafel wird nach Ende der Arbeiten am Weißen Berg aufgestellt und dauerhaft das Projekt erläutern.

Wertvolles schützen und Material wiederverwenden

Die wertvollen Altbestände von landschaftsbildprägenden oder aus Artenschutzgründen für Vögel oder Fledermäuse wertvollen Eichen und Kiefern bleiben erhalten. Auch liegende Altstämme werden auf den Dünen gesichert. Auch der im Bereich der Mardorfer Ladenstraße vorhandene Kieferngürtel hat als wichtiger Schutz gegen die vorherrschenden Westwinde und somit gegen Sandverwehungen Bestandsschutz. Um die im Laufe der Jahre in den Sandboden eingetragenen Nährstoffe zu entfernen, wird die oberste Vegetationsschicht abgeschält und anschließend die obere nährstoffreiche Bodenschicht - ca. zehn Zentimeter dick - abgeschoben. Um die Entsorgung zu vermeiden, wird das Material zur landwirtschaftlichen Bodenverbesserung oder auf Reitplätzen wiederverwendet. Etwa ein Drittel des Sandes wird von der Stadt Neustadt für die Sanierung der nahegelegenen Surfstelle verwendet

Das Projekt "Freistellen bewaldeter Binnendünen"

mit geschätzten Kosten in Höhe von 80.000 Euro wird zu 100 Prozent aus EU-Mitteln (Förderbereich strategischer Arten- und Biotopschutz - SAB) gefördert, da die seltenen Lebensraumtypen offene Binnendünen und Sandmagerrasen mit Silbergrasflur wieder hergestellt werden und Lebensraum für seltene Arten wie Zauneidechsen, Schlingnattern, Kreuzkröten und Bienenwölfe (Insekten) geschaffen wird. Insgesamt sollen Dünen mit einer Gesamtfläche von etwa vier Hektar in den nächsten Jahren in Teilabschnitten renaturiert werden. Um den Binnendünen-Charakter zu erhalten sind nach Abschluss der Arbeiten auch in Zukunft Pflegemaßnahmen erforderlich, da sich sonst Ruderalpflanzen, Neophyten und Pioniergehölze wieder ansiedeln und die konkurrenzschwache Magerrasenvegetation verdrängen.

Baustellenverkehr und Sperrungen

Während der bis Ende November dauernden Arbeiten am Weißen Berg dürfen die Dünenflächen vom Baustellenverkehr nur über die Badestraße angefahren werden. Die Dünenabschnitte sind für Radfahrer und Fußgänger über gepflasterte Wege (Übergang Badestraße und Übergang Strandhotel) erreichbar. Nur der mittige Weg (Übergang Surfers Paradise) ist während der Baumaßnahme gesperrt, die Surfstelle über den Überweg Strandhotel in nur ca. 120 m Entfernung aber weiterhin gut erreichbar. Die anliegenden Eigentümer von Gebäuden sind von der Region Hannover informiert worden.

Für Teilabschnitte (je nach Baufortschritt) wird eine Umleitung während der Bauzeit eingerichtet, die an den Wochenenden so aufgelöst werden, dass Fußgänger und Radfahrer ungehindert an der Baustelle vorbei gehen können. Der Fußgänger- und Radverkehr auf dem Uferweg wird überwiegend aufrechterhalten.

Im Winter 2018/2019 soll der zweite Teilabschnitt nahe der Badestelle realisiert werden.

Hintergrund: Binnendünen am Steinhuder Meer

Binnendünen sind während der Eiszeiten durch Wind entstanden. Nach dem Abtauen der Eismassen blieb in Niedersachsen eine flachwellige Landschaft zurück, die von einer lückenhaften Tundrenvegetation bedeckt war. Starke Westwinde konnten nahezu ungebremst die feinkörnigen Bodenpartikel wie Sand und Schluff davontragen. Mancherorts entstanden flache bis in die Nähe des Grundwasserspiegels reichende Senken. Auch das Steinhuder Meer ist teilweise auf solche Ausblasungen zurückzuführen.

Die verwehten Sande lagerten sich vor allem an der Nordkante der Steinhuder Meeres als Binnendünen ab. Abhängig von der damals vorherrschenden Windrichtung und -stärke bildeten sich verschiedene Formen aus: unregelmäßige Dünen, gut ausgebildete Längsdünen oder u-förmige Parabeldünen.

Die meisten Binnendünen wurden in den vergangenen 200 Jahren aufgeforstet oder unterliegen einer landwirtschaftlichen Nutzung. Zahlreiche Namen wie Hespenberg, Diepholzberge, Schwarze Berge und Weißer Berg weisen noch heute auf die Entstehung hin.

(Veröffentlicht: Montag, 16. Oktober 2017)