Gedenktag

Kranzniederlegung am 22. März in der Gedenkstätte Ahlem

Region und Stadt erinnerten an ermordete Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Schweigeminute am einstigen Ort der Hinrichtung: Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck gedenken der Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, die im März 1945 in Ahlem ums Leben kamen.

Von Nazis des Diebstahls beschuldigt und am Galgen hingerichtet: Die 19-jährige Irina Wolkowa kam am 22. März 1945 im damaligen Polizeisondergefängnis der Gestapo in Ahlem auf brutale Weise ums Leben. Ihre Ermordung durch die Nationalsozialisten war kein Einzelfall. Irina Wolkowa gehört zu den mindestens 59 Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, die hier im März 1945 erhängt wurden. Am Ende der systematischen Ausbeutung von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern aus allen Teilen Europas stand der Tod – auch in den Lagern in Osteuropa hatte diese Mordmethode Prinzip und forderte unzählige Opfer.

In Hannover haben die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck und Belit Onay, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, im Rahmen einer nicht-öffentlichen Gedenkstunde am Montag, 22. März 2021 in der Gedenkstätte Ahlem, an die ermordeten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter erinnert.

Die Gedenkveranstaltung und die Redebeiträge können auch in einem Stream mit dem Link https://youtu.be/Li_jHnC8sYY auf dem YouTube-Kanal der Region Hannover angesehen werden.

 

Wo heute Kränze und Schiefertafeln liegen, war in der einstigen Israeltischen Gartenbauschule die Laubhütte. Dieser Ort wurde unter der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten zur Hinrichtungsstätte für inhaftierte Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter.

Das Programm

des Gedenktags für die ermordeten Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter gestaltet die Gedenkstätte Ahlem traditionell gemeinsam mit engagierten Bürgerinnen und Bürgern. In diesem Jahr liegt der Fokus der Beiträge auf der Auseinandersetzung mit Zwangsarbeit im Lagersystem. Wegen der Pandemie wurden die Beiträge vorab als filmische Präsentation geplant und entwickelt.

Auftakt

Den Auftakt macht eine künstlerische Lesung: Marlene Rehbein und Andreas Mischok lesen Auszüge aus der Biografie von Ivan Moscovich, der als Zwangsarbeiter die Konzentrationslager Ausschwitz, Bergen-Belsen und Ahlem überlebt hat. Die Gruppe „Polenflug“ aus Hannover hat einen Podcast produziert zu den Erinnerungen von Natalia Tulasievicz. Die Polin war Zwangsarbeiterin in den damaligen Günther Wagner-Verpackungswerken in Hannover und engagierte sich in der polnischen Widerstandsbewegung.

In einer filmischen Collage dokumentiert Shaun Hermel von der Gedenkstätte Ahlem das Schicksal des niederländischen Zwangsarbeiters Jan-Dirk van Exter, der seine Erlebnisse in Ahlem in eigenen Zeichnungen festgehalten hat.

„Leid und Gasmasken“ heißt der Film, den die Medienwerkstatt Hannover zusammen mit dem Arbeitskreis „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ Limmer“ über die Entstehung eines Gedenkplatzes am ehemaligen Frauen-KZ am Standort der Continental AG in Limmer produziert hat. Im Podcast „Der Baum der Gummi weint – Kautschuk für Hannover“ erzählt der Historiker Hubert Brieden von kolonialen Praktiken der Zwangsarbeit.

Filmbeiträge auf Youtube

  • Gedenkstaette Ahlem: Natalia Tulasievicz, Podcast Radio Flora Polenflug, Gedenktag 22.03.2021 https://youtu.be/yxek8cn3dxc 
  • Gedenkstaette Ahlem: Lesung Ivan Moscovich & Irina Wolkowa, Zwangsarbeiter-Gedenktag 22.03.2021 https://youtu.be/PoWN7QYw2Fk 
  • Filmische Collage zur Biografie von Jan-Dirk van Exter,
    einem Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, der mit eigenen Zeichnungen seine Leidenszeit u.a. in Ahlem dokumentiert hat. (Eigenproduktion Gedenkstätte Ahlem - Shaun Hermel, wiss. Mitarbeiter) https://youtu.be/IQhWD6jpngM
  • Filmbeitrag „Leid und Gasmasken“
    zur Entstehung eines Gedenkplatzes am Ort des ehemaligen Frauen-KZ am Standort der Continental AG in Limmer. (Medienwerkstatt Hannover und der Arbeitskreis „Ein Mahnmal für das Frauen-KZ Limmer“: https://www.youtube.com/watch?v=mXm36BF2Qvg
  • Podcastbeitrag „Der Baum der Gummi weint – Kautschuk für Hannover, Zentrum der deutschen Gummiindustrie“, zu kolonialen Praktiken der Zwangsarbeit. Der Historiker Hubert Brieden in einem Feature für ein Projekt von Radio Flora: „Weiss auf Schwarz – Geschichte von Ungleichheit und Rassismus“: https://radioflora.de/weiss-auf-schwarz-geschichte-von-ungleichheit-und-rassismus-ein-radioprojekt/