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Eine Frau zeigt und erklärt, weitere Menschen stehen um sie herum und folgen ihr. © Region Hannover

Elke Bohn vom Naturpark-Team nutzt die mobile Hörhilfe bei Führungen

Naturpark Steinhuder Meer

Schwerhörigen­bund testet Hör­unter­stützung­sanlage

Technik sorgt für akustische Barrierefreiheit bei Führungen – der Naturpark Steinhuder Meer macht den nächsten Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

Seit kurzem verfügt das Naturparkhaus in Mardorf über eine fest verbaute und eine mobile Hörunterstützungsanlage für hörgeschädigte Menschen. Am Donnerstag, 27. August 2020, hat eine Gruppe von Besucherinnen und Besuchern des Deutschen Schwerhörigenbundes aus dem Ortsverein Hannover beide Systeme bei einer Führung getestet.

"Die Naturerlebnisse rund ums Steinhuder Meer möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen, ist eines unserer großen Ziele. Deshalb haben wir das Thema Barrierefreiheit auch im Naturparkplan verankert und denken es bei Bauprojekten oder neuen Angeboten immer mit", erläutert Naturpark-Geschäftsführerin Doreen Juffa. "Das Naturparkhaus in Mardorf ist komplett stufenlos zugänglich und verfügt über eine barrierefreie Toilette. Mit den Höranlagen bauen wir nun auch akustische Barrieren ab."

Die Technik funktioniert so:

Am Infotresen verstärkt eine induktive Hörschleife die Sprache der Naturpark-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter. Über ihr Hörgerät, Cochlea-Implantat oder mit dem Telefonhörer vor Ort verstehen so auch Hörgeschädigte das Gesagte. Die mobile Hörhilfe, auch FM-Anlage genannt, kommt bei Führungen zum Einsatz. Die Sprecherin oder der Sprecher benutzt ein Mikrofon, die Audiosignale landen über Funk bei Empfängern, die um den Hals getragen werden. So können bis zu zwölf Besucherinnen und Besucher mithilfe des eigenen Hörgeräts, Cochlea-Implantats oder eines Kopfhörers die Sprecherin oder den Sprecher so hören, als stünde sie oder er direkt neben ihnen.

Positiver Nebeneffekt:

"In der Corona-Zeit nutzen wir die Anlage auch bei regulären Führungen – so ist das Einhalten von großzügigen Sicherheitsabständen kein Problem", berichtet Juffa.

Gisela Hänel hat den Besuch als Kulturbeauftragte des Deutschen Schwerhörigenbundes in Hannover organisiert – und zieht ein positives Fazit: „Wenn ich einen Ausflug mit einem Mundabseh-Kurs plane, muss ich immer noch sehr genau schauen, welche Ziele dafür eigentlich infrage kommen." Oft müsse sie die nötigen Hörhilfen selber organisieren. "Dass der Naturpark nun ein eigenes System hat, eröffnet für uns ganz neue Möglichkeiten. Der Besuch heute wird bestimmt nicht der letzte sein", verspricht Hänel. 

Barrieren abbauen und Teilhabe ermöglichen

Als Beauftragte der Region Hannover für Menschen mit Behinderungen hat Sylvia Thiel den Kontakt zwischen Naturpark und Schwerhörigenbund vermittelt. Sie weiß: "Die gleichberechtigte gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ist gesetzlich verankert, im Alltag sind wir davon aber noch weit entfernt." In den Köpfen vieler Menschen bedeute Barrierefreiheit immer noch, Stufen und andere sichtbare Hindernisse abzubauen.

"Angebote wie taktile Karten für Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen oder eben Hörunterstützungsanlagen sind aber genauso wichtig, damit Menschen Kultur oder Natur unabhängig von der Art ihrer Behinderung erleben können. Auch im Naturpark Steinhuder Meer gibt es noch einiges zu tun, der heutige Termin zeigt aber, dass die Entwicklung in die richtige Richtung geht."

Die Höranlagen sind Teil der selbstgesteckten Verbesserungsmaßnahmen im Pilotprojekt "Barrierefreier Naturpark in Niedersachsen". Der Naturpark hat sich 2017 zusammen mit der Steinhuder Meer Tourismus GmbH erfolgreich dem Zertifizierungsprozess gestellt. Seitdem sind das Naturparkhaus sowie weitere Einrichtungen innerhalb der Destination nach dem bundeseinheitlichen Kennzeichnungs- und Zertifizierungssystem "Reisen für Alle" geprüft. Die Ergebnisse sind online unter www.reisen-fuer-alle.de einsehbar. Ziel ist es, eine durchgehend barrierefreie Reisekette zu schaffen.

(Veröffentlicht am 27. August 2020)