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Storchenfamilie in ihrem Horst © NABU Laatzen

Storchenfamilie

Storchen-Boom 2019

Was für ein Storchenjahr: Brutpaare sorgen für Rekordnachwuchs

Zwischenbericht des Beauftragten für die Weißstörche in der Region Hannover.

Der Aufwärtstrend bei den Störchen in der Region Hannover hält an: Mit 73 Brutpaaren – zwölf mehr als im vergangenen Jahr - wurde erneut die bei der ersten landesweiten Erfassung im Jahre 1934 ermittelte Zahl von 55 Nestern deutlich überschritten. Auch der Bruterfolg kann sich sehen lassen. Insgesamt wurden bislang in und um Hannover 153 Jungstörche gezählt (2018: 114).

Beste Reproduktionsrate

"Noch ist die Zahl nicht endgültig, weil die Jungen so unterschiedlich entwickelt sind. Dennoch kann man sagen, dass 2019 ein äußerst erfolgreicher Jahrgang wird – mit einer in historischer Zeit nie da gewesenen Reproduktionsrate",  diese Bilanz zieht Dr. Reinhard Löhmer, ehrenamtlicher Beauftragter für die Weißstörche in der Region Hannover, in seiner Zwischenbilanz.

Der Bericht im Wortlaut:

Wegen des milden Wetters sind die "Westzieher" (Zugroute über Gibraltar und die Sahara) schon ab Anfang Februar zurückgekommen. Viele von ihnen haben auch schon in der letzten Märzdekade komplette Gelege gehabt und mit der Brut begonnen.

Der Anteil der "Ostzieher" (über den Bosporus), der den Winter in der Sahel-Zone im Raum Tschad/Süd-Sudan verbracht hat, kam ab dem 20. März zurück. Auffällig war dann, dass es in diesem Frühjahr wieder einmal eine größere Anzahl "Ostzieher" gegeben hat, die erst Ende April/Anfang Mai angekommen sind. Sie waren bis Südafrika gezogen und kamen wegen der größeren Entfernung entsprechend später zurück.

Fast alle Vorjahresnester waren zu diesem Zeitpunkt schon besetzt. Die Neuankömmlinge mussten um Nester kämpfen. Im Stadtgebiet von Wunstorf hat es besonders heftige Auseinandersetzungen gegeben mit der Folge, dass es dort mehr jungenlose Paare gibt als anderswo. Einige Paare ließen sich auch auf länger verwaisten Horsten nieder wie in Uetze-Dollbergen, wo es seit 2003 keine Brut mehr gegeben hatte. In Garbsen-Horst, in Hannover-Döhren und Wunstorf-Kolenfeld wurden ältere Masthilfen besetzt. Zwei Paare bauten ohne menschliche Hilfen neue Nester in Gehrden-Ditterke auf einem ausgedienten Schornstein einer ehemaligen Brennerei oder in Wunstorf-Mesmerode auf einer Trauerbuche.

Brutsituation

Die Frühbrüter hatten schon in der letzten April-Dekade Junge. Sie sind jetzt fast flügge. Daneben gibt es eine größere Anzahl von Paaren, die erst Anfang Mai Eier gelegt haben. Ihre Jungen sind Anfang/Mitte Juni geschlüpft und werden erst Mitte/Ende August ausfliegen.

Das Wetter war zwar im Mai teilweise kalt und windig. Das hatte aber nur begrenzte Auswirkungen, weil es keine Dauernässe gegeben hat. Kälte und Nässe sind bei Jungstörchen die häufigsten Todesursachen.

Durch die Trockenheit während der Jungenaufzucht stand der Regenwurm als Nahrung weniger zur Verfügung. Dafür gab und gibt es aber die Feldmaus in großer Anzahl. Mäusejahre sorgen bei den Störchen bekanntermaßen für einen guten Bruterfolg.

Die Ursachen für den "Storchen-Boom" in diesem Jahr sind nicht endgültig geklärt. Durch die Überwinterung in Spanien sind für die "Westzieher" die Zugwege wesentlich kürzer geworden. Dadurch hat sich die Zahl der Todesopfer verringert und mehr westziehende Störche kehren zurück.

Auffällig ist weiterhin, dass immer mehr jüngere, zweijährige Störche schon zur Brut schreiten. Diese "Frühreife" hat die Zahl der Brutvögel erhöht.

Schließlich ist auffällig, dass die ganz jungen Jahrgänge, die früher im afrikanischen-mediterranen Raum verblieben sind und damals frühestens im Juni/Juli in Mitteleuropa auftauchten, jetzt schon mit den älteren Brutstörchen ins Geburtsgebiet ziehen. Sie halten sich in Trupps bei uns auf, sind bei Aktivitäten der Landwirte (Feldbestellung, Mahd) sofort in größerer Anzahl zu sehen, stören mitunter die Brutpaare oder versuchen sich auch schon mal als "Verlobungspaare" mit Nestbau und Paarungsverhalten – wenn auch ohne Gelege.

Weitere Informationen:

Dr. Reinhard Löhmer, Naturschutzbeauftragter für die Weißstorchbetreuung in der Region Hannover, Tel. 0511-83 46 96  

Zum Vergleich: Storchvorkommen 2018

2019 kommen als neue Standorte hinzu:
Luttmersen, Kolenfeld (2.Nest), Mesmerode (2.Nest), Ditterke, Döhren (2.Nest), Dolgen, Schillerslage und Isernhagen-FB

(Veröffentlicht am 27. Juni 2019, ergänzt am 2. Juli 2019)