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Ständig in Bewegung

60 Jahre Franz-Mersi-Schule

Lernen mit viel Licht: Einzige Förderschule mit Schwerpunkt Sehen in Niedersachsen feiert ihr 60-jähriges Bestehen.

Zwei Männer in einem Klassenzimmer einer Schule für Sehbehinderte und Sehbeeinträchtigte, das mit Hilfsmitteln wie Lupen, Lesegeräten oder großen Bildschirmen ausgestattet ist. © Region Hannover

Schulleiter Peter Walkowiak (links) und Regionsdezernent Ulf-Birger Franz in einem Klassenraum der Franz-Mersi-Schule, der speziell auf die Bedürfnisse von sehbehinderten Kindern eingerichtet ist.

Die Franz-Mersi-Schule der Region Hannover ist landesweit die einzige Förderschule für sehbehinderte Kinder und Jugendliche. Rund 70 Schülerinnen und Schüler werden am Altenbekener Damm in Hannovers Südstadt unterrichtet – mit besonderen Hilfsmitteln wie Lupen, Lesegeräten oder großen Bildschirmen. Mit einer Feierstunde hat die Schule am Donnerstag (25.9.) ihr 60-jähriges Bestehen gefeiert.

Perspektive für die Zukunft

"Die Franz-Mersi-Schule ist eine Schule, in der sich jeder angenommen und aufgehoben fühlen kann", so Peter Walkowiak, der seit zwei Jahren die Schule leitet. "Schülerinnen und Schüler, die die Lust auf Lernen verloren haben, fangen bei uns auch deshalb wieder an, eine Perspektive für sich zu sehen und die Zukunft in die eigene Hand zu nehmen", sagte der Förderschulrektor.

Engagiert seit 60 Jahren

"Die Schule macht seit 60 Jahren eine engagierte und anerkannt gute Arbeit", sagte Ulf-Birger Franz, Dezernent für Wirtschaft, Verkehr und Bildung der Region Hannover. "Sie sorgt dafür, dass junge Menschen ihren Platz im Leben finden."

Zur Entwicklung der Franz-Mersi-Schule

Zahlreiche Umzüge und immer wieder Änderungen in der Schulorganisation kennzeichnen die zurückliegenden sechs Jahrzehnte der Schule. Gegründet im Mai 1954 startet die Schule für Sehbehinderte in Trägerschaft der Landeshauptstadt Hannover mit zwei jahrgangsübergreifenden Klassen im Gebäude an der Ecke Pfalzstraße/Altenbekener Damm in der Südstadt, der Bertha-von-Suttner-Schule. Neun Jahre später, 1963 bezieht die Schule ein eigenes Gebäude in der Schlägerstraße – die Zahl der Schülerinnen und Schüler war inzwischen auf 85 in acht Klassen angestiegen.

In den 1970er Jahren

Aufgrund der weiteren Zunahme von Schülerinnen und Schüler werden 1976 zunächst einzelne Klassen ins Schulzentrum Bemerode ausgelagert. Inzwischen umfasst die Förderschule 13 Klassen, durch die Erweiterung um einen 10. Schuljahrgang können die Schülerinnen und Schüler alle Abschlüsse der Sekundarstufe I erwerben. Mitte der 1970er Jahre kommen erstmals auch Bildschirmlesegeräte im Unterricht zum Einsatz, die bis heute den sehbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen ermöglichen, die Schrift in Büchern zu erkennen.

Ein Jahrzehnt später

Ein Jahrzehnt später beginnt die Schule, mit einem mobilen Dienst Kinder und Jugendliche auch in anderen Lebensbereichen zu fördern: zum Beispiel in Form von Frühberatung oder Hilfsmittelberatung in anderen Schulen. Kurz darauf werden erste Computer eingeführt – große Bildschirme, spezielle Tastaturen und Vergrößerungsprogramme gehören bis heute zur Ausstattung der Klassenräume.

Umzüge

1998 ziehen die 5. Klasse und die Sekundarstufe I in die Orientierungsstufe Birkenstraße in Hannovers Südstadt. Acht Jahre später, 2006, kommen alle Klassen in dem derzeitigen Gebäude am Altenbekener Damm 79 wieder zusammen. 2001 hat die Region Hannover die Schulträgerschaft von der Landeshauptstadt übernommen, seit 2003 heißt die Sehbehindertenschule Franz-Mersi-Schule – benannt nach dem Heidelberger Professor, der sich an seinem Lehrstuhl für Blinden- und Sehbehindertenpädagogik über mehrere Jahrzehnte für eine eigenständige Pädagogik der Sehbehinderten eingesetzt hat.

Ständig in Bewegung

Ständig in Bewegung ist die Schule nicht nur bei Umzügen: Voltigieren und pädagogisches Reiten ergänzen seit mehr als einem Jahrzehnt den Unterricht, in einer Futsal-AG lernen die Kinder und Jugendlichen, auch mit ihren Sehbehinderungen passgenaue Flanken zu schlagen. Das Fußball-Projekt wird vom Niedersächsischen Fußballverband unterstützt – unter anderem mit Trainern und Trikots.

Für Sehbehinderte und Sehbeeinträchtigte

Als sehbehindert gilt, wer zwischen 30 Prozent und fünf Prozent der Sehschärfe eines Normalsichtigen erreicht. Ob ein Kind an der Franz-Mersi-Schule eingeschult wird, entscheidet sich anhand eines Gutachtens über den sonderpädagogischen Förderbedarf. Denn nicht nur die Sehschädigung ist ausschlaggebend für den Besuch des Förderzentrums. Neben den Kindern, die aufgrund ihrer Behinderung dem Unterricht an Regelschulen nicht folgen können, wird die Franz-Mersi-Schule auch von Jungen und Mädchen besucht, die infolge der Sehbeeinträchtigungen Schwierigkeiten haben, am gewöhnlichen gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.

Wünsche der Eltern

Berücksichtigt werden dabei auch die Wünsche der Eltern – durch den mobilen Dienst ermöglicht die Franz-Mersi-Schule auch inklusiven Unterricht an wohnortnahen Schulen.

Großes Einzugsgebiet

Etwa die Hälfte der rund 70 Schülerinnen und Schüler des landesweit einzigen Förderzentrums für sehbehinderte Kinder und Jugendliche kommt aus der Region Hannover, die andere Hälfte aus anderen Landkreisen in Niedersachsen. Auch aufgrund ihres großen Einzugsgebiets unterrichtet die Förderschule seit dem Schuljahr 2013/14 als Ganztagsschule.