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Ein Pferd der Rasse "Haflinger" trägt ein Geschirr. Zwei Personen arbeiten mit dem Pferd, um eine Kulturheidelbeere aus dem Boden zu ziehen. © Region Hannover

Rückepferd "Amon" macht eine Pause während seine Helfer die nächste Kulturheidelbeere am Geschirr befestigen

Heimische Arten im Moor schützen

Pferde gegen Kulturheidelbeeren

Zum Schutz der Artenvielfalt: Untere Naturschutzbehörde entfernt Kulturheidelbeeren mit Arbeitspferden in der Hannoverschen Moorgeest, die Naturschützer haben dabei eine Fläche von 2300 Hektar im Visier.

"Amor" ist ein Haflinger, "Bronco" ein Kaltblut: Gemeinsam legen sich die beiden Arbeitspferde in diesen Tagen im Helstorfer Moor für den Naturschutz ins Geschirr und ziehen Kulturheidelbeeren aus dem Boden. Als sogenannter "invasiver Neophyt" hat sich die Pflanze mit Ursprung Nordamerika in den vergangenen zehn Jahren geradezu explosionsartig in den Mooren der Hannoverschen Moorgeest ausgebreitet. Die Büsche der Kulturheidelbeere werden bis zu drei Meter hoch und behindern das Wachstum der heimischen Vegetation. Seit April ist die untere Naturschutzbehörde der Region Hannover deshalb gemeinsam mit Forstunternehmen und vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus den Naturschutzverbänden Kulturheidelbeeren aktiv, um den unerwünschten Bewuchs zu entfernen.

Schutz der Artenvielfalt

Die blauen Früchte sind zwar lecker, haben aber in einer Moorlandschaft nichts zu suchen. "Kulturheidelbeeren gefährden die Artenvielfalt in den heimischen Mooren", sagt Günter Wendland, Leiter des Teams Naturschutz Ost der Region Hannover. "Kulturheidelbeeren sind sogenannte Neophyten, also Pflanzen, die sich in Gebieten vermehren, in denen sie nicht natürlich vorkommen. Sie zerstören die natürliche Artenzusammensetzung, die sich über Jahrtausende eingestellt hat. "Bis zu drei Meter Höhe kann eine Kulturheidelbeer-Pflanze erreichen und überragt die heimische Heidelbeere damit deutlich. "Ihr dichter und hoher Wuchs lässt kaum Licht für die niedrigwüchsige Moorvegetation übrig", erklärt Wendland. Arten wie die heimische Heidelbeere, die Preiselbeere, Torfmoose, Wollgräser und Rosmarinheide würden auf diese Weise verdrängt. Auch Tierarten wie Nachtfalter und Schmetterlinge seien gefährdet, weil ihnen die Nahrungsgrundlage und Orte für die Eiablage mit der Verdrängung typischer Pflanzen fehlten.

Auch auf privaten Grundstücken werden Büsche entfernt

"Wir haben drei Lebensraumtypen im Fokus, in denen wir besonderen Handlungsbedarf sehen", sagt Projektleiter Marcel Hollenbach vom Team Naturschutz der Region, "das sind die Moorwälder, die lebenden Hochmoore und die zur Renaturierung fähigen degradierten Hochmoore." Insgesamt haben die Naturschützer eine Fläche von 2300 Hektar im Visier – rund 95 Prozent dieser Areale stehen unter Naturschutz. Dabei wird es vorkommen, dass die Mitarbeiter der beauftragten Firmen auch private Moorgrundstücke betreten, um dort Büsche zu entfernen. Im Naturschutzgebiet steht der Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenwelt im Vordergrund. Deshalb ist diese Maßnahme im Rahmen der Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinzunehmen.

 

"Das Problem mit den Kulturheidelbeeren ist nicht unbekannt", sagt Wendland: "Die Bekämpfung dieser Art ist sehr schwierig. Ein einfacher Rückschnitt wird in aller Regel gut verkraftet und führt aber zu noch dichterem Neuaustrieb. Eine maschinelle Rodung ist sehr aufwändig und nur unter Verletzung des Moorbodens möglich. Mit der Hand lassen sich lediglich ein- bis zweijährige Keimlinge gut heraus zupfen. Gegen die älteren Büsche setzen wir deshalb jetzt probeweise Rückepferde ein." Erst mit der geplanten Anhebung des Moorwasserspiegels im Rahmen des LIFE+ Projektes bestehe eine realistische Hoffnung, die Art dauerhaft zu reduzieren. Allerdings blieben auch zukünftig trockenere Teilbereiche zurück und damit weiter viel Arbeit für Mensch und Pferd.

Hintergrund

Seit etwa 80 Jahren werden nordamerikanische Kulturheidelbeeren kommerziell in Deutschland angebaut. Der Schwerpunkt liegt seit jeher in Niedersachsen, wo gute Kulturbedingungen auf sauren Böden, wie zum Beispiel in Hochmooren, bestehen. Die Früchte werden nicht nur vom Menschen geschätzt und geerntet, sondern auch von vielen Vögeln und Kleinsäugern wie dem Baummarder. Über deren Kot verbreitet sich die Kulturheidelbeere immer weiter. In den vergangenen zehn Jahren hat sich die Art geradezu explosionsartig in den Mooren der Hannoverschen Moorgeest ausgebreitet. Die Sträucher bilden immer mehr Ausläufer und bringen viele Früchte hervor. Das Bundesamt für Naturschutz hat die Kulturheidelbeere als gefährlich und schädlich für die heimische Artenvielfalt eingestuft.