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Daten und Fakten

Lebenslagen in der Region Hannover

Der Sozialbericht 2015 liegt vor: Mit seinen Analysen, Daten und Fakten dient dieser als Indikator für soziale Lagen und als Entscheidungsgrundlage für Politik und Verwaltung.

Zwei Männer, einer von ihnen trägt ein karriertes Hemd und der andere ein dunkles Sakko, stehen vor einem blauen Hintergrund unf halten jeweil einen Bericht in broschürenform in die Kamera. © Region Hannover

Sozialdezernent Erwin Jordan (Foto, rechts) und Sozialplaner Jörg Gapski von der Region Hannover

Wie entwickelt sich die Beschäftigung in der Region Hannover? Wie viele Menschen sind pflegebedürftig? Wie ist die Einkommenssituation der Einwohnerinnen und Einwohner in den 21 regionsangehörigen Städten und Gemeinden? Antworten auf diese und andere Fragen liefert der neue Sozialbericht der Region Hannover. Am Dienstag (17.03.) wurde der Sozialbericht 2015 im Haus der Region vorgestellt.

Indikator für soziale Lagen 

"Für uns sind die Zahlen des Sozialberichts Indikatoren, die selbst noch keine Antworten liefern, sondern Anlass zu weiteren Fragen und Erkundungen geben", so Erwin Jordan, Dezernent für soziale Infrastruktur der Region Hannover. "Wir wollen die Lebensverhältnisse in unserer Region ständig verbessern. Dazu gehört, dass wir wissen, wie die soziale Realität in der Region ist und in welchen Bereichen wir ansetzen können."

Inhalte des Sozialberichts 2015

Der Sozialbericht 2015 knüpft in seinen Inhalten an den im Jahr 2011 erschienen Vorgängerbericht an. Zusätzlich werden nun erstmals oder in wesentlich erweiterter Form die Themen Migration, Wohnungslosigkeit oder Pflegebedürftigkeit behandelt. Außerdem zeigt der Bericht ein Szenario für die Entwicklung der Armutsgefährdung bis 2018 auf.

Staatliche Mindestsicherungsleistungen

Trotz des sich positiv entwickelnden Arbeitsmarktes reichen für rund 135.000 Menschen (knapp 12 Prozent) der Einwohnerinnen und Einwohner in der Region Hannover die eigene Einkünfte nicht aus, um den eigenen Lebensunterhalt zu finanzieren. Die meisten Empfängerinnen und Empfänger staatlicher Mindestsicherungsleistungen wohnen in der Landeshauptstadt und den damit eng verflochtenen Siedlungsräumen, in Garbsen, Seelze, Ronnenberg und Langenhagen. Im Norden der Region (Isernhagen, Wedemark, Burgwedel) und im Südwesten (Pattensen, Gehrden, Hemmingen, Wennigsen) ist der Anteil der Transferleistungsempfängerinnen und -empfänger am geringsten.

Wesentliche Ergebnisse des Sozialberichts

Die Zahl aller Beschäftigungsverhältnisse ist seit 2004 um knapp 70.000 Menschen (13,3, Prozent) gestiegen. Gewachsen sind dabei aber vor allem die geringfügig entlohnte Beschäftigung im Nebenjob (+72,6 Prozent) und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Teilzeit (+55,1 Prozent). Die Anzahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Vollzeit hat sich in den letzten zehn Jahren dagegen kaum erhöht (+1,9 Prozent). Jedes siebte bis achte Hauptbeschäftigungsverhältnis (13,3 Prozent aller Beschäftigungsverhältnisse) ist ein Minijob und nur geringfügig entlohnt.

Von Armut bedroht 

Schreibt man die Entwicklung der Armutsgefährdungsquoten der letzten Jahre linear fort, würde die gesamtdurchschnittliche Armutsgefährdungsquote für Niedersachsen bis 2018 mit 16,0% nur geringfügig ansteigen. Allerdings nimmt die Armutsgefährdung besonders für Erwerbslose, für Alleinerziehende und für gering Qualifizierte, die bereits jetzt überdurchschnittlich stark von Armut bedroht sind, weiter zu. Außerdem ist absehbar, dass "Altersarmut" zusehends zu einem zentralen gesellschaftlichen Thema wird, was sich bereits heute in der ansteigenden Armutsgefährdungsquote der Rentnerinnen und Rentner ausdrückt.

Pflegebedürftige Menschen 

Von 2001 bis Ende 2013 ist die Zahl der pflegebedürftigen Menschen in der Region Hannover von rund 27.600 Menschen auf rund 39.100 Menschen angestiegen – ein Zuwachs von 41,7 Prozent. Knapp zwei Drittel (25.472 Menschen) wurden 2013 ambulant versorgt – von ihren Angehörigen oder Pflegediensten. Ein Drittel (13.671 Menschen) werden stationär in Pflegeheimen versorgt. Das Verhältnis zwischen ambulanter und stationärer Pflege hat sich in den vergangenen Jahren kaum verändert. Allerdings ist der Anteil der Pflegegeldempfängerinnen und -empfänger leicht zurückgegangen. Das bedeutet, dass Familienangehörige offenbar immer weniger Ressourcen haben, die häusliche Pflege zu leisten, oder die Angebote ambulanter Pflegedienste stärker angenommen werden.

Stationäre und vollstationäre Pflegeplätze

Das Angebot in der stationären Pflege wurde in den letzten Jahren so stark ausgebaut, dass die vorhandenen Plätze zunehmend unterbelegt sind. Waren 2003 noch 91,3 Prozent der vollstationären Pflegeplätze belegt, sank die Belegungsquote bis 2013 kontinuierlich auf 85,3 Prozent ab. Im gleichen Zeitraum kamen 63 Pflegeheime bzw. 3.980 vollstationäre Pflegeheimplätze hinzu. Auffällig: Der Anteil der Pflegebedürftigen mit der niedrigen Pflegestufe 1 in den stationären Pflegeheimen ist mit rund 40 Prozent auffallend hoch und seit Jahren ansteigend. Vermutlich eine Folge des großen Angebots stationärer Pflegeplätze.

Prognose für 2030

Der Sozialbericht gibt zudem eine Prognose ab, wie sich die Zahl der Pflegebedürftigen weiter entwickelt. Demnach könnten im Jahr 2030 zwischen 46.000 bis 55.500 Menschen auf Pflege angewiesen sein. Die Region Hannover verfolgt das Ziel, dass möglichst viele Menschen so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden ihr Leben selbstbestimmt gestalten können. Deshalb gilt es, so schlussfolgert der Bericht, die Angebotsstruktur in der Pflege aktiv zu steuern und dabei auch die soziale Infrastruktur vor Ort – wie das Wohnumfeld von älteren Menschen und die Nahversorgung – in den Blick zu nehmen.

Einwohnerzahl

Die Zahl der Einwohnerinnen und Einwohner in den 21 Städte und Gemeinden der Region Hannover ist in den vergangenen zehn Jahren  leicht gestiegen. Rund 19.300 Menschen (+1,7 Prozent) lebten 2013 mehr in der Region als 2003. Ein Ergebnis sich ergänzender Trends: Zum einen ist die Bevölkerung in der Stadt Hannover sowie in fast allen Städten im unmittelbaren Verflechtungsraum mit 21.234 Menschen (+1,9 Prozent) deutlich angestiegen. Dem gegenüber steht ein leichter Bevölkerungsrückgang in den 13 Städten und Gemeinden im weiteren Regionsgebiet außerhalb der städtischen Verflechtungszone (-1.951 Menschen bzw. -0,2 Prozent). Getragen wird der Zuwachs von einer anhaltenden Zuwanderung aus Städten und Kreisen außerhalb der Region sowie aus dem Ausland (+32.734 Menschen), die das negative Geburten/Sterbesaldo (-17.406 Menschen) deutlich übersteigt.

Menschen mit Migrationshintergrund

Die in 2014 veröffentlichten Ergebnisse des Zensus 2011 liefern zum ersten Mal auch Daten zu Einwohnerinnen und Einwohner mit so genanntem Migrationshintergrund und eigener Migrationsgeschichte auf Ebene der Städte und Gemeinden. Dabei zeigt sich eine stark ungleiche Verteilung der Menschen, die im Regionsdurchschnitt einen Bevölkerungsanteil von 24,1 Prozent ausmachen. Der geringste Anteil an der Gesamtbevölkerung ist in Pattensen (10,6 Prozent), der höchste Anteil in Laatzen (31,7 Prozent).

Eigene Migrationsgeschichte

Unter den Menschen mit Migrationshintergrund haben jedoch nur rund zwei Drittel eine eigene Migrationserfahrung (15,4 Prozent). Und davon wiederum ist die Hälfte der Menschen vor Jahrzehnten zugewandert. Das heißt: Die meisten Menschen, die in der Region einen Migrationshintergrund aufweisen, leben entweder schon sehr lange in Deutschland oder sind hier aufgewachsen oder geboren. Regionsweit sind lediglich 3,3 Prozent der Einwohnerinnen und Einwohner zwischen den Jahren 2000 und 2011 nach Deutschland zugewandert.

Sozialbericht 2015 als pdf