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Zwei Personen stehen an einer Uferpromenade und blicken auf einen See © Region Hannover

Blick auf den See Genezareth

Partnerregion Unter Galiläa (Israel) im April 2015

Verstehen im wissenschaftlichen und im religiösen Sinn

Zweiter Tag (14. April 2015): Gespräche beim Besuch von Israels bedeutendster Universität dem Technion (Haifa) und des Beduinendorfes Shibli führen den Teilnehmern der Delegation deutlich vor Augen, dass Verständnis das Fundament für Erfolg ist. Sei es in der Wissenschaft aber auch im Zusammenleben.

Blaues Meer, am Fuß des Carmel-Berges die ehemalige deutsche Siedlung, oben das Technion, die bedeutendste technische Universität Israels, dazwischen die Bahai-Gärten: So könnte man die Stadt Haifa in Kürze beschreiben. Für die Delegation geht es an diesem Vormittag ins Technion. Die Universität unterhält zum einen wichtige Verbindungen im wissenschaftlichen Austausch nach Deutschland. Zum anderen finanziert die in der Region Hannover ansässige Marcuse-Stiftung einigen Studentinnen und Studenten des Technions ihr Studium. Mit dreien von ihnen steht eine Begegnung an.

Zuvor geht es aber ans Eingemachte: Da sind die beeindruckenden Zahlen und Fakten über die Universität selbst mit ihren 13.000 Studierenden. Viele von ihnen leben direkt auf dem Campus, der sich am Berg ausbreitet und weiter wächst. Jedes Studentenwohnheim, das hier gebaut werde, werde rein aus Spenden finanziert, betont Reiseleiter Dany. Stolz berichtet Senior-Vize-Präsident Prof. Moshe Sidi auch von den zwei Nobelpreisen in Chemie, die 2004 und 2011 an Forscher des Technions gingen.

Was es mit der Forschung auf sich hat, erklärt anschließend Prof. Wayne Kaplan – und macht es der Gruppe leicht zu folgen: Forschung sei wie das Kochen einer Hühnersuppe, erklärt er. Man müsse immer wieder die Zutaten verändern und neu abschmecken – bis man darauf kommt, dass erst der Knoblauch die Hühnersuppe perfekt macht. Dass es doch nicht ganz so einfach ist, beweist der folgende Vortrag über ein Kooperationsprojekt mit dem Max-Planck-Institut zum Muskelabbau. Schwierige Kost für Nicht-Naturwissenschaftler. Wie der Austausch ganz praktisch funktioniert, erfährt die Delegation aus Hannover schließlich von einer Studentin, die an der hannoverschen Leibniz Universität studiert hat, nun in Haifa promoviert und die Gäste nachhaltig beeindruckt.

Noch fix ein Blick über die Stadt, dann geht es zurück nach Unter Galiläa ins Beduinendorf Shibli, das als nicht jüdische Siedlung eine eigene Verwaltung hat. Dort wartet Bürgermeister Naem Shibli schon und muss sich bald verabschieden. „Ich war sicher, eine deutsche Gruppe würde pünktlich sein“, sagt er mit Blick auf die Uhr – die Gruppe hängt dem Zeitplan eine Dreiviertelstunde hinterher. Kein Problem, der Tisch in dem bunten Beduinenzelt, das als Restaurant dient, ist gedeckt. Zahlreiche Vertreter der beiden Beduinendörfer in Unter Galiläa haben sich eingefunden, um den Gästen ihre persönliche Botschaft mitzugeben: Es kann nur ein Miteinander von Juden und Moslems in Israel geben, kein Gegeneinander. Ausdrücklich betonen sie das gute Verhältnis zu Unter Galiläas Landrat Moti Dotan, der sich stets für die muslimischen Dörfer einsetze. Und auch diese Botschaft kommt an: Man setze darauf, dass die Gäste aus Deutschland ein besseres Miteinander der verschiedenen Religionen in Israel fördern. Der Besuch in Shibli sei ein Zeichen.

Regionspräsident Hauke Jagau nutzt die Gelegenheit, den Gastgebern – allen voran Moti Dotan – zu danken. „Das Bild, das die Medien in Deutschland von Israel vermitteln, hat nur in Maßen mit der Wirklichkeit zu tun. Was wir hier in Unter Galiläa sehen, zeigt, dass ein Nebeneinander und Miteinander funktionieren kann. Eine friedliche Koexistenz ist der einzige mögliche Weg für dieses Land.“ Woran es noch hapert, zeigt Anton Goodman vom Abraham-Fonds auf, der das gegenseitige Verständnis von Juden und Moslems fördert und mit dem Erziehungsministerium kooperiert. „Die meisten Juden haben noch nie ein muslimisches Dorf betreten und wissen so gut wie nichts über muslimische Feste und Bräuche. Praktisch kein Jude spricht Arabisch.“ Das müsse sich ändern, sagt Goodman, der selbst Jude ist. Eines Tages – so hofft er – werden Menschen mit seinen Ansichten keine Minderheit mehr in Israel sein, sondern Mainstream.

Es ist der letzte Abend in Tiberias, am Ufer des See Genezareth. Am nächsten Morgen wird die Gruppe in Richtung Jerusalem aufbrechen. Die Gastgeber haben ein Boot gechartetet – mit DJ! Mit an Bord sind neben den Gästen aus der Region Hannover Vertreterinnen und Vertreter der Verwaltung und des Rats von Unter Galiläa. Und es geschieht tatsächlich: Auf dem Wasser des See Genezareth, unterm Sternenhimmel und in Sichtweite der Lichter von Tiberias, tanzen Deutsche und Israelis gemeinsam ausgelassen.

(veröffentlicht: 15.04.2015)

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