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Flugsimulator macht fit für die Ausbildung

Die Agentur für Arbeit und die Region Hannover gehen innovative Wege der Berufsvorbereitung.

Zwei Schülerinnen und drei Männer in einem Flugsimulator. © Region Hannover

Präsentieren das Projekt im Airbus A320-Flugsimulator: Martin Dutschek (v. l.) vom Unternehmen Sim&Learn, die beiden Schülerinnen Rinna Kuraischi (16) und Regina Ruff (15) mit Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover, und Hans-Ulrich Koch, Teamleiter in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit.

Teamarbeit, Umgang mit Konfliktsituationen, Kommunikationsfähigkeit – soziale Kompetenzen, die jeder Auszubildende mitbringen sollte. Ausbildungsbetriebe beklagen ein anderes Bild: Viele der Bewerberinnen und Bewerber hätten nur unzureichend ausgebildete soziale und persönliche Kompetenzen, weshalb viele freie Stellen unbesetzt blieben. Die Region Hannover geht daher seit einigen Jahren innovative Wege in der Nachwuchsförderung: Mit dem Projekt „Follow Me Next Generation“ schickt sie gemeinsam mit der Agentur für Arbeit Schülerinnen in den Flugsimulator. Nicht, um aus ihnen Pilotinnen zu machen, sondern um ihnen zu zeigen, wie wichtig die Arbeit im Team, das Sprechen miteinander und das Vertrauen in die eigenen Stärken sind.

Wichtige Kompetenzen erlangen

Hunderte von Knöpfen, Schaltern und Hebel blinken vor und über Regina Ruff (15 Jahre) und Rinna Kuraischi (16). 20 Minuten müssen reichen, damit die beiden Schülerinnen der IGS Vahrenheide/Sahlkamp die geplante Landung in Nizza schaffen – inklusive der Bedienung aller Schalter und der fehlerfreien Kommunikation per Funk mit dem Tower. Eine echte Mammutaufgabe für die jungen Frauen. Auch das Scheitern und die Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen gehört zum Projekt dazu – ebenso wie Erfolgsmomente. „Das Kennen der eigenen Stärken und Schwächen und der selbstsicherer Umgang mit ihnen ist eine wesentliche Kompetenz – nicht nur in der Ausbildung, sondern im gesamten Berufsleben“, sagt Ulf-Birger Franz, Wirtschaftsdezernent der Region Hannover. Für ihn ist das Projekt, das zur Hälfte von der Region Hannover und zur anderen Hälfte von der Agentur für Arbeit finanziert wird, ein Weg, dass Schülerinnen und Schüler sich selbst besonders in Stresssituationen erleben. „Das Projekt ist eine Chance, notwendige Kompetenzen für den weiteren beruflichen Werdegang zu erwerben“, so Franz.

Orientierung für junge Menschen in den MINT-Berufen

Ein Ziel der Förderung des Projekts ist es, junge Frauen verstärkt auf MINT-Berufe aufmerksam zu machen – Berufe in der Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. „Mädchen bringen gute Schulnoten und gutes Sozialverhalten mit, sind aber häufig nicht an Technik interessiert. Damit entgeht den Unternehmen ein gutes Bewerberinnen-Potential, welches wir aktivieren wollen“, sagt Hans-Ulrich Koch, Teamleiter in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Außerdem sei es Ziel der Arbeitsagentur, jungen Menschen fundierte Orientierung anzubieten. „Dieses Projekt ist ein wichtiges Element der Beratungsarbeit der Berufsberatung der Agentur für Arbeit. Handlungsorientierte Erprobung von Berufen durch die Jugendlichen und das Herstellen von Kontakten zu den Ausbildungsbetrieben zum besseren gegenseitigen Kennenlernen sind zentrale Bausteine für eine gelungene Berufsorientierung“, so Hans-Ulrich Koch weiter.

Die Luftfahrt gilt noch immer als Vorbildbranche, was die Anforderungen wie Teamarbeit, Regeltreue und Zuverlässigkeit betrifft. „Neben Fach- und Methodenkompetenzen spielen vor allem soziale Fähigkeiten im Arbeitsalltag eine entscheidende Rolle“, sagt Martin Dutschek von der Firma Sim&Learn. „Das erreichen wir unter anderem dadurch, dass wir den Schülerinnen etwas zutrauen, was zunächst nicht erreichbar erscheint.“ Das Unternehmen bietet Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen im Bereich des Sicherheitsmanagements an und setzt sich besonders für die Jugend- und Frauenförderung ein. „Mit Hilfe neuer Lernwelten, beispielsweise im Flugsimulator, werden 52 Mädchen, meist mit Migrationshintergrund, zwei Jahre lang auf den Einstieg in das Berufsleben vorbereitet“, so Dutschek. Auch Praktika und Hospitanzen in Kooperationsunternehmen gehören ebenso zum Programm wie die Teilnahme an einem Bewerbungstraining.

Fachkräfte sichern Wettbewerbsfähigkeit

Denn: „Die eigene Ausbildung von Fachkräften ist der beste Weg, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken“, sagt Franz. Unternehmen können nur wettbewerbsfähig sein und bleiben, wenn ausreichend Fachkräfte zur Verfügung stehen. Daher hat sich die Region Hannover dem Themenkomplex Fachkräftebedarf, Berufsorientierung und Ausbildung seit geraumer Zeit mit verschiedenen erfolgreichen Projekten angenommen – mit der Plattform Azubi21.de beispielsweise, mit dem Projekt „IT macht Schule“, in enger Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit Hannover die Projekte „Hand in Hand in die Zukunft“ und auch mit der Etablierung von Ausbildungslotsen an den Schulen.

Diese sind ebenfalls in das Projekt „Follow Me Next Generation“ eingebunden: „Das Projekt spricht die Schüler an. Das ist viel spannender, als ein Bewerbungstraining am Schreibtisch“, sagt Nicolas Semeth, Ausbildungslotse an der IGS Vahrenheide/Sahlkamp. „Und wenn es spannender ist, lernen die Jugendlichen besser“, ergänzt Ursula Langrehr, Fachbereichsleiterin Arbeit, Wirtschaft Technik und für die Berufsorientierung an der IGS Vahrenheide/Sahlkamp verantwortlich.

Auch Chance für Unternehmen 

Das Projekt biete auch Unternehmen eine große Chance, sich in der Nachwuchsförderung zu engagieren und die Zielgruppe junger Migrantinnen für ihre Ausbildungsangebote zu gewinnen; das Projekt ist ausdrücklich eines der Mädchenförderung in der Region. „Die Schülerinnen, die das Projekt Follow Me Next Generation absolviert haben, sind für jeden Ausbildungsbetrieb wertvoll. Sie sind die Fachkräfte von morgen“, sagt Wirtschaftsdezernent Franz. Das sieht auch Sarah Mehner, Leiterin der Abteilung Ausbildung Hannover bei der Schenker Deutschland AG, so: „Bei Bewerbungen und Einstellungen merken wir, wer bereits an seinen sozialen und persönlichen Kompetenzen gearbeitet hat.“ Wenn auch DB Schenker bisher immer passende Auszubildende finden konnte, sagt Mehner: „Man merkt jedoch schon, dass gerade die jungen Leute, die den Schulabschluss anstreben, einen starken Bedarf haben, ihre eigene Persönlichkeit zu stärken und auszuprägen. Für diese Jugendlichen sind solche Projekte einfach klasse.“