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Ein Mann und eine Frau stehen nebeneinander, der Mann hält eine Urkunde in seinen Händen. © Stahl, Region Hannover

Prof. Rolf Grimm (links) und Stellv. Regionspräsidentin Doris Klawunde

Verdienstkreuz am Bande

Auszeichnung für Prof. Rolf Grimm

Stellvertretende Regionspräsidentin Doris Klawunde überreicht Prof. Rolf Grimm Verdienstorden für über 30 Jahre Engagement im Bereich Kultur.

Herr Professor Grimm engagiert sich seit über 30 Jahren im Bereich Kultur

Seit 1980 hat er sich intensiv für die Wiederbelebung, Erhaltung, Erforschung und Dokumentation des Lebenswerkes von Professor Gustav Heinrich Eberlein, einem bedeutenden deutschen Bildhauer, Maler und Schriftsteller eingesetzt. Dieser wurde 1847 im südniedersächsischen Spiekershausen geboren, lebte seit 1856 im nahen Hann. Münden und seit 1874 gleichzeitig in Berlin, wo er 1926 starb. Seine Grabstelle wurde 1990 vom Land Berlin als Ehrengrab anerkannt.

Rolf Grimm

studierte in Hannover und Zürich Architektur und war bis 1999 als Professor für Städtebau, Landesplanung und Baugeschichte an der Fachhochschule Hannover (Nienburg) tätig. Die Kinder seiner Vorfahren spielten mit Eberlein im damals 99-Seelen-Dorf Spiekershausen.

Gustav Heinrich Eberlein

war um 1900 einer der meist beschäftigten und angesehensten Künstler der Berliner Bildhauerschule des 19. Jahrhunderts. Sein Werkverzeichnis enthält über 900 Werke der Bildhauerei, Malerei und Schriftstellerei mit über 600 Abbildungen.

Eberlein schuf Marmor- und Bronzedenkmale überwiegend nach Wettbewerbserfolgen. Nur noch wenige sind erhalten, so zum Beispiel Goethe-Denkmal in Rom, Richard-Wagner- und Lortzing-Denkmal in Berlin, zwei Gruppen der Siegesallee in Berlin, Denkmal der Königin Luise in Tilsit (Rekonstruktion 2013), Bürger-Denkmal in Göttingen, Kaiser-Wilhelm-I-Denkmal in Krefeld, Nationaldenkmal General San Martín (Neugestaltung 1910) und weitere Personendenkmale in Buenos Aires, "Deutscher Brunnen" in Santiago de Chile, Botev-Denkmal in Vratsa (Bulgarien), Reiterdenkmale in Coburg, Hamburg-Altona und Geislingen sowie Grabmale unter anderem in Berlin, Dresden und Hamburg. Die Mehrzahl der Bronzedenkmale wurde zur Metallgewinnung im Krieg eingeschmolzen.

Auf nationalen und internationalen Kunstausstellungen war Eberlein regelmäßig vertreten, so zum Beispiel auf den Weltausstellungen in Chicago (1893), Paris (1900) und St. Louis (1904). In Museen und öffentlichen Gebäuden sind Werke Eberleins zu sehen, unter anderem in Berlin (Alte Nationalgalerie, Bode-Museum, Berlinische Galerie, Theater des Westens) sowie in Bonn, Dransfeld, Dresden, Ekaterinburg, Hagen, Hann. Münden, Kassel, Lüneburg, Oldenburg, Spandau, Staufenberg (Nds.), Weimar, Wiesbaden, Winterthur, Wuppertal und in Buenos Aires (Casa Rosada, Teatro Colón). Private Sammlungen enthalten bedeutende Marmor- und Bronzewerke sowie Gemälde und Zeichnungen Eberleins.

Eberlein fand zu seiner Zeit eine Anerkennung, die sich in der Verleihung hoher, auch internationaler Kunstorden bis zum Ende des 1. Weltkrieges widerspiegelte. Am Ende seines Lebens war er, der sich künstlerisch seit der Gründerzeit / Historismus zwischen Neubarock, Naturalismus und Jugendstil bewegt hatte, noch einem kleineren Kreis bekannt. Die neuen Stilrichtungen, von denen zu jener Zeit die eine die nächste schon wieder abgelöst hatte, "überrollten" nicht nur seine Kunstauffassung. Seit 1975 ist die auch finanzielle Wertschätzung der vor und um 1900 wirkenden Bildhauer unter anderem durch wissenschaftliche Veröffentlichungen merklich gestiegen.

Bildhauermuseum Eberleins

Im Welfenschloss in Hann. Münden richtete Prof. Eberlein 1898 auf eigene Kosten ein Bildhauermuseum ein, das die von Ton abgenommenen Hartgipsmodelle fast aller seiner Wettbewerbe und seiner freien Kunstwerke enthielt. Sie sollten zur Ausführung in Marmor oder Bronze dienen. Bis zur auch räumlichen Verkleinerung am Ende der 30-er Jahre war es eines der größten Bildhauermuseen in Deutschland.

Von den über 300 teilweise überlebensgroßen Originalen, die Eberlein testamentarisch der Stadt Hann. Münden vermacht hatte, wurden 1960 etwa zwei Drittel auf eine Bauschuttdeponie zwischen Göttingen und der documenta-Stadt Kassel geworfen. Diese unersetzlichen Unikate, mithin ein großer Teil von Eberleins Lebenswerk, auch wertvoll als Zeitdokumente, sind verloren. 1975 entledigte sich der Museumsleiter widerrechtlich ohne Beleg von Eberleinwerken. Eine Forderung auf Rückgabe wurde bisher nicht gestellt.

Grimm unterstützte Restauration

Aus den in einer Fußbodenpacklage auf dem Schlossboden gefundenen Gipsscherben wurden zwischen 1982 und 1989 unter der fachlichen Leitung und mit ehrenamtlicher ständiger Hilfe von Prof. Grimm rund 80 Skulpturen und 11 Gemälde mit erheblicher finanzieller Unterstützung öffentlicher Stellen für Restauratoren wiederhergestellt. Bis auf 16 ausgestellte lagern sie im Depot des Städtischen Museums. Einige sind als Leihgaben in auswärtigen Museen, wie im Deutschen Historischen Museum in Berlin, im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg und im Stadtmuseum Kassel, zu besichtigen.

Gustav-Eberlein-Forschung e.V.

Prof. Rolf Grimm hat 1982 den gemeinnützigen Verein Gustav-Eberlein-Forschung e.V. zusammen vor allem mit dem verstorbenen Mitstreiter Günther Kaerger ins Leben gerufen und übte seitdem bis März 2015 das Amt des Ersten Vorsitzenden aus. Zweck des Vereins mit Sitz in Hann. Münden ist die Erforschung des Schaffens und Lebens Eberleins, die Pflege und Erhaltung seiner Kunstwerke sowie die Vertiefung und Verbreitung des Wissens um diesen Künstler. Unter der Leitung von Prof. Grimm hat der Verein zahlreiche Ausstellungen, teilweise mit privaten Leihgaben, und Forschungsprojekte vorangetrieben, führt wissenschaftliche Veranstaltungen und Vorträge durch, bietet Führungen und Besichtigungen der noch vorhandenen Werke Eberleins an und fördert das Städtische Museum der Stadt Hann. Münden insbesondere durch die Mithilfe bei der Restaurierung und Inventarisierung.

In Zusammenarbeit mit den zuständigen Denkmalbehörden setzt sich Prof. Grimm intensiv dafür ein, dass weitere beschädigte bzw. zerstörte Werke rekonstruiert und die vom Verfall bedrohten Werke restauriert werden. Aufgrund seines besonderen Einsatzes und seiner außerordentlichen kunsthistorischen Vernetzung bis hin nach Nord- und Südamerika und Russland konnte Prof. Grimm insbesondere dem Städtischen Museum Hann. Münden direkt und indirekt finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, um diese Arbeiten bewerkstelligen und so eine bedeutende überregionale Kunstsammlung präsentieren zu können

Eberlein-Werkverzeichnis

Außerdem hat Prof. Grimm in den langen Jahren seiner Forschungs- und Dokumentationsarbeiten ein detailliertes Eberlein-Werkverzeichnis erstellt, das er bis heute regelmäßig aktualisiert. Angeregt und unterstützt hat er weitere wissenschaftliche Veröffentlichungen (unter anderem Promotionen, Magisterarbeiten).

Weiteres in Planung

In Zusammenarbeit mit dem Archiv der Stadt Hann. Münden möchte Prof. Grimm mit seinem Verein ein öffentlich zugängliches Gustav-Eberlein-Archiv aufbauen. Weiterhin plant er, Eberlein-Gedenkstätten in dessen Geburtsort Spiekershausen und in seiner späteren Heimatstadt Hann. Münden zu errichten. Schließlich beabsichtigt er, einen von Eberlein für Münden entworfenen Doktor-Eisenbart-Brunnen zu verwirklichen.

Die über Jahrzehnte ehrenamtliche Arbeit findet mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland die ihr gebührende Anerkennung.

(Veröffentlicht: 11. Dezember 2015)