Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Veranstaltungen

Dezember 2017
12.2017
M D M D F S S
27 28 29 30 1 2 3
4 5 6 7 8 9 10
11 12 13 14 15 16 17
18 19 20 21 22 23 24
25 26 27 28 29 30 31
Heute | Wochenende | kostenlos | Suche

Auf Jobsuche?

Eine Infotafel und eine Steintafel in einem Waldstück. © Region Hannover

Standort der Infotafel ist der Nordhang – gegenüber der im Jahr 1938 vom Reichsarbeitsdienst aufgestellten Steintafel "Cheruskerburg".

Historische Korrektur

Die Cherusker waren nicht die Erbauer

Eine neue Tafel informiert über die Geschichte, die ideologische Vereinnahmung und den Aufbau der Burg auf dem Gehrdener Berg.

Eine Infotafel in einem Waldstück und drei Männer und eine Frau die links daneben stehen. © Region Hannover

Präsentieren die neue Informationstafel: Cord Mittendorf (Bürgermeister der Stadt Gehrden), Kommunalarchäologin Ute Bartelt, Dieter Mahlert vom Heimatbund Niedersachsen und Prof. Dr. Axel Priebs, Erster Regionsrat.

Wie alt ist die Wallanlage auf dem Gehrdener Burgberg? Wurde die Befestigung tatsächlich vom Germanen-Stamm der Cherusker in der Zeit um Christi Geburt errichtet? Oder sind die Ergebnisse der ersten Grabungen in den 1930er Jahren der Nazi-Ideologie entsprechend gedeutet wurden?

Infotafel Burgberg

Über die Geschichte, die ideologische Vereinnahmung und den Aufbau der immer noch gut erkennbaren Wallanlage informiert eine neue Info-Tafel auf dem Burgberg, die auf Initiative der Gruppe Gehrden im Heimatbund Niedersachsen e.V. mit Förderung der Region Hannover und der Stadt Gehrden aufgestellt wurde.

Standort

ist der Nordhang – gegenüber der im Jahr 1938 vom Reichsarbeitsdienst aufgestellten Steintafel "Cheruskerburg".

Genaue Datierung nicht möglich

Wann die Wallanlage auf der Nordkuppe des Gehrdener Bergs errichtet wurde, lässt sich auch heute nicht mir letzter Sicherheit sagen. "Die wenigen gemachten Funde, die aus der Jungsteinzeit, der Bronzezeit, der römischen Kaiserzeit und dem Mittelalter stammen, bieten keine zuverlässige Datierungsgrundlage", erläutert Kommunalarchäologie Ute Bartelt von der Region Hannover.

Historische Korrektur

"Mit der neuen Informationstafel unternehmen wir auch eine historische Korrektur: Die Gehrdener Burg war keine ‚germanische Burg der Cherusker‘", unterstrich Prof. Dr. Axel Priebs, Erster Regionsrat der Region Hannover.

Der Bau der Wallanlage

Die unbekannten Erbauer der Wallanlage machten sich eine natürliche Geländekante auf dem Berg zu Nutze, an deren Fuß ein Graben in den anstehenden Fels geschlagen wurde. Mit dem "Grabenaushub" wurde dann hangaufwärts ein mit einer Höhe von nur rund 1,2 Meter über den anstehenden Boden vergleichsweise niedriger Wall aufgeschüttet. Aber: Aufgrund der Geländekante wirkt die Befestigung imposanter. Der Höhenunterschied zwischen Wallkrone und Grabensohle liegt bei bis zu über 5 Metern.

Zwei Bauphasen

Wahrscheinlich wurde der Befestigungsring nicht in einer Bauperiode, sondern in zwei unterschiedlichen Phasen errichtet. „Auf einer dunkleren, deutlich stärker durchwurzelten und auch mächtigeren Wallaufschüttung liegt eine hellere Schicht auf.

Datierende Funde

Bei der letzten Grabung vor zwei Jahren wurde aus einem verfüllten Graben ein Stück einer Flintklinge aus der Jungsteinzeit oder Frühbronzezeit geborgen. Für Regionsarchäologin Ute Bartelt keine Überraschung: "Das Fragment belegt, dass der Burgberg zu dieser Zeit begangen worden ist. Ähnlich datierende Funde wurden bereits in den 1930er Jahren gemacht."

Grabungen in den 1930er Jahren

In den Jahren 1937 und 1938 waren Archäologen auf der nördlichen Kuppe des Gehrdener Berges und der Leitung von Karl Hermann Jacob-Friesen, damals Direktor des hannoverschen Provinzialmuseums (heute: Niedersächsisches Landesmuseum), tätig. Teile der Grabungsdokumentation sind heute jedoch verschollen. Ziel der Grabungen war es seinerzeit, Wallaufbau und Tordurchlässe zu klären sowie die Anlage zu datieren. Der den Burgberg umgebene Graben konnte als in den Fels gehauener Spitzgraben identifiziert werden, auch zwei Tordurchlässe wurden zweifelsfrei festgestellt.

Deutung als "Cheruskerburg"

Dem Tenor der Zeit folgend wurden einige wenige Funde im Umfeld der Befestigung, die in die Zeit um Christi Geburt datieren, dazu genutzt, die Wallanlage als "Cheruskerburg" und somit als germanische Burg zu deuten. 1938 wurde vom Reichsarbeitsdienst auf dem Burgberg ein "Cheruskerlehrpfad" eingerichtet, von dem heute noch Steintafeln auf dem Gehrdener Berg zeugen.

Die Wallanlage heute

Die Wallanlage umschließt die nördliche Kuppe des Gehrdener Berges halbkreisförmig. Durch Eingriffe in jüngerer Zeit ist sie stellenweise zerstört. Inmitten der Wallanlage stehen heute die Ruinen des 1887 erbauten Aussichtsturms und eines 1899 eröffneten Ausflugslokals, das von 1924 bis 1961 der Leibnizschule Hannover als Landschulheim diente und während des 2. Weltkriegs als Lazarett genutzt wurde.