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Ausstellungen

Ronald Searle: Ein Künstlerleben

Noch bis zum 31. Januar 2021 feiert das Museum Wilhelm Busch den 100. Geburtstag des englischen Zeichners Ronald Searle, dessen künstlerischen Nachlass das Museum als Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen bewahrt.

Er war ein Meister der Zeichenkunst, der grafischen Satire und Illustration ebenso wie der Bildreportage – und er war eine beeindruckende Persönlichkeit: Ronald Searle (03.03.1920–30.12.2011). Im März 2020 wäre der britische Zeichner 100 Jahre alt geworden. Selten ist das Werk eines Künstlers so sehr mit seiner Zeit und ihren Menschen verflochten wie bei diesem vielfach ausgezeichneten Karikaturisten. Deshalb ist die große Werkschau im Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst zugleich auch ein Lebensbericht.

Mit seinem vielfältigen Werk gilt Ronald Searle als einer der einflussreichsten Karikaturisten des 20. Jahrhunderts. In mehr als acht Jahrzehnten schuf Searle mit seinen Illustrationen, Reportagezeichnungen, werbegrafischen Arbeiten und Animationsfilmen ein umfangreiches Lebenswerk von internationalem Rang. Ein unverwechselbarer, meisterhafter Strich, kombiniert mit rabenschwarzem Humor, reichem Wissen, pointiertem Spott sowie einer tiefen Menschlichkeit haben Ronald Searle ausgezeichnet. Seine Schulmädchen von St. Trinian’s sind in England mindestens so berühmt wie Max und Moritz in Deutschland. Das Museum Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst bewahrt seit 2010 Searles Nachlass als Dauerleihgabe der Stiftung Niedersachsen. Dazu gehören auch die wissenschaftliche Bibliothek Ronald Searles zur Geschichte der Karikatur, seine Sammlung historischer Karikaturen sowie sein persönliches Archiv.

Der Künstler mit dem typisch britischen Humor wurde 1920 in Cambridge geboren und veröffentlichte bereits als 15-Jähriger seine ersten Cartoons. Prägend waren für ihn die Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges: Als junger Soldat sollte er das damals britische Singapur verteidigen, wurde aber von den Japanern inhaftiert. Als Kriegsgefangener musste er an der Siam-Burma-Bahn mitbauen, unter anderem auch die berüchtigte "Brücke am Kwai". Zeichnen wurde für ihn im thailändischen Dschungel zur Überlebensstrategie. Seine Erlebnisse verarbeitete er mit Zeichnungen, die er unter abenteuerlichen Umständen verstecken und retten konnte – er schenkte sie später dem Imperial War Museum in London.

Nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft im Oktober 1945 avancierte er bald zu einem der bekanntesten Karikaturisten in England, wo vor allem seine Cartoons aus dem Mädcheninternat St. Trinian’s Furore machten. Die stets zu grausamen Streichen aufgelegten Schulmädchen machten ihn quasi über Nacht berühmt. Selbst das dramatische Ende der fiktiven Geschichte 1953 mit einer Atombombenexplosion im Physiksaal änderte nichts daran, dass Searle zu seinem lebenslangen Verdruss in England vor allem als ihr Schöpfer bekannt ist. Doch auf sein Lebenswerk bezogen, sind sie nicht mehr als ein – wenn auch grandioser – Anfang.

Im deutschsprachigen Raum wurde Searle dank eines jungen Verlegers bekannt, der 1952 einen Verlag gründete, um Searles bissige Karikaturen veröffentlichen zu können: Der Schweizer Daniel Keel startete den Diogenes-Verlag mit dem Searle-Band "Weil noch das Lämpchen glüht". Und Friedrich Dürrenmatt nannte Searle einen "Jonathan Swift an der Feder". Zahlreiche weitere Bücher mit Searles Zeichnungen erschienen auch hierzulande, darunter das "Große Katzenbuch" oder die "Illustrierte Weinsprache".

Seine Reportagezeichnungen von Reisen durch Europa, den Nahen Osten oder den amerikanischen Kontinent machten ihn in den 1960er-Jahren international bekannt – so begleitete er unter anderem 1961 den Prozess gegen den SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann in Jerusalem – und seine Animationszeichnungen für Trickfilme öffneten ihm die Türen Hollywoods. Wir begegnen in Klassikern der Animationsgeschichte wie »101 Dalmatiner« vom Disney Studio der Searle-Welt. In seinen großen Bilderzyklen der 1970er- und 1980er-Jahre spielten Tiere, besonders Katzen, eine zentrale Rolle: als vergnügliches Bestiarium mit sehr menschlichen Verhaltensweisen.

Der Linkshänder Searle arbeitete unter anderem für "Punch", "Life" und den "New Yorker"; noch als 75-Jähriger unterschrieb er einen Vertrag als politischer Karikaturist für die französische Zeitung "Le Monde", der er bis 2008 bittere gezeichnete Kommentare zum Weltgeschehen schickte. 1961 hatte Searle Großbritannien verlassen, er lebte fortan in Paris und schließlich in einem kleinen Dorf in der südfranzösischen Provence. Dort starb Ronald Searle am 30. Dezember 2011 – nur wenige Monate nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau Monica – im Alter von 91 Jahren.

Die Ausstellung zum 100. Geburtstag von Ronald Searle im Museum Wilhelm Busch – im Sommer 1965 wurden hier seine Arbeiten übrigens erstmals präsentiert – bietet Besuchern entlang seiner Biografie und seiner zentralen Arbeitsbereiche "Cartoon", "Reportage" und "Animation" intensive Einblicke in eine komplexe Künstlerpersönlichkeit und zugleich spannende Zeitgeschichte. Die Ausstellung wird begleitet von einem Katalog mit rund 180 Abbildungen, 29,90 Euro. Erhältlich im Museums-Shop

Führungen

Die öffentliche Führung findet außerhalb der regulären Öffnungszeiten des Museums statt, um die Besucher zu schützen. Die Mitarbeiterin des Museums trägt ein Visier, sodass sie trotz Corona-Schutz gut zu verstehen ist. Die Gruppen sind auf maximal zehn Teilnehmer begrenzt. Anmeldung erforderlich.

Termin(e): 21.12.2020 bis 31.01.2021
dienstags  mittwochs  donnerstags  freitags  samstags  sonntags 
von 11:00 bis 17:00 Uhr
Ort

Wilhelm Busch - Deutsches Museum für Karikatur & Zeichenkunst

  • Georgengarten 1
  • 30167 Hannover
Preise:
Eintritt 6,00 Euro
Ermäßigt 4,00 Euro