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Abgesagt: Die verlorene Ehre der Katharina Blum

In einer Einzelverfügung hat die Region Hannover am 12. März festgelegt, dass in der Staatsoper, im Staatsschauspiel und im Theater am Aegi in Hannover bis auf Weiteres keine Veranstaltungen stattfinden dürfen.

Bis auf Weiteres keine Veranstaltungen im Schauspielhaus

Die Verfügung gilt ab Freitag, 13. März 2020.


Was hat ein Mensch zu verlieren, der durch den zufälligen Kontakt mit einem Terroristen ins Visier der Ermittler*innen und der Medien gerät? Die Unschuldsvermutung – weil gezielte Indiskretionen und öffentliche Hetzkampagnen drohen? Seine Privatsphäre – weil alles, auch das Intimste, ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt wird, je intimer und dreckiger, desto besser? Oder seine "Ehre" – wie Heinrich Böll in seiner Erzählung über die bis dahin unauffällige Haushälterin Katharina Blum titelt, die nach einer Nacht mit einem radikalen Rechtsbrecher in die Räderwerke der Sensationspresse gerät?

Eine frühe Medienkritik von Heinrich Böll

Selbst Opfer einer BILD-Zeitungskampagne aufgrund eines angeblich mit der RAF sympathisierenden Artikels wusste Böll, wovon er schrieb, als er einige Jahrzehnte vor der Erfindung von Shitstorm und Cybermobbing die Macht der Medien angriff. Mehr jedoch als die "Gegensensation", dass die gedemütigte Katharina Blum zur Waffe greift und ihren journalistischen Hauptpeiniger erschießt, interessierte Böll die grundsätzliche Frage: Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann – so auch der Untertitel seines Werks. Und damit lieferte er die Vorlage für eine fundamentale Medienkritik: die Frage nach medialer Gewalt.

Regisseur Stefan Pucher verbindet in seiner heutig politischen Sicht auf den Moralisten Böll auch die Frage nach den verlorenen Werten der alten Bundesrepublik.

Über den Regisseur

Stefan Pucher wurde 1965 in Gießen geboren. Bekannt wurde er durch einen Auftritt auf der X. documenta in Kassel im Jahr 1997, wo er gemeinsam mit der Performancegruppe Gob Squad die Performance "15 Minutes to Comply" zeigte. Ende der 90er inszenierte Pucher an der Berliner Volksbühne bei Frank Castorf und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Von 2000 bis 2004 war er Hausregisseur am Schauspielhaus Zürich, seitdem arbeitet er an verschiedenen Häusern als Regisseur, unter anderem am Schauspielhaus Zürich, an der Volksbühne Berlin und am Deutschen Theater Berlin.

Termin(e): 13.03.2020 bis 14.03.2020
von 19:30 bis 21:15 Uhr
28.03.2020 
von 19:30 bis 21:15 Uhr
05.04.2020 
von 19:00 bis 20:45 Uhr
09.04.2020 
von 19:30 bis 21:15 Uhr
15.04.2020 
von 19:30 bis 21:15 Uhr
25.04.2020 
von 19:30 bis 21:15 Uhr
Ort

Schauspielhaus

  • Prinzenstraße 9
  • 30159 Hannover
Preise:
15,00 € bis 41,00 € ggf. zzgl. Gebühren Verschiedene Ermäßigungsgruppen
Vorverkauf: