Waldzustandserhebung

Bäume leiden unter Dürre-Folgen – kein Waldsterben

Um die Auswirkungen der langanhaltenden Trockenheitsperioden der vergangenen drei Jahre für die Gesundheit der städtischen Wälder in Hannover beurteilen zu können, hat der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover im Juli und August 2021 erstmalig ein Wald-Monitoring durchgeführt.

Der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün setzt auf die natürliche Verjüngung des Waldes durch Sämlinge und Jungbäume.

Die Ergebnisse bestätigen die Beobachtungen aus dem Jahr 2020: Neben den Fichten sind es vor allem alte Buchen und Eichen, die ausgelichtete Baumkronen aufweisen. Denn neben Umwelteinflüssen wie Klima und Schädlingen ist das Baumalter ein wesentlicher Einflussfaktor für die Vitalität. "Ältere Bäume können sich im Gegensatz zu jüngeren Exemplaren schwerer an wechselnde Umweltbedingungen anpassen. Dies könnte ebenfalls ein Grund für den hohen Anteil geschädigter Eichen und Buchen sein", erläutert Johannes Drechsel, Forstwissenschaftler im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. Beide Baumarten sind im Stadtwald deutlich älter als andere Laubbaumarten.

Stichprobenartige Untersuchungen

Die in diesem Jahr vorgenommene Untersuchung lehnt sich an die auf Länder- und Bundesebene jährlich durchgeführte Waldzustandserhebung an: In allen Wäldern der Stadt wurden stichprobenartig insgesamt 318 Bäume begutachtet und anhand ihrer Belaubung der Gesundheitszustand ermittelt. Während gesunde Bäume in der Regel eine dichte Baumkrone mit vielen Nadeln oder Blättern aufweisen, zeigen kranke oder geschwächte Bäume ausgelichtete Baumkronen mit wenig Blatt- oder Nadelmasse.

Fichten und Buchen besonders betroffen

Der Anteil an besonders stark geschädigten Bäumen (dazu zählen Bäume, die mehr als 60 Prozent ihrer Blattmasse verloren haben) in den Stadtwäldern von Hannover liegt mit 6 Prozent über dem niedersächsischen Wert von 4,1 Prozent im Jahr 2021. Betroffen sind insbesondere Fichten und die über 65 Jahre alten Buchen, die unter der Trockenheit der Jahre 2018 bis 2020 enorm gelitten haben. Kiefern zeigen hingegen weiterhin nur geringe Schäden. Die geschädigten Bäume entlang der Wege entfernt der städtische Forstbetrieb im Zuge der sogenannten Verkehrssicherung im laufenden Winter. Abgestorbene Bäume, die keine Gefährdung für die Sicherheit der Waldbesucher*innen darstellen, werden als ökologisch wertvolle Habitate erhalten.

Absterben der Wälder nicht zu erwarten

"Die diesjährigen Witterungsverhältnisse waren zwar deutlich weniger durch Trockenheits- und Hitzeperioden gekennzeichnet, dennoch sind die Folgeschäden der Vorjahre sichtbar", sagt Johannes Drechsel und betont: "Trotz der Ergebnisse der Waldzustandserhebung sind in den Stadtwäldern aber keine großen leeren Flächen durch absterbende Bäume entstanden. Es handelt sich vielmehr um punktuell verteilte Baumschäden – ein ‚Absterben des Waldes‘ ist in Hannover nicht zu befürchten."

Aufforstung gegen den Klimawandel

Um den Folgen der Witterungsextreme auch zukünftig entgegen zu treten, setzt der Bereich Forsten, Landschaftsräume und Naturschutz im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün auf die natürliche Verjüngung des Waldes. Das heißt, dass kleine Lücken, die durch abgestorbene Bäume entstanden sind, auf natürliche Weise von aufkommenden Sämlingen und Jungbäumen wieder geschlossen werden. Größere geräumte Flächen werden vom Forstbetrieb mit heimischen Eichen neu aufgeforstet. Diese einjährigen Jungpflanzen gelten als besonders anpassungsfähig und sollen den Wald langfristig widerstandsfähiger gegenüber dem Klimawandel machen.

Weitere Erhebung in 2022

Die detaillierten Ergebnisse der Waldzustandserhebung sind im Internet unter www.hannover.de/stadtwälder zu finden. Für 2022 plant die Stadt eine erneute Erhebung, um die Waldentwicklung regelmäßig im Blick zu behalten und um kurzfristig Verbesserungsmaßnahmen durchführen zu können.