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Antisemitismus in Hannover

Erste Ergebnisse der Doku­men­tations- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle

Seit dem Sommer können die Vorfälle einer Anlaufstelle an der Hochschule Hannover gemeldet werden: Die neue Dokumentations-und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in Hannover arbeitet aber bereits seit dem Frühjahr und untersucht unter anderem antisemitische Bilder und Vorurteile auf sogenannten Corona-Demos in Hannover. Nähere Informationen dazu sind im neuesten RIAS-Monitoringbericht zu finden, der ein eigenes Kapitel über Hannover enthält.

Laut dem Bericht der Dokumentationsstelle kam es auf sechs Veranstaltungen in Hannover zu antisemitischen Äußerungen. Der Bericht zeigt, dass alle beobachteten Veranstaltungen von Beginn an in hohem Maß von Verschwörungserzählungen geprägt waren. Nur wenige Beiträge waren offen antisemitisch, häufig wurden antisemitische Inhalte durch Chiffren verschleiert. Die Proteste zeigten, wie gerade in Krisenzeiten auch in Hannover das Bedürfnis wuchs, für komplizierte Verhältnisse einfache Erklärungen, genauer Schuldige zu finden. Um dieses Bedürfnis zu befriedigen wurden alte antisemitische Erzählungen teils in neuer Couleur, teils ganz offen artikuliert.

OB Onay: "Allen Formen von Antisemitismus energisch widersprechen"

Belit Onay, Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Hannover, betont: "Wir müssen allen Formen von Antisemitismus energisch widersprechen und uns unserer Verantwortung für jüdisches Leben in Deutschland bewusst sein. Die Landeshauptstadt Hannover wird sich weiter gegen Antisemitismus engagieren und sich in der Präventionsarbeit an den Ergebnissen der Dokumentationsstelle orientieren."

Expert*innenkreis-Mitglied Stender: "Dokumentationsstelle nimmt auch Hinweise entgegen"

Prof. Dr. Wolfram Stender, Mitglied des Expert*innenkreises der Offensive gegen Antisemitismus ergänzt: "Die Dokumentationsstelle beobachtet nicht nur antisemitische Vorfälle im Rahmen von Versammlungen, sondern nimmt auch Hinweise von selbst Betroffenen oder von Beobachter*innen antisemitischer Vorfälle entgegen. Damit gewinnen wir ein vollständigeres Bild antisemitischer Zustände in Hannover." Im Juli 2020 wurden die Kontaktdaten der Stelle veröffentlicht, so dass die Möglichkeit, antisemitische Vorfälle zu melden, seitdem für alle Bürger*innen Hannovers gegeben ist.

25 Vorfälle dokumentiert

Bisher hat die hannoversche Stelle 25 Vorfälle dokumentiert. Feststellbar ist auch hier eine verschwörungsideologische Komponente vieler Fälle. So wurde auch im Kontext der Corona-Pandemie das alte antisemitische Muster bedient, nach welchem "die Juden" die Verantwortlichen für die Krise seien.

Bundesverbands-Mitglied Steinitz: "Mit dem Beginn einer systematischen zivilgesellschaftlichen Dokumentation antisemitischer Vorfälle wird erst deutlich, wie verbreitet Antisemitismus ist"

Benjamin Steinitz, Geschäftsführer des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Bundesverband RIAS) e.V. erklärt zu dieser Fallzahl: "Wir haben bereits in mehreren Regionen gesehen: Mit dem Beginn einer systematischen zivilgesellschaftlichen Dokumentation antisemitischer Vorfälle wird erst deutlich, wie verbreitet Antisemitismus ist. Dabei machten Menschen jüdischen Glaubens diese Erfahrungen seit Jahren – und wurden damit allein gelassen, weil für die Mehrheitsgesellschaft vor Ort dieses Problem nicht sichtbar war."

Kontakt für Hinweise

Hinweise können über das Meldeportal https://report-antisemitism.de/ oder über die Telefonnummern +49 511 9296 3223 und +49 511 9296 3145 aufgegeben werden. Die Dokumentationsstelle ist Montag bis Donnerstag von 9 bis 14 und freitags von 9 bis 12 Uhr erreichbar.

Alltäglichen Antisemitismus bekämpfen

Auf Beschluss der Ratsversammlung fördert die Landeshauptstadt Hannover eine Dokumentations- und Beratungsstelle für antisemitische Vorfälle in Hannover in Trägerschaft der Hochschule Hannover. Diese Stelle ist Teil der Offensive gegen Antisemitismus der Landeshauptstadt Hannover. Zielsetzung ist die Sichtbarmachung und Bekämpfung von alltäglichem Antisemitismus.

Hintergrund

Mir dem RIAS-Monitoringbericht verfolgt der Bundesverband RIAS e. V. das Ziel, bundesweit eine einheitliche zivilgesellschaftliche Erfassung und Dokumentation antisemitischer Vorfälle zu gewährleisten und initiiert und unterstützt dazu regionale Melde- und Dokumentationsstrukturen. Regelmäßig gibt der RIAS Bundesverband Publikationen heraus, welche die Ergebnisse der regionalen Dokumentationsstellen vorstellen. Die Proteste gegen die Maßnahmen zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie gingen mit einer Vielzahl antisemitischer Vorfälle im öffentlichen Raum einher, die im aktuellen Monitoringbericht zusammengefasst sind.