HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Ehem. Paul-Dohrmann-Schule

Fachleute: "Keine Gefährdung gegeben"

Die hannoversche Stadtverwaltung hat die Gegebenheiten auf dem Gelände der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule am Burgweg von der Unteren Bodenschutzbehörde der Region bewerten lassen. Das Ergebnis: "Eine Gefährdung und ein daraus abzuleitender dringender Handlungsbedarf sind nicht erkennbar", heißt es in der Stellungnahme der Behörde. Auch der von der Stadt eingeschaltete Sachverständige, Thomas Hartmann, Geschäftsführer der Mull und Partner Ingenieurgesellschaft mbH, bestätigte noch einmal, "dass keine nachteilige Beeinflussung für die menschliche Gesundheit der Bewohner des Grundstücks einschließlich spielender Kinder zu befürchten war und demzufolge sowohl aus fachlicher als auch aus rechtlicher Sicht zu keinem Zeitpunkt behördlicherseits Handlungsbedarf bestand."

Gebäude von außen. © LHH

Ein Teil der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule.

Die Stadtverwaltung hat am 14. August in einer Pressekonferenz über die Stellungnahmen informiert. "In der öffentlichen Diskussion um die zwischenzeitliche Nutzung der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule als Obdachlosenunterkunft haben wir immer betont, dass durch Altlasten im Boden des Grundstücks keine Gefahr für die untergebrachten Bewohner*innen bestanden hatte. Dennoch haben wir die Fragen ernst genommen und wollen Transparenz schaffen. Deshalb haben wir das Gutachten veröffentlicht", betonte Finanz- und Ordnungsdezernent Dr. Axel von der Ohe.

Prüfwerte der BBodSchV nicht überschritten

Maßgabe für die Stadt ist die Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV). Sie regelt, welcher Schadstoffgehalt für welche Nutzungen eine Gefahr darstellt. Kinderspielflächen werden am strengsten bewertet. Weitere Kategorien sind Wohnen, Park- und Freizeitflächen sowie Gewerbegebiete. Das Gelände der ehemaligen Schule war als Wohnfläche einzustufen – dazu gehören auch Hausgärten. Durch frühere Erkenntnisse war bekannt, dass sich auf dem Grundstück Gebäudeschutt befand. Im Jahr 2014 ließ die Stadt den Grad der Belastung untersuchen. Es wurde auch bewertet, ob durch die im Schutt enthaltenen Schadstoffe –  Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Blei – die Gesundheit von Menschen bei Wohnnutzung gefährdet sein könnte. Das Ergebnis des Gutachtens: Die Prüfwerte der BBodSchV für Wohnen waren nicht überschritten.

Die in dieser Woche befragten Fachleute bestätigen die Unbedenklichkeit. In der Stellungnahme der Region Hannover heißt es: "Bei einer Nutzung des Grundstücks als Wohngebiet ist für den Wirkungspfad Boden-Mensch als bodenschutzrelevantes Kriterium keine Prüfwertüberschreitung festgestellt worden. Legt man selbst die sensibelste Nutzung 'Kinderspielfläche' für das gesamte Grundstück zugrunde, ist (…) lediglich für eine Mischprobe des Oberbodens (…) eine Prüfwertüberschreitung für Blei (360 mg/kg) nachgewiesen. (…) Die Prüfwertüberschreitung wurde in einem Bereich östlich des ehemaligen Schulgebäudes festgestellt. Aufgrund der geschlossenen Grasnarbe in diesem Bereich sind die Kontaktmöglichkeiten mit dem Oberboden jedoch weitgehend ausgeschlossen. Die für die Kinder hergerichtete Spielfläche befindet sich auf der gegenüberliegenden Seite des Gebäudes. Es ist davon auszugehen, dass besonders Kleinkinder sich nur in unmittelbarer Nähe der Spielfläche aufhalten."

Spielen auf dem gesamtem Grundstück war jederzeit unbedenklich

Nach der Verschärfung der PAK-Prüfwerte im Jahr 2016 waren die Grenzwerte auf wenigen Teilflächen überschritten. Da die Schadstoffe jedoch unter einer dichten Rasendecke liegen, konnten Kinder mit ihnen nicht in Kontakt kommen. Die Landeshauptstadt Hannover konnte zudem sicherstellen, dass die Versiegelungen mit Asphalt und Pflaster sowie die dichte Rasendecke bestehen blieben. Das Spielen auf dem gesamten Grundstück war jederzeit unbedenklich.

Über die Bundesbodenschutz-Verordnung hinaus hat sich die Landeshauptstadt Hannover im Jahre 2007 freiwillig per Ratsbeschluss eigene, noch strengere Grenzwerte gesetzt. Diese sogenannten "Bodenwerte für die Bauleitplanung" wendet die Stadt bei der Aufstellung von Bebauungsplänen und Grundstücksverkäufen an. Der Grund: In diesen Fällen gibt die Stadt die Kontrolle über die Bodengegebenheiten aus der Hand. Das heißt, sie kann zum Beispiel nicht beeinflussen, wie Käufer*innen die Freiflächen gestalten, Pflanzungen vornehmen, Leitungen verlegen oder anderweitig in den Boden eingreifen. Die Stadt Hannover vereinbart deshalb in Kaufverträgen bei Erfordernis Maßnahmen für die Sanierung und Sicherung. Die strengeren "Bodenwerte für die Bauleitplanung" sind für das Areal der ehemaligen Schule am Burgweg 5 erst jetzt mit dem geplanten Verkauf zu berücksichtigen. Sofern der*die Käufer*in das Gelände wie bisher nutzt, wird kein Bodenaustausch erforderlich.

In der öffentlichen Diskussion um die Flächen der ehemaligen Paul-Dohrmann-Schule unterstrich Fachmann Thomas Hartmann die Unbedenklichkeit des Bodens für die dort befristet lebenden Menschen: Es könne "im vorliegenden Fall weder von der postulierten 'deutlichen' Überschreitung von Grenzwerten noch von einer 'formal-juristischen' Auslegung die Rede sein. Vielmehr hat die Stadtverwaltung anhand der vorliegenden Untersuchungsbefunde eine auch aus fachlicher Sicht korrekte und nachvollziehbare Einstufung der Nutzungsart des Grundstücks getroffen."

Dokumente