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Internationaler Kongress

Fahrbibliotheken treffen sich in Hannover

Zum Internationalen Fahrbibliothekskongress lädt der Deutsche Bibliotheksverband (dbv) gemeinsam mit der VGH-Stiftung und der Landeshauptstadt Hannover nach Hannover. Er findet zum ersten Mal in dieser Größenordnung in Deutschland statt. Mehr als 200 Teilnehmer*innen aus 14 Ländern (Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Estland, Finnland, Island, Niederlande, Österreich, Portugal, Schweden, Schweiz, Slowenien, Tschechien) haben sich angemeldet.

Fünf Personen © LHH

Dr. Carola Schelle-Wolff (Leiterin der Stadtbibliothek Hannover), Dr. Johannes Janssen (VGH-Stiftung), Johannes von Freymann (Fahrbücherei LK Celle), Susanne Mamzed (VGH-Stiftung) und Katrin Toetzke (Fahrbücherei LK Cuxhaven) (v.l.) bei der Pressekonferenz zum Internationalen Fahrbibliothekskongress

Die Fachtagung in der VGH-Direktion im Warmbüchenkamp wird sich Freitag (6. September) von 14 bis 18 Uhr und am Sonnabend (7. September) von 9 bis 12 Uhr mit den Themen Zukunft der Fahrbibliotheken, elektrische Antriebe für Bücherbusse, Gaming und Lesen, Crowdfunding und Qualitätssicherung beschäftigen. Darüber hinaus werden unterschiedliche Fahrbibliothekskonzepte aus Island, Tschechien, Portugal, Finnland und der Schweiz sowie ein Partnerprojekt zwischen der Stadt Saarbrücken und Lothringen vorgestellt. Die Stadtbibliothek Hannover bittet die Kongressteilnehmer*innen am 6. September abends zu einem Empfang in ihre Räumlichkeiten in der Hildesheimer Straße 12.

Das einzige bundesweite Fahrbüchereitreffen dieser Art mit seiner europaweiten Ausstrahlung hat zum Ziel, das Image der Fahrbibliotheken zu stärken, ihre vielfältigen Angebote im Bereich der Leseförderung, der Literaturvermittlung sowie der Medienkompetenz noch bekannter zu machen und Partnerschaften zur weiteren Stabilisierung dieser wichtigen Leseförderungskultur zu gewinnen.

"Bücherbusparty" auf dem Goseriede-Platz

Am 7. September verwandelt sich dann die für den Autoverkehr gesperrte Goseriede: Zwischen 13 und 20 Uhr wird hier mit der "Bücherbusparty" ein großes Bücherbus-Treffen veranstaltet. Rund 30 überwiegend aus Deutschland kommende mobile Bibliotheken werden dort mit umfangreichem Programm das Publikum unterhalten und informieren sowie die Kongressteilnehmer*innen zum Erfahrungsaustausch einladen. Lesungen für Kinder und ab 17 Uhr für Ältere, Poetry Slam, Puppenspiel und Live-Musik werden auf einem großen Bühnentruck dargeboten. In und vor den einzelnen Fahrbibliotheksfahrzeugen finden weitere Aktionen statt, zum Beispiel Bücherbusbasteln, Preisrätsel, Bilderbuchkino, E-Book-Reader- und E-Book-Beratung.

Alle Fahrzeuge können besichtigt werden. Noch nie konnten 30 verschiedene Fahrbibliothekstypen an einem Ort in Augenschein genommen werden. Die "Bücherbusparty" wird in Kooperation mit dem Literaturfest Niedersachsen durchgeführt, einem landesweiten Literaturfestival der VGH-Stiftung, die darüber hinaus den Internationalen Fahrbibliothekskongress großzügig unterstützt.

Hintergrund: Fahrbibliothek

Fahrbibliotheken sind mobile öffentliche Bibliotheken zur Versorgung großstädtischer Außenbezirke oder ländlicher Gegenden mit Büchern und anderen Medien. In Deutschland fahren rund 105 Bücherbusse oder LKWs als Fahrbibliothek, die pro Jahr insgesamt über 8,6 Millionen Medien an 250.000 Menschen entleihen.

Die Fahrbibliothek ist mobil und flexibel. Sie kann mit ihrem Fahrplan auf Veränderungen in der Bevölkerungs- oder Infrastruktur schnell reagieren, Haltepunkte können kurzfristig hinzugefügt beziehungsweise eingestellt werden oder zunächst über eine Modifizierung der Haltezeit an eine größere oder kleinere Nachfrage angepasst werden. Fahrbibliotheken können Literaturversorgung in Regionen mit schwacher Infrastruktur gewährleisten. Dort dienen sie auch als soziale Treffpunkte für die Menschen im Dorf. Fahrbibliotheken können diverse lokale Feste durch ihre Anwesenheit und ihr Medienangebot bereichern. Fahrbibliotheken ermöglichen Schulkindern den regelmäßigen Besuch einer Bibliothek. Oft ist der Besuch der Fahrbibliothek fester Bestandteil des Unterrichts. Vorrangige Zielgruppen sind auf dem Lande und vergleichbar in der Stadt Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind beziehungsweise der Leseförderung bedürfen: Kinder- und Jugendliche, Mütter oder Väter mit Kleinkindern, Senioren und Flüchtlinge. Eine Kooperation mit entsprechenden Institutionen wie Kindergarten, Grundschule und weiterführender Schule ist dabei unverzichtbar und gehört zu den Kernaufgaben einer Fahrbibliothek. Mobile Bibliotheken werden in Zukunft eine wichtige Rolle zur Angebotsverbesserung in den ländlich strukturierten Regionen und in Großstädten haben, nicht zuletzt auch durch umweltschonende Antriebe der Fahrzeuge. Der Prototyp eines E-Bücherbusses wird in Hannover vorgestellt.