HAT 2022

HANNAH ARENDT TAGE beschäftigen sich mit Autokratie und Demokratie

In vielen Teilen der Welt, auch der Europäischen Union, ist die Demokratie bedroht. Welche Rahmenbedingungen sind erforderlich, damit liberale Demokratien im Wettstreit der Systeme Autokratie versus Demokratie gestärkt werden können? Diese Frage wollen die diesjährigen HANNAH ARENDT TAGE (HAT) beantworten, die vom 11. bis zum 15. Oktober stattfinden.

Stellten das Programm der HANNAH ARENDT TAGE 2022 vor: Jürgen Kuri (stellvertretender Chefredakteur heise online, Kooperationspartner der HANNAH ARENDT TAGE), Oberbürgermeister Belit Onay (Vorsitzender des Kuratoriums der HANNAH ARENDT TAGE), Prof. Franziska Martinsen (Universität Duisburg-Essen, Mitglied des Kuratoriums der HAT), Franziska Stünkel (Regisseurin), Eliah Sakakushev von Bismarck (Direktor der Villa Seligmann) und Dr. Georg Schütte (Generalsekretär der VolkswagenStiftung), 
 

„Das Thema der 25. HANNAH ARENDT TAGE ist aktueller denn je. Während für Hannah Arendt klar ist: ‚Der Sinn von Politik ist Freiheit‘, also Partizipation und Teilhabe, erleben wir gerade den Aufstieg des Gegenmodells, des Autoritarismus. Weltweit nimmt die Zahl der autokratisch geführten Staaten zu, liberale Demokratien, auch in Europa, geraten unter Druck“, stellt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay fest. „Was bereitet dieser Entwicklung den Weg, wie können wir autokratischen Tendenzen entschieden entgegentreten und wie können wir Menschen von Demokratie und demokratischer Beteiligung überzeugen? Darüber wollen wir mit Gästen aus Politik, Wissenschaft und Kultur diskutieren. Ich freue mich sehr, dass die Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments, Dr. Katarina Barley, die HANNAH ARENDT TAGE mit einem Vortrag über die Rechtsstaatlichkeit als einem Grundwert der EU eröffnen wird“, so Onay weiter.

Ausgewiesene Expert*innen zu Gast

Den Eröffnungsvortrag “Europäische Grundwerte: Ohne Rechtsstaatlichkeit keine Demokratie!“ hält Dr. Katarina Barley am 11. Oktober im Sprengel Museum Hannover. Die Politikerin will unter anderem die Frage thematisieren, welche Maßnahmen einer Erosion der Rechtsstaatlichkeit in der EU entgegenwirken können. Barley ist seit 1994 Mitglied der SPD, von 2013 bis 2019 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages, 2017/18 Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und zudem kommissarische Leiterin des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales. 2018/19 war sie Bundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz. Seit 2019 ist sie Mitglied und Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments.

Aufbruch aus Unterdrückung und Repression: Kultur und Wissenschaft in autoritären Systemen“ ist das Thema der Podiumsdiskussion in der Kestner Gesellschaft. Prof. Dr. Olga Shparaga, Philosophin und Sozialwissenschaftlerin aus Minsk und Wien, Thorsten Benner, Direktor des Berliner Global Public Policy Institute (GPPi) in Berlin und Dr. Daniel Gad, Kulturpolitikforscher und Geschäftsführer des UNESCO-Lehrstuhls Cultural Policy for the Arts in Development an der Universität Hildesheim, diskutieren, wie liberal-demokratische Haltungen gegen autoritäre Regierungen gestärkt werden können, ob es in Wissenschaft und Kultur Hoffnung auf einen Aufbruch aus Unterdrückung und Repression gibt, und wie man verfolgten Wissenschaftler*innen und Künstler*innen neue Perspektiven eröffnen kann.

HAT in der Schule

Ergebnisse von Kooperationsprojekten mit zwei hannoverschen Schulen sind im Rahmen der HANNAH ARENDT TAGE 2022 zu sehen. Bereits am 6. Oktober findet in der Zentralbibliothek die Eröffnung der Ausstellung „Hannah und die Macht“ statt. Dafür setzten sich Schüler*innen des Kunstkurses der Helene-Lange-Schule mit dem diesjährigen HAT-Thema auf innovative Weise auseinander. In einem Graphic-Novel-Workshop näherten sie sich dem Werk Hannah Arendts und fragten nach ihrem Verständnis von Autokratie, Macht und politischer Freiheit, um Bezüge zum aktuellen Weltgeschehen herzustellen. So entstand eine Graphic Novel „Hannah und die Macht“ unter der Leitung des Comiczeichners Timo Stoffregen. Die Ausstellung dokumentiert den gedanklichen und künstlerischen Prozess und zeigt die Graphic Novel.

YELLOWPOST lautet der Name des Schüler*innen-Blogs an der IGS Roderbruch, eines der ersten Schülerblogs im deutschsprachigen Raum, mit großer Reichweite und Zugriff aus der ganzen Welt. Die Schüler*innen-Redaktion aus dem Jahrgang 11 geht nun der Frage nach dem Wert politischer Freiheit nach und begleitet die HANNAH ARENDT TAGE 2022. Die Textbeiträge sowie Interviews zum Themenkomplex Autokratien werden unter dem externen Link https://yellowpost.blog zu finden sein. Zusätzlich posten die IGS-Schüler*innen Beiträge auf dem Instagram-Kanal der IGS Roderbruch (externer Link)

Hannah Arendts Geburtstag im KoKi

Ein weiterer Programmpunkt der HAT 2022 ist der Film „Nahschuss“ von Franziska Stünkel. Die hannoversche Filmemacherin hat sich des Unrechtsregimes und der Vollstreckung der Todesstrafe in der DDR angenommen und einen Film dazu gedreht. Stünkels eindringlicher Streifen über einen Überlebenskampf gegen ein erbarmungsloses System läuft am 14. Oktober um 18 Uhr im Kino im Künstlerhaus (KoKi). Ein Zeitzeugengespräch rundet den Abend ab.

Am Vormittag des gleichen Tages findet ein tolles Angebot des KoKi in Kooperation mit dem Medienzentrum der Region Hannover für alle Schulen in Stadt und Region statt. Schüler*innen der Klassen 9 bis 13 sind herzlich eingeladen, nicht nur den Film „Nahschuss“ zu sehen, sondern auch mit der Regisseurin und Peter Keup, Historiker und DDR-Zeitzeuge, ins Gespräch zu kommen. Der Eintritt ist im Rahmen der HAT frei. Anmeldung bis spätestens zwei Wochen vorher bei stefan.lange@mpz-hannover.de, 0511-989 68 25.

Alle Details zu diesen und weiteren Programmpunkten, zum Beispiel einem Salongespräch in der Villa Seligmann oder einer Podiumsdiskussion unter anderem mit Jürgen Trittin und Marina Weisband im Schloss Herrenhausen, gibt es im beigefügten Flyer.

Informationen zur Anmeldung

Anmeldungen sind noch bis zum 5. Oktober per E-Mail an hat@hannover-stadt.de möglich.

Stimmen der Kooperationspartner*innen

Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen, Förderin der HANNAH ARENDT TAGE 2022: „Die aktuellen Krisen fordern unsere Gesellschaft und zeigen, wie verletzlich und brüchig Demokratien sind. Wie können wir sie schützen vor totalitären Einflüssen und autokratischen Bestrebungen? Es braucht mutige, freie Bürger*innen, die sich an gesellschaftlichen Prozessen beteiligen. Die HANNAH ARENDT TAGE in Hannover laden dazu ein, vom Denken in den Diskurs und ins gemeinsame Handeln zu kommen. Dieses Engagement ist wichtiger denn je, und als Kulturstiftung stehen wir 2022 gerne an der Seite der 25. HANNAH ARENDT TAGE.“

Dr. Georg Schütte, Generalsekretär der VolkswagenStiftung, Kooperationspartnerin der HANNAH ARENDT TAGE: „Für uns als wissenschaftsfördernde Institution ist Hannah Arendts Lebenslauf Mahnung und Ansporn, die Freiheit der Wissenschaft zu sichern und gegen autokratische Regimes zu verteidigen. Deshalb unterstützt die Stiftung gezielt Forschende, die in ihrer Freiheit bedroht sind, und fördert Projekte sowie Personen, durch die die Wissenschaftsfreiheit verteidigt und gestärkt wird.“

Jürgen Kuri, stellvertretender Chefredakteur heise online, Kooperationspartner der HANNAH ARENDT TAGE: „Wir freuen uns als Medienhaus aus Hannover natürlich, mit den 25. HANNAH ARENDT TAGEN zu kooperieren - und besonders, da uns das diesjährige Thema unter mehreren Aspekten ständig beschäftigt. Schließlich müssen wir uns tagtäglich mit Fake News, digitalen Propagandakampagnen und gefälschten Nachrichten herumschlagen, die autoritäre Systeme zur Unterwanderung von Demokratien einsetzen. Dazu kommen die technischen Mittel, die Autokratien heute zur Verfügung stehen und in nie gekanntem Ausmaß Kontrolle, Überwachung und Zurichtung ermöglichen. Daher freuen wir uns noch einmal besonders, Sie im Rahmen der Hannah-Arendt-Tage am 13. Oktober im Medienhaus Heise zu begrüßen. Das Thema "Digitale Vermessung des Menschen", dem sich Prof. Dr. Simon Hegelich widmet, ist für uns bei heise online beileibe nicht nur Schreckgespenst, sondern Anlass zur Analyse und zur Information. Die Vorstellung, dass sich menschliches Handeln, Identität und letzten Endes der Wert eines Menschen aus seinen Daten und mittels Künstlicher Intelligenz vorhersagen lassen, kombiniert naiven Technik-Optimismus mit Blindheit gegenüber totalitären Bestrebungen.“

Hintergrund

Die HANNAH ARENDT TAGE sind eine Veranstaltung der Landeshauptstadt Hannover und werden 2022 durch die Stiftung Niedersachsen gefördert. Die Kooperationspartner in diesem Jahr sind die VolkswagenStiftung und heise online.