Solidarische Landwirtschaft

Hannover startet das Projekt "Ökomodellregion Hannover"

Für mehr Bio in und um Hannover: Die Landeshauptstadt Hannover ist neue "Ökomodellregion". Das vom Land Niedersachsen ausgeschriebene Pilot-Projekt hat das Ziel, den Anteil der ökologisch wirtschaftenden Betriebe zu erhöhen. Am Kronsberg entsteht im Herbst auf stadteigenen Flächen ein Acker, dessen Erträge über eine solidarische Landwirtschaft vermarktet werden – in unmittelbarer Nachbarschaft zum geplanten Wohngebiet "ecovillage".  

Ulrich Prote (Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün) und Martin Ingelmann von der NaturGärtnerei Ingelmann. 

Am Kronsberg entsteht im Herbst dieses Jahres ein ökologisch bewirtschafteter Acker auf stadteigenen Flächen. Neu-Pächter Martin Ingelmann von der NaturGärtnerei Ingelmann wird das dort wachsende Obst und Gemüse über eine "solidarische Landwirtschaft" vermarkten. Eine solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) ist ein Zusammenschluss von einem landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Gruppe von Konsument*innen zu einer Wirtschaftsgemeinschaft. Dieses Vorhaben wird direkt neben dem geplanten modellhaften Wohngebiet "ecovillage" verwirklicht und reiht sich somit ein in die derzeitigen innovativen Entwicklungen des Kronsberg-Areals. Es ist zudem ein Bestandteil des jetzt startenden Projekts "Ökomodellregion Hannover". Dessen zentrales Ziel ist es, Landwirt*innen in und um Hannover zu ermutigen, auf ökologische Anbauprinzipien umzustellen. Die Landeshauptstadt Hannover wird bei dem Projekt durch das Land Niedersachsen bis November 2022 mit bis zu 60.000 Euro im Jahr gefördert.

"Ökomodellregion" soll der Stadtbevölkerung die Landwirtschaft wieder näherbringen

"Mit der 'Ökomodellregion' möchten wir der Stadtbevölkerung die Landwirtschaft wieder näherbringen, für ökoregionale Ernährung werben und landwirtschaftlichen Bio-Betrieben Anreize bieten", betont Ulrich Prote, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün. "Die neu entstehende SoLaWi am Kronsberg verkörpert einige Ziele der 'Ökomodellregion'. Deshalb ist es besonders passend, dass wir beide Vorhaben nun zeitgleich verkünden können. Wir freuen uns darüber hinaus, dass wir in der NaturGärtnerei Ingelmann einen engagierten Betrieb für die ökologische Bewirtschaftung des Ackers neben dem künftigen 'ecovillage' gefunden haben. Diese Nachbarschaft passt optimal."

SoLaWi mit Standortvorteil

Auf der durch die NaturGärtnerei Ingelmann gepachteten zwei Hektar großen Ackerfläche soll ab Oktober Obst und Gemüse wachsen. Die Vermarktung über eine SoLaWi läuft wie folgt: Alle Mitglieder zahlen einen festen Monatsbeitrag und erhalten dafür einen Ernte-Anteil, der je nach Ernteerfolg und Jahreszeit unterschiedlich üppig ausfällt. Die Kooperation garantiert dem Betrieb die wirtschaftliche Existenzsicherung. Die Mitglieder erhalten im Gegenzug hochwertige Produkte aus fairer Regionalvermarktung.

Eine SoLaWi besteht jedoch nicht nur aus der wirtschaftlichen Kooperation, sie lädt auch zur Partizipation der Konsument*innen ein. Durch die unmittelbare Nähe der neuen Flächen zur "ecovillage" soll diesem Aspekt nun eine besondere Bedeutung zukommen, weil die Zielgruppen sehr ähnlich sind. "Durch die Mitarbeit in der Gärtnerei wird den Konsument*innen ermöglicht, mit den eigenen Händen zu erfahren, woher ihr Gemüse stammt und welche Arbeit dahintersteht. Dies ist ein Aspekt, welcher in Zeiten der zunehmenden Entfremdung zwischen Städter*innen und der Landwirtschaft eine besondere Bedeutung bekommt", erläutert Ulrich Prote.

Die bereits bestehende SoLaWi Hannover, welche von der NaturGärtnerei beliefert wird, hat derzeit noch Plätze frei (zur Website)

Ökomodellregion ergänzt Agrikulturprogramm

Die Landeshauptstadt darf sich nun "Ökomodellregion Hannover" nennen. Unter dem Slogan "Urbanität als Chance: Ökolandbau und Kulturlandschaft profitieren" wird sie sich für mehr ökologische Landwirtschaft in und um Hannover einsetzen. Das Projekt ergänzt das 2017 vom Rat beschlossene Agrikulturprogramm, welches sich umfassend mit den Themen Ernährung und Landwirtschaft in der Stadt beschäftigt. Eines der Ziele ist dabei die Förderung von umweltschonenden und ökologischen Bewirtschaftungsformen.

Die mit der Ökomodellregion beabsichtigte Ausweitung des Ökolandbaus ist eng verzahnt mit der Förderung regionaler Vermarktung, die dank der Stadtnähe gute Bedingungen vorfindet. Auch die Landschaftsentwicklung wird stark von den bestehenden landwirtschaftlichen Systemen geprägt. Die Entwicklungsziele "Landschaftsgerechte Bewirtschaftung", "Regionale Vermarktung" und "Förderung von Ökolandbau" sind deshalb als zusammengehöriger Komplex zu betrachten.

Auf stadteigenen Flächen werden ökologisch wirtschaftende Betriebe bei der Neuvergabe von Pachtverträgen bevorzugt, sodass hier ganz konkret der ökologisch bewirtschaftete Flächenanteil erhöht wird. Im weiteren Projektgebiet muss dagegen auf weiche, qualitative Faktoren gesetzt werden.

Die Unterstützung der regionalen Vermarktung ist einer der wichtigsten kommunalen Handlungsansätze, um das Ziel Erhaltung und Ökologisierung der Landwirtschaft im urbanen Ballungsraum zu erreichen. "Um Betriebe in ihrer Existenz zu sichern und bei einer Ausrichtung auf regionale Produktion zu unterstützen, müssen Vermarktungswege in die Stadt geebnet werden. Auch die Verbraucher*innen spielen eine wichtige Rolle, denn sie entscheiden durch ihre Kaufentscheidungen letztlich, welche Landwirtschaft wir in unserer Umgebung wollen. Der Erhalt und die Wiederherstellung der Kulturlandschaft lässt sich nur nach dem Motto 'Pflege durch Nutzung' durch die Arbeit der Landwirt*innen umsetzen", unterstreicht Fachbereichsleiter Ulrich Prote. Eine umfassende Bildungsarbeit rund um das Thema Ernährung und landwirtschaftliche Produktion sei notwendig, um verantwortungsvolle Kaufentscheidungen zu fördern.

Über die Ökomodellregion Hannover

Die Ökomodellregion Hannover hat ihren Schwerpunkt innerhalb der Landeshauptstadt Hannover und orientiert sich insgesamt an einem Radius von rund 100 Kilometern um die Stadt. Der Handlungsfokus liegt auf der Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit. Konkret soll etwa über regionale Biobetriebe informiert und die neu entstehende solidarische Landwirtschaft Kronsberg kommunikativ begleitet werden. Zudem ist geplant, weitere Erzeuger*innen-Verbraucher*innen-Kooperationen und Möglichkeiten des Mitgärtnerns von Stadtbewohner*innen zu initiieren und zu fördern. Die angestrebte Vernetzungsaufgabe bezieht sich auch auf das Zusammenbringen von Akteur*innen der Regionalvermarktung. Dazu gehören etwa der Ernährungsrat, landwirtschaftliche Betriebe, Verarbeitungsbetriebe, Supermärkte und Verbände.