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Stadtfriedhof Ricklingen

Kinder-Gedenk-Ort: Gemeinde übernimmt Skulptur

Die Skulptur des Kinder-Gedenk-Ortes hat seit vier Jahren ihren festen Platz in der Abteilung 32 des Stadtfriedhofs Ricklingen. Vor Auflösung des Vereins "Kinder-Gedenk-Ort Ricklingen e. V." wird die Skulptur offiziell an die evangelische Michaelisgemeinde Ricklingen als neue Eigentümerin übergeben. Den Überlassungsvertrag dazu haben Ulrich Prote, Leiter des städtischen Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, sowie die Pastorin Marlies Ahlers am 27. Juli 2020 unterzeichnet.

Fünf Personen stehen bei einer Skulptur auf einem Friedhof © LHH

Susanne Sauer-Andreae, Hanna Dallmeier, Marlies Ahlers, Ulrich Prote und Andreas Markurth (v. l.)

Initiatorin des Projektes ist die Vorsitzende des Vereins "Kinder-Gedenk-Ort Ricklingen e. V.", Pastorin Hanna Dallmeier. Bereits im Jahr 2011 hatte sich Pastorin Dallmeier zusammen mit Bezirksbürgermeister Andreas Markurth für die Einrichtung eines Kindergräberfeldes und einer Gedenkstätte für verstorbene Kinder in Ricklingen eingesetzt. Am 11. Mai 2016 wurde die Gedenkstätte eingeweiht. Nun hat der Verein seine Aufgabe abgeschlossen und schenkt die Skulptur in einem offiziellen Akt der evangelischen Michaelisgemeinde Ricklingen, bevor er sich offiziell auflösen wird. Die Skulptur des Bildhauers Werner Sauer wird an ihrem heutigen Ort am Kindergräberfeld bleiben.

Realisierung durch Spenden

Das Kunstwerk verleiht dem Kindergräberfeld eine besondere Würde. Fünf Jahre lang hatte der extra zu diesem Zweck gegründete Verein gebraucht, um mit Hilfe eines Wettbewerbs die geeignete Plastik und das nötige Geld zu finden. Viele Menschen aus den evangelischen und katholischen Kirchen Ricklingens und aus der Lokalpolitik hatten sich damals engagiert, um durch Spenden den Erwerb und das Errichten der Skulptur möglich zu machen.

In diesem Sommer konnte der Verein nun den Stein, der sich nach wie vor in seinem Eigentum befand, durch eine Schenkung an die Michaelisgemeinde Ricklingen übergeben, die ihn ihrerseits der Stadt zur Nutzung überlässt. Die Gemeinde hat sich zugleich verpflichtet, den Stein auf den gemeindeeigenen Michaelisfriedhof zu übernehmen, sollte er auf dem städtischen Friedhof eines Tages keinen Ort mehr haben. "Auf diese Weise können wir sicher sein, dass diese Skulptur, die der Trauer um verstorbene Kinder einen würdigen Ausdruck verleiht, auch in Zukunft öffentlich zugänglich sein wird. Das war auch der Witwe des im letzten Jahr verstorbenen Künstlers besonders wichtig", erläutert die Vorsitzende des Vereins "Kinder-Gedenk-Ort e. V.“" Pastorin Hanna Dallmeier. Auch Susanne Sauer-Andreae, die Witwe des Künstlers, war bei der Unterzeichnung des Überlassungsvertrags anwesend.

Bedeutung der Skulptur

Die Form des Steins beschreibt Dallmeier so: "Die Skulptur mit ihrer abstrakten Form gibt immer neu zu denken: Sie ist schwer, so wie der Tod eines Kindes ein schwerer Schicksalsschlag ist. Zugleich scheint sie über dem Boden zu schweben, sie berührt ihn nur an wenigen Stellen. Und der Stein sieht aus, als würde er atmen: Er geht auf und zu, wie eine Gebärende atmet oder wie ein Trauernder schluchzt. Und der Stein ist ganz glatt, er lädt zum Berühren ein, immer wieder – Berührung gibt Trost. So ist man mit dieser Skulptur nie fertig, wie man auch mit dem Tod eines Kindes wohl nie ganz fertig ist."

Gedenkorte für verstorbene Kinder in Hannover

Für Hannover ist dies der zweite Gedenkort für verstorbene Kinder. Bereits 2005 wurde auf dem Stadtfriedhof Stöcken die "Kindergedenkstätte" eingeweiht, die sowohl zur Bestattung von verstorbenen Säuglingen sowie von Tot- und Ungeborenen in einem speziellen Gräberfeld dient, wie auch dem Gedenken an verstorbene Kinder, für die es keinen Bestattungs- oder Trauerort (mehr) gibt. Ein weiteres Kindergräberfeld gibt es seit 1998 auf dem Stadtfriedhof Seelhorst, ein neues Gräberfeld ist für den Stadtfriedhof Lahe in Planung. Darüber hinaus können verstorbene Kinder jeden Alters auf allen städtischen Friedhöfen in Reihen- oder Wahlgräbern beigesetzt werden.