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Hiroshima-Tag 2020

Mahnendes Läuten, stilles Gedenken und eine Botschaft für Morgen

75 Jahre sind vergangen seit dem Atombombenabwurf auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki. Wie jedes Jahr hat die Stadt Hannover am 6. August der Opfer des Bombenabwurfs gedacht. 

Oberbürgermeister Onay schlägt die Friedensglocke in der Aegidienkirche an. © Thomas Damm

Oberbürgermeister Belit Onay schlägt die von Hiroshima gestiftete Friedensglocke an. Links Generalkonsulin Kikuko Kato, rechts Stadtsuperintendent Thomas Höflich.

In Hiroshima kamen rund 100.000 Menschen unmittelbar durch die Explosion ums Leben. Bis heute leiden viele Einwohner*innen an Krebs, als Langzeitfolge der Strahlung. 

Der Gedenktag in der Aegidienkirche, die heute als Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt dient, begann mit den einleitenden Worten von Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay und Superintendent Thomas Höflich zu dem Geschehen vor 75 Jahren. Um 8:15 Uhr, der Zeit der Detonation, hat der Oberbürgermeister die von Hiroshima gestiftete Friedensglocke angeschlagen. Damit erneuerte die Landeshauptstadt ihr Versprechen, alles zu tun, damit Katastrophen wie in Hiroshima und Nagasaki nicht wieder geschehen.

OB Onay: "Hannover ist in hohem Maße verpflichtet, sich für Abrüstung und Frieden einzusetzen"

"Als Partnerstadt Hiroshimas und Mitglied des 1982 gegründeten, weltweiten Bündnisses der Mayors for Peace ist Hannover in hohem Maße verpflichtet, sich für Abrüstung und Frieden einzusetzen. Die Bürgermeister*innen für den Frieden sind heute gleichsam die größte, kommunale Friedensbewegung – verbunden durch das Ziel: Global Zero – eine Welt ohne Atomwaffen", sagte Belit Onay in seinem Grußwort und versprach: "Ich werde mich für dieses Ziel im Rahmen meiner Arbeit für die Mayors for Peace mit aller Kraft einsetzen. Das gilt ganz besonders in Zeiten, in denen Nationalismus und Ausgrenzung – allen Lehren aus der Geschichte zum Trotz – weltweit zunehmen und eine friedliche Ordnung infrage stellen. Denn neben dem Klimawandel gehört die atomare Bedrohung zu den größten Gefahren für die Menschheit."

Danach sprach Stadtsuperintendent Thomas Höflich. Er appellierte an die Menschen, dass sie Frieden wieder lernen müssen, und dass das ein harter und geduldiger Prozess sei. Dazu griff er auf die Bibelstellen Micha 4, 1-4 zurück, in denen das Bildnis des Friedens benannt wird. „Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen machen und ihre Spieße zu Sicheln. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen“.

Papierkraniche symbolisieren den Frieden

Zum festen Programm der Gedenkfeier gehören auch die 1000 gefalteten Papierkraniche, die von Vertreter*innen des Christlichen Vereins Junger Menschen Hannover (CVJM) am Altar der Aegidienkirche abgelegt werden. Jedes Jahr werden die Kraniche von Jugendlichen aus Deutschland und anderen Ländern gebastelt, um daran zu erinnern, wie wichtig es ist, für den Frieden einzutreten und die Erinnerung wach zu halten. Stilles Gedenken und die traditionelle Trauer-Teezeremonie, geleitet von der Kulturbotschafterin der Stadt Hiroshima und Teemeisterin Hiroyo Nakamoto, schlossen die Gedenkfeier ab.

Ab 15 Uhr wurde die Aegidienkirche zu einem Ort der Stille, des Gebets und der Meditation für den Frieden. Mit einer multireligiösen Friedensandacht endete der Tag an diesem Gedenkort.

Japanische Generalkonsulin wohnte dem Gedenktag bei

Unter den Gästen der nichtöffentlichen Veranstaltung war auch die japanische Generalkonsulin Kikuko Kato. Im Anschluss an die Gedenkfeier empfing der Oberbürgermeister die Generalkonsulin im Neuen Rathaus zum offiziellen Antrittsbesuch. Im Mittelpunkt des Gesprächs stand das bevorstehende Jubiläumsjahr zur 160-jährigen Freundschaft zwischen Japan und Deutschland. Der Oberbürgermeister sprach auch die geplante Hiroshima-Reise der Ratsmitglieder an, die dieses Jahr Corona-bedingt abgesagt werden musste und voraussichtlich auf das Jahr 2023 verschoben wird. Im Jahr 2023 feiern Hiroshima und Hannover das 40. Jubiläumsjahr ihrer Städtepartnerschaft.

Zeitzeugenberichte Überlebender der Atombombenabwürfe

Den Abschluss des Hiroshima-Tages bildete die Veranstaltung „Botschaft für Morgen“ des Deutsch-Japanischen Freundschaftskreises im Maschpark auf der Rückseite des Neuen Rathauses. Im Mittelpunkt standen Zeitzeugenberichte Überlebender der Atombombenabwürfe. Bürgermeister Thomas Herrmann: „Die Überlebenden des Atombombenabwurfs auf Hiroshima und Nagasaki sind die ersten und bislang die einzigen Menschen, die die Schrecken eines Atomkrieges erlebt haben. An den Folgen leiden die Überlebenden noch immer. Ihre Berichte sind uns Zeugnis und Verpflichtung zugleich. Wir sind aufgerufen, der Botschaft der Hibakusha zuzuhören. Und letztlich ihren Appell, dass niemand jemals wieder so leiden sollte wie sie, ernsthaft umzusetzen und Atomwaffen endgültig zu ächten.“

Der Tag endete mit dem Aussetzen von Lampions auf dem Maschteich zu einem Musikstück des World Choir for Peace. Bei dieser Zeremonie werden die Toten erinnert, betrauert und verabschiedet. Die Lichter wirkten in der Dunkelheit besonders eindrucksvoll und mahnten die Gäste: „No more Hiroshima – No more Nagasaki!“

Kunstvolles Gedenk-Video

Eine besondere Gedenk-Aktion aus England zeigte, dass man auch in Zeiten der Corona-Pandemie auf ungewöhnliche Weise an die Katastrophen von Hiroshima und Nagasaki erinnern kann. Unter dem Titel „Peace, Art, Music“ haben Künstler*innen ein Video produziert, das sehr eindringlich mahnt, Frieden zu bewahren und zu machen. Das Video kann auf YouTube angesehen werden.

Die Ansprachen im Wortlaut

Die Ansprachen von Oberbürgermeister Onay, Stadtsuperintendent Höflich und Bürgermeister Hermann finden Sie hier:

Die Bürgermeister von Hiroshima und Nagasaki haben jeweils eine Peace Declaration zu den Gedenktagen veröffentlicht: