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Eine grün bewachsene Mergelgrube von oben. © LHH

Die Mergelgrube in Misburg ist heute ein nachhaltiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. 

UN-Dekade Biologische Vielfalt

Mergelgrube erneut ausgezeichnet

Das Projekt "Sekundäre Natur in der Mergelgrube Misburg" der Landeshauptstadt Hannover kann sich für zwei weitere Jahre über die Auszeichnung als "Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt" freuen. Nachdem der Titel im Jahr 2018 erstmals an das Projekt verliehen wurde, war nun eine Wiederbewerbung erfolgreich.

Vier Personen vor einem Schild. © LHH

Nahmen die Auszeichnung entgegen (von links nach rechts): Falk Eckhardt (Nabu Niedersachsen), Ulrich Prote (Leiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün), Bezirksbürgermeister Klaus Dickneite und Günter Wendland (Untere Naturschutzbehörde der Region Hannover). 

Weiterführung des Projektes seit der ersten Auszeichnung 2018

Um die wertvollen Lebensräume in der Mergelgrube HPC I weiter und nachhaltig zu sichern, ist die Landeshauptstadt Hannover eine neue Kooperation mit dem NABU Niedersachsen eingegangen. Bis 2026 sollen, im Rahmen des EU-LIFE-Projektes BOVAR, neue Kleingewässer für den gefährdeten Kammmolch angelegt und Pflegemaßnahmen zum Erhalt der wertvollen offenen Mergelbereiche durchgeführt werden. In den ersten beiden Projektjahren 2018 und 2019 wurde zunächst mit einem Monitoring der Amphibienpopulation im Gebiet begonnen. Basierend auf diesen Erkenntnissen sollen, ab Herbst 2020, die ersten Maßnahmen umgesetzt werden. Es sollen Teilflächen von Büschen befreit und neue Kleingewässer angelegt werden. Aus den anfallenden Gehölzresten sollen zusätzliche Versteckplätze und geeignete Winterquartiere für die Amphibien angelegt werden. "Die Zusammenarbeit mit dem NABU ermöglicht einen noch umfangreicheren Schutz der biologischen Vielfalt in dem Gebiet, weil die bisherigen Naturschutzmaßnahmen der Landeshauptstadt Hannover sinnvoll ergänzt werden", betonte Ulrich Prote, Leiter des Fachbereichs Umwelt und Stadtgrün, im Rahmen eines Pressetermins am 31. Juli.

Tafel informiert über Entwicklung

Im Jahr 2019 wurde zudem eine Informationstafel über die Mergelgrube an der Aussichtskanzel installiert. Die Tafel informiert über die "Entstehungsgeschichte vom Mergelabbau zum Naturschutzgebiet" und gibt Aufschluss über den Wert der biologischen Vielfalt im Gebiet. Damit ergänzt die Tafel den bereits vorhandenen Informationsflyer über die Mergelgrube und ermöglicht eine noch bessere Wissensvermittlung vor Ort. Diese zusätzlichen Aktivitäten fanden nun, mit der Wiederauszeichnung als "Projekt der UN-Dekade biologische Vielfalt", eine bundesweite Anerkennung. Wenn die Corona-Lage es wieder zulässt, sollen spätestens im kommenden Jahr im Rahmen des Führungsprogramms "Grünes Hannover" weitere Führungen angeboten werden.

Hintergrund: HPC I - vom Mergelabbau zum Naturschutzgebiet

Seit 1970 wird in der Mergelgrube "Hannover Portland Cement I" (HPC I) kein Mergelabbau mehr betrieben. Dennoch laufen noch heute die Pumpen, die eine Flutung der Grube durch das Grundwasser verhindern sollen - und das mit großem Erfolg: In Zusammenarbeit der Landeshauptstadt Hannover und der Zementindustrie wurde aus der ehemaligen Mergelabbaugrube ein einzigartiger Lebensraum geschaffen und der Erhalt dauerhaft gesichert. Die Mergelgrube HPC I stellt heute besonderes ökologisches Refugium in Hannover dar. Bisherige Kartierungen belegen das Vorkommen von etwa 180 unterschiedlichen Pflanzenarten. Viele Arten davon sind gefährdet, so zum Beispiel mehrere Orchideenarten wie das "Fleischfarbene Knabenkraut" oder die "Echte Sumpfwurz". Auch für die Tierwelt bietet die Mergelgrube wertvolle Lebensräume. Bei den Amphibien ist das Vorkommen des gefährdeten Kammmolches, bei den Vögeln ist der Bruterfolg des Uhus einer besonderen Erwähnung wert. Diese Artenvielfalt in der HPC I ist aber nicht nur dem fortlaufenden Abpumpen des Wassers zu verdanken, sondern auch den vielen Naturschutzmaßnahmen. Besonders wichtig sind dabei die fortwährenden Pflegemaßnahmen auf der Grubensohle, um insbesondere dem Aufwachsen von Gehölzen entgegenzuwirken. Die Besonderheit der Mergelgrube HPC I hat im Jahr 2016 zur Unterschutzstellung als Naturschutzgebiet geführt. Zudem genießt sie den Schutz der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie (FFH-Gebiet) und ist Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes Natura 2000.

Die "UN-Dekade Biologische Vielfalt 2011–2020"

Die deutsche "UN-Dekade Biologische Vielfalt" startete offiziell am 8. November 2011. Sie wird im Auftrag von und in enger Zusammenarbeit mit dem Bundesumweltministerium (BMU) und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) von der Geschäftsstelle der UN-Dekade umgesetzt. Zentrales Instrument ist der Wettbewerb für UN-Dekade-Projekte. Gute Beispiele sollen als Vorbild dienen. Aus diesem Grund zeichnet die UN-Dekade Projekte aus, die sich in besonderer Weise für den Erhalt der biologischen Vielfalt einsetzen. Die Auszeichnung wird für einen Zeitraum von zwei Jahren an Projekte verliehen. Voraussetzung für eine erfolgreiche Wiederauszeichnung ist, dass ein Projekt noch aktiv ist und positiv weiterentwickelt wurde.