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Festakt

Nordstadtbibliothek feiert 90-jähriges Bestehen

Die Nordstadtbibliothek feiert noch bis zum 9. November ihr 90-jähriges Bestehen mit Führungen, Veranstaltungen und einer Ausstellung. Zur Jubiläumsfeier am Mittwoch, den 8. November, wurde ein vielfältiges Programm geboten. 

Zwei Frauen an einem Tisch inmitten von Büchern. © LHH

Bücher sind ihr Leben: Dr. Carola Schelle-Wolff, Direktorin Stadtbibliothek Hannover, mit Nordstadtbibliotheksleiterin Daniela Wiesner. 

Die Begrüßung am 8. November erfolgte durch Bibliotheksdirektorin Dr. Carola Schelle-Wolff und Bezirksbürgermeisterin Edeltraut-Inge Geschke sowie die Bibliotheksleiterin Daniela Wiesner. Nach den Grußworten wurde das Jubiläum offiziell mit verschiedenen Führungen und Vorträgen gefeiert. Interessierten Besucherinnen und Besuchern präsentieren Gero Dompke und David von Nordstadt am 9. November um 19:30 Uhr außerdem eine Geburtstagslesegala unter dem Motto "Nordstädter Abend". 

Die Geschichte der Nordstadtbibliothek

Die heutige Nordstadtbibliothek wurde am 10. Januar 1927 in der Bürgerschule, Am Kleinen Felde 12, im 2. Obergeschoss eröffnet und war nur sehr beengt untergebracht. Als sogenannte Thekenbücherei bot sie ihre Bücher nicht frei zugänglich an. Leserinnen und Leser äußerten ihren Buchwunsch gegenüber der Bibliothekarin, die dann das gewünschte Buch aus einem Magazinraum holte. Der Buchbestand umfasste rund 8.000 Bücher. Geöffnet war nur dreimal in der Woche für jeweils zwei Stunden.

Bereits im Mai 1931 zog die Einrichtung in die neu errichtete Mädchenberufsschule, An der Lutherkirche 16, mit mehr Platz für Leihstelle, Magazin und Lesezimmer sowie weiteren Arbeits- und Nebenräumen. 1935 erhielt sie einen Kinderlesesaal mit Platz für 100 Kinder und eigener Kindergärtnerin. Kolportiert ist, dass die die damalige Leiterin Ilse Marie Tappert unerschrocken im Hinterzimmer weiterhin Bücher bereithielt, die nach 1933 verboten und aus den Volksbüchereien zu entfernen waren. Im Oktober 1943 und den folgenden Monaten erlitt die Bibliothek mehrere Bombenschäden, konnte aber ihren Betrieb weiterführen, bis sie Anfang 1945 durch Brandbomben völlig zerstört wurde.
Die Wiedereröffnung erfolgte erst am 25. Januar 1952 im wiederaufgebauten Schulgebäude an der Lutherkirche: Bahnbrechende Neuerung war, dass die Bibliothek nun keine reine Thekenbücherei mehr war, sondern Jugendliche und Erwachsene auch einen kleinen frei zugänglichen Buchbestand zum Ausleihen vorfanden. Diese sogenannte Freihandbibliothek war zu dieser Zeit modernstes Bibliotheksmanagement und in Hannover damals einmalig. Insgesamt besaß die Nordstadtbibliothek nur 5.400 Bücher. In den Folgejahren nahm die Benutzung allerdings so rapide zu, dass ein größeres Domizil benötigt wurde. 1956 zog die Bibliothek in ein neues Wohngebäude am Engelbosteler Damm, das bis heute die Nordstadtbibliothek beherbergt. Im Erdgeschoss wurden 400 Quadratmeter für Bibliothekszwecke ausgebaut, so dass alle 12.500 Bücher frei zugänglich und übersichtlich in Regalen aufgestellt werden konnten.
Im Jahr 2000 wurden öffentliche Internetplätze eingerichtet und Ende 2011 wurde die Bibliothek mit Selbstverbuchungsgeräten ausgestattet. Seitdem können die Nutzerinnen und Nutzer selbstständig Bücher ausleihen und zurückgeben. 2014 wurde die Nordstadtbibliothek saniert. Eine moderne Möblierung hat die Aufenthaltsqualität wesentlich verbessert, hier vor allem die Umgestaltung der Kinderbibliothek und die Modernisierung des Lese-Wintergartens. Seitdem steht auch ein öffentlicher WLAN-Zugang zur Verfügung. Der Eingang konnte ebenfalls heller und freundlicher gestaltet werden. Vor dem Eingang lädt ein in die Pflasterung eingelassener Schriftzug "LESEN" in die neuen Räume ein.

Aktuelle Fakten zur Nordstadtbibliothek

Das Buch- und Medienangebot umfasst zurzeit rund 25.000 Medien. Hierzu zählen Romane und Sachbücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene sowie ein großes Angebot an Spielfilmen auf DVD und Blu-Ray, Hörbücher und Konsolenspiele. 2016 wurden mehr als 60.000 BesucherInnen und 115.000 Entleihungen vor Ort gezählt. 
Schwerpunkte der Arbeit sind die Sprach- und Leseförderung. Eckpfeiler sind die Veranstaltungsreihe "Babys in der Bibliothek", die wöchentlichen Bilderbuchkinos für die Kinder aus dem Stadtteil, die Literaturvermittlungsangebote für Kitas und Schulen, die Bibliothekseinführungen für Klassen, die Jugendbuchwochen und zahlreiche Aktionen rund ums Buch für Grundschüler, Sommerlese und "JULIUS-Club“, Betreuung der "Rucksackmütter", Zusammenstellung von Bücherkisten oder Lektüren in Klassensatzstärke. Diese Veranstaltungen finden zum Teil auch außerhalb der normalen Öffnungszeiten statt.

Durch die zentrale Lage und die gute Verkehrsanbindung erreicht die Nordstadtbibliothek den ganzen Stadtbezirk Nord. Die Viel-falt aus alteingesessenen Bürgerinnen und Bürgern, jungen Familien, Senioren, Studenten und Migranten aus vielen verschiedenen Ländern sind eine Herausforderung an die Bibliotheksarbeit. Kundenservice, Flexibilität, interkulturelles Denken und Empathie sind daher wichtige Elemente. Neben der Kundenzufriedenheit ist es Ziel der Bibliothek, dass sie als Treffpunkt im Stadtteil genutzt wird. Mit den neu gestalteten Räumen konnte diesem Ziel nähergekommen werden. Eine gute Vernetzung im Stadtteil ist wichtig, um zu wissen, was "vor der Tür" passiert.  Die Mitarbeiterinnen nehmen monatlich am Sozialforum teil, arbeiten an der Gestaltung des Engelbosteler Damms in der "Dialogrunde E-Damm" mit und sammeln Erkenntnisse für die stadtteilnahe Bibliotheksarbeit durch die aktive Teilnahme an der Familienkonferenz/Mediennetz in der Nordstadt.