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Stadtfriedhof Stöcken

Projekt "Ökologische Nische Friedhof" gestartet

Um die Artenvielfalt zu fördern, hat der BUND Landesverband Niedersachsen gemeinsam mit der Landeshauptstadt Hannover ein neues Projekt ins Leben gerufen, das am 24. April auf dem Stadtfriedhof Stöcken gestartet ist. 

Menschen, die Samen auf ein Feld auswerfen. © BUND

Auf dem Stadtfriedhof Stöcken sollen in den nächsten drei Jahren 2.500 Quadratmeter blütenreicher Wildblumenwiesen angelegt werden.

Zur Eröffnung begrüßten Cordula Wächtler (Bereichsleiterin Städtische Friedhöfe im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün), Dr. Reinhard Löhmer (stellvertretender Vorstandsvorsitzender BUND Niedersachsen) und Karsten Behr (Geschäftsführer Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung) die Teilnehmenden aus Friedhofsteam und Naturschutzbegeisterten. Im Anschluss ging es auf eine Exkursion über den Friedhof, bei der die Lebensweise der Wildbienen und die Bedeutung von Friedhöfen für den Artenschutz entdeckt wurden. Gemeinsam mit dem Friedhofsteam und Ehrenamtlichen wurde im Anschluss eine blütenreiche Wildblumenwiese angesät und ökologisch wertvolle Mustergräber mit Wildstauden bepflanzt.

Städtischer Lebensraum für bedrohte Arten

Um die Artenvielfalt zu fördern hat der BUND das Projekt "Ökologische Nische Friedhof" ins Leben gerufen. Ziel ist es, in der Stadt Lebensraum für bedrohte Arten zu schaffen. Am Beispiel der Wildbienen wird gezeigt, welche Möglichkeiten für naturnahe Strukturen es auf Friedhöfen gibt. Vielfältige, blütenreiche Wildblumenwiese und ökologisch wertvolle Staudenbepflanzungen lassen sich nicht nur auf städtischen Grünflächen realisieren. Jeder Gartenbesitzer kann durch die Auswahl der richtigen Blütenpflanzen den gefährdeten Wildbienen und Schmetterlingen unter die Arme greifen und Lebensräume schaffen. Gefördert wird das Projekt durch die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung "Der Erhalt der Artenvielfalt ist eine zentrale Aufgabe und die Kommunen spielen dabei eine entscheidende Rolle", erklärte Jakob Grabow-Klucken vom BUND Niedersachsen. Friedhöfe bilden einen Großteil der städtischen Grünflächen. Eine naturnahe Umgestaltung von Teilflächen fördert Wildbienen, Schmetterlinge, Libellen ebenso wie Vögel, Fledermäuse und Kleinsäuger, damit leistet ein Friedhof einen Beitrag im Kampf gegen das Insektensterben.

Projekt trägt zum Erhalt der Biodiversität bei

Durch diese Änderung leisten die Friedhofsträger auch einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biodiversität. Für den Naturschutz eine willkommene Möglichkeit, im urbanen Raum ökologisch wertvolle Flächen zu schaffen und einen Beitrag für die Artenvielfalt zu leisten. Niedersachsenweit beteiligen sich vier große Friedhöfe am Projekt (Parkfriedhof Junkerberg in Göttingen mit 21 Hektar, Stadtfriedhof Stöcken in Hannover mit 55 Hektar, Waldfriedhof Lüneburg mit 24 Hektar und der Stadtfriedhof Braunschweig mit 10 Hektar). Ein jeder Friedhof kann durch Umgestaltung von Teilflächen Lebensräume schaffen. Wer ein Grab pflegt, hat es durch die gezielte Bepflanzung selbst in der Hand, etwas Gutes für Wildbiene und Co. zu tun. Durch das Projekt soll ein nachhaltiger Trend gesetzt werden, um Friedhöfe, Parkanlagen und Grünflächen zu langfristig ökologisch wertvollen Lebensräumen im urbanen Raum zu gestalten. Dieses Projekt bildet einen Baustein im Kampf gegen das Insektensterben – mit dem speziellen Fokus auf Wildbienen und urbane Grünflächen – und trägt so zum Erhalt der Biodiversität bei.

Wildbienenbestand in Niedersachsen gefährdet

In Niedersachsen kommen etwa 360 Wildbienenarten vor. Doch ihr Bestand ist massiv gefährdet. Zwei Drittel aller Arten stehen auf der Roten Liste und auch bei noch häufigen Arten sind Bestandsrückgänge feststellbar. Studien haben gezeigt, dass in den letzten 30 Jahren in Deutschland etwa 75 % der Insekten verschwunden sind. Die Intensivierung der Landwirtschaft mit Monokulturen wie Mais, dem Einsatz von Pestiziden und dem Verschwinden vielfältiger Strukturelemente und Landschaftsbestandteile machen ihnen das Leben schwer.

Wildblumenwiesen sind wertvolle Nahrungsquellen

Friedhöfe sind besonders vielseitige, mosaikartige Lebensräume mit einem ganzjährigen Angebot unterschiedlicher Blütenpflanzen, an denen Wildbienen und andere Insekten Nektar und Pollen sammeln können. Doch häufig werden überzüchtete, nektarlose und pollenfreie Blumen gepflanzt, die für Wildbienen wertlos sind. Auf einer vielfältigen, blütenreichen Wildblumenwiese finden Wildbienen wertvolle Pflanzen wie Flockenblume, Natternkopf und Hornklee, die auf intensiv gepflegten Rasen verloren gehen. Auf dem Stadtfriedhof Stöcken sollen in den nächsten drei Jahren 2.500 Quadratmeter blütenreicher Wildblumenwiesen angelegt werden.

Hintergrund

Friedhöfe spielen eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis und erfüllen eine wichtige Erholungsfunktion für viele Menschen. Gerade in Stadtgebieten kommt den Friedhöfen als Grünflächen auch eine wichtige Funktion für die Erholung der Bevölkerung zu. Aktuell machen zum Beispiel die Friedhöfe in der Landeshauptstadt Hannover etwa ein Drittel des öffentlichen Grüns aus. Sie sind aber auch ein wichtiger Rückzugsraum für Pflanzen und Tiere und bilden oft ökologisch wertvolle Inseln im urbanen Raum. Alte Friedhöfe mit alten Baumbeständen gehören zu den artenreichsten städtischen Bebauungstypen. Gerade in den Bereichen außerhalb der gepflegten Grabflächen kommt eine Vielzahl an wildwachsenden Farn- und Blütenpflanzen vor, von denen sogar etwa 10 Prozent als seltene oder gefährdete Arten auf der "Roten Liste" stehen. Für Insekten und insbesondere für Wildbienen bieten sie einen wichtigen Lebensraum. Mitunter kommen in der Stadt 50-90 Prozent der Wildbienenarten einer Region vor. Aufgrund der fortlaufenden Bautätigkeiten wird die Bedeutung von Friedhöfen als Rückzugsgebiet für die Natur wohl in Zukunft noch zunehmen.

Über den BUND

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) ist bundesweit mit mehr als 500.000 Mitgliedern, Spendern undb Förderern der größte Umweltverband Deutschlands. In Niedersachsen zählt der Verein rund 33.000 Mitglieder und Förderer. Der Verein ist vom Staat als Umwelt-/Naturschutzverband anerkannt. Der BUND versteht sich als die treibende gesellschaftliche Kraft für eine nachhaltige Entwicklung in Deutschland. Die Vision: ein zukunftsfähiges Land in einer zukunftsfähigen und friedfertigen Welt.