HANNOVER.DE | Das offizielle Portal der Region und der Landeshauptstadt Hannover

Zuletzt aktualisiert:

Biodiversität

Seltene Planzen wachsen in Hufabdrücken

Erste Erfolge beim Pflanzenartenhilfsprogramm am Benther Berg: Seltene Salzpflanzen gedeihen in den Hufabdrücken der Rinder.

Zwei Kühe auf einer Weide, rechts ein Landwirt © LHH

Landwirt Wilfried Otto mit zwei seiner Rinder

Die Grünlandbeweidung mit Rindern fördert die Biodiversität. Dies zeigt sich beispielsweise auf einer Weide in Badenstedt, wo sich in den vergangenen Jahren seltene Pflanzenarten wie das Große Flohkraut und die Salzbunge in den Hufabdrücken der Rinder angesiedelt haben. Hinsichtlich der Salzbunge hat Hannover in manchen Jahren eines der größten Vorkommen in ganz Norddeutschland.

Rinder pflegen die Grünfläche

Mit dem Beweidungsprojekt am Fuße des Benther Bergs in Badenstedt wird eine vor 20 Jahren aus einem Acker neu geschaffene Grünlandfläche durch eine extensive Beweidung mit Rindern gepflegt. Mit Wilfried Otto aus Lenthe hat der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün einen Landwirt gefunden, der mit Engagement die Landwirtschaft und den Naturschutz zusammenführt. Auf dem von ihm gepachteten Weideland nördlich der Lenther Chaussee sind mittlerweile nicht nur die Salzbunge und das Große Flohkraut heimisch, sondern auch der seltene Laubfrosch sowie weitere seltene Pflanzenarten wie das Kleine Tausendgüldenkraut.

Pflege durch Nutzung

Das wurde nur möglich durch das Prinzip „Pflege durch Nutzung“. Bei diesem Beweidungskonzept dürfen nicht zu viele Tiere zu lange auf der Weide grasen. Eine zusätzliche Düngung würde die seltenen, zierlichen und konkurrenzschwachen Pflanzenarten verdrängen und wird deshalb nicht durchgeführt. Vor der Beweidung durch die Rinder hatte der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün den vormals fetten Oberboden, mit einer Düngermenge von Jahrzehnten, abtragen lassen. Die Erfolge der Ansiedlung und Verbreitung der seltenen Pflanzenarten konnten sich nach 20 Jahren extensiver Beweidung einstellen.

„Mehr Natur in der Stadt“

Seit 2010 arbeitet der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover bereits nach einer lokalen Biodiversitätsstrategie, dem Programm „Mehr Natur in der Stadt“. Ziel ist es, die Naturpotenziale in der Stadt zu erhalten und – auch in der wachsenden Stadt – neuen Raum für Tiere und Pflanzen zu schaffen. Denn die Verbesserung der biologischen Vielfalt ist wichtig für die Menschen, gerade in einer Großstadt. Einen ersten Erfolg gab es 2011, als Hannover als „Bundeshauptstadt der Biologischen Vielfalt“ ausgezeichnet wurde.

Ein wichtiger Baustein der Biodiversitätsstrategie ist der Schutz besonders seltener, geschützter Pflanzenarten, das sogenannte „Pflanzenartenhilfsprogramm“. Hannover liegt an der Grenze von zwei großen Landschaftsräumen, dem norddeutschen Tiefland und dem niedersächsischen Bergland. Damit ist die Stadtlandschaft schon „von Natur aus“ reich an Arten. Durch extensive Landwirtschaftsformen wurden darüber hinaus am Rande der Stadt Arten erhalten, die vor vielen Jahrzehnten häufig anzutreffen waren. In der industriell geprägten heutigen Landwirtschaft sind viele Arten selten geworden oder ausgestorben.