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25 Jahre Sozialberichterstattung

Sozialbericht 2018 vorgestellt

Oberbürgermeister Stefan Schostok und Sozial- und Sportdezernentin Konstanze Beckedorf haben am 7. Dezember den Sozialbericht 2018 vorgestellt. Diesen legt die Verwaltung der Landeshauptstadt Hannover seit 1993 in Fünf-Jahres-Abständen vor. Es ist insgesamt der sechste Bericht, mit dem die Stadt einen umfassenden Überblick über die soziale Situation der Menschen in Hannover gibt. Er wird in Kürze den Ratsgremien vorgestellt.

Stefan Schostok und Konstanze Beckedorf präsentieren den Sozialbericht 2018 © LHH

Oberbürgermeister Stefan Schostok und Sozial- und Sportdezernentin Konstanze Beckedorf

"Seit 25 Jahren zieht Hannover regelmäßig Bilanz, um die sozialen Entwicklungen in der Stadt und den Stadtteilen in den Blick zu nehmen und zu bewertenDas ist ein Jubiläum, auf das wir durchaus stolz sind," unterstreicht Schostok. "Denn mit einer Sozialberichterstattung, mit deren Hilfe fakten- und datenbasiert sozialpolitische Weichen gestellt werden können, hat sich Hannover schon Anfang der Neunzigerjahre als Vorreiterstadt positioniert – und diese Rolle mit der frühzeitigen Etablierung einer 'Koordinationsstelle Sozialplanung' unterstrichen. Wir haben so das Instrument und das Fachwissen, um mit dem Blick auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre sozialpolitisches Handeln zielorientiert für die Zukunft aufzubauen. Der Bericht bietet Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit eine Informations- und Diskussionsgrundlage perspektivischer Planungen – auch mit Blick auf sozialpolitische Weichenstellungen für die Stadtentwicklung Hannover 2030," erläutert Schostok.

Bericht als Spektrum aller Lebenslagen

"Wir nehmen mit dem Sozialbericht das gesamte Spektrum der Lebenslagen der hannoverschen Bevölkerung in den Blick und stellen Verbindungen und Abhängigkeiten der verschiedenen Situationen und Entwicklungen dar" umreißt Beckedorf den Inhalt. "Das reicht von Fragen des Zusammenlebens über die Betrachtung der räumlichen Verteilung von finanziell Benachteiligten in der Stadt oder der Zusammenhänge zwischen dem Bildungserfolg und sozialer Herkunft bis zur Darstellung von Wohnungsnotfällen oder der Bedeutung steigender Pflegebedürftigkeit der Menschen für Einrichtungen, Angehörige und Quartiere. Wichtig ist uns dabei immer auch der 'soziale Zoom' in die Stadtteile hinein, denn das kleinräumige Sozialmonitoring des Sozialberichts ist Grundlage für zahlreiche Standort- und Priorisierungsentscheidungen." Auf eine Neuerung des Berichts weist die Dezernentin besonders hin: "Der Sozialbericht 2018 ist so 'inklusiv' wie möglich. Einerseits wurden zu jedem Thema so viele Daten wie möglich zusammengetragen, die Menschen mit Behinderung betreffen. Anderseits schließt jedes der zehn Kapitel mit Kernaussagen in leichter Sprache ab – optisch hervorgehoben durch das europäische Logo für einfaches Lesen."

Mehr Einordnung – weniger Tabellen

Erstellt wurde der Bericht unter Federführung von Dr. Silke Mardorf und Elke Sauermann von der städtischen Koordinationsstelle Sozialplanung. "Die Leserschaft ist heute vergleichsweise datengesättigt und erwartet zunehmend die Einordnung von Zahlen. Zum Beispiel, welche Entwicklungen Handlungsbedarf auslösen, oder an welcher Stelle Hannover im Großstadtvergleich steht. Sozialpolitisch Relevantes auszuwählen und übersichtlich, lesbar und verständlich auf den Punkt zu bringen, ist daher Ziel der Darstellungen," heben die Sozialplanerinnen hervor.

Zehn Kapitel

Der Bericht enthält auf 166 Seiten die zehn Kapitel:

  1. Hannovers Bevölkerung: Von der Geburt bis zur Hochaltrigkeit
  2. Hannovers Generationen
  3. Zusammenleben
  4. Arm, reich, überschuldet?
  5. Beschäftigt, unterbeschäftigt, arbeitslos?
  6. Von obdachlos bis Stadtvilla
  7. Bildung: Chancen und Teilhabe
  8. Gesundheit zwischen Jung und Alt
  9. Partizipation, Engagement und Teilhabe
  10. Hannover mit der sozialen Lupe – der Stadtteil-Zoom

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick 

Mehr Menschen, mehr Vielfalt: Seit dem letzten Sozialbericht (2013) ist die hannoversche Bevölkerung um über 22.000 Menschen gewachsen, darunter viele Zugewanderte aus dem europäischen Ausland oder aus Kriegs- und Krisenländern außerhalb Europas. Alles in allem stieg die Anzahl der Bevölkerung mit Migrationshintergrund innerhalb von fünf Jahren um 30.942. Gleichzeitig ist die Anzahl der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund um 8.647 gesunken.

Sieben "Generationen" in Hannover: Der diesjährige Sozialbericht widmet erstmals ein komplettes Kapitel dem Thema "Generationen in Hannover" (Kapitel 2). Eine Generation ist eine Altersgruppe, die durch ähnliche historische, politische, kulturelle Ereignisse oder gesellschaftliche Trends geprägt ist, wie zum Beispiel die Generationen "X, Y und Z" oder die "Babyboomer".

Babyboomer gehen in Ruhestand: Insbesondere die "Babyboomer" berühren aufgrund ihres Bevölkerungsumfangs diverse Fachplanungen und die Arbeitswelt. Fast 114.000, und damit ein Fünftel der hannoverschen Bevölkerung, zählt zu den Ende 40- bis Anfang 60-Jährigen. Die Babyboomer gehen innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahrzehnte in den Ruhestand und verstärken den Fachkräftemangel.

Mehr Arbeitsplätze, mehr Beschäftigte: Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Hannover erreicht einen neuen Höchststand. Gleichzeitig ist der Arbeitslosenanteil der niedrigste seit den Arbeitsmarktreformen im Jahr 2005. Leider profitierten Arbeitslose von der positiven Arbeitsmarktentwicklung nur bedingt. Dem Zuwachs an rund 19.000 Beschäftigten 2012 bis 2017 steht ein Rückgang von "nur" 3.300 Arbeitslosen gegenüber.

Kinderarmut - enorme Spanne in den Stadtteilen: Im Durchschnitt leben 27,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Familien, die von Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts leben. Dieser Anteil ist im Vergleich zum Vorjahr um 0,9 Prozentpunkte gesunken. In keiner anderen Altersgruppe ist die Spanne der Armutsbetroffen in den Stadtteilen so groß wie bei den Kindern und Jugendlichen. Der Stadtteil mit der niedrigsten Kinderarmutsquote ist Isernhagen-Süd mit einem Anteil von 0,9 Prozent. Der Stadtteil mit der höchsten Kinderarmutsquote liegt auch geografisch gesehen am anderen Ende der Stadt: Mühlenberg, mit einem Anteil von 69,0 Prozent. Doch auch Kinder aus Stadtteilen, die räumlich sehr eng beieinanderliegen, können in sehr unterschiedlichen sozialen Lagen aufwachsen. Beispiele dafür sind Seelhorst mit einer Kinderarmutsquote von 4,9 Prozent, das unmittelbar an Mittelfeld angrenzt (43,5 Prozent). Oder Bothfeld (14,3 Prozent) und der direkt angrenzende Stadtteil Sahlkamp (49,5 Prozent).

Kindertagesstätten - Je früher desto besser: Je länger Kinder eine Kindertagesstätte besuchen, desto seltener haben sie sprachliche Defizite. Auch wirkt sich früher und langjähriger Kita-Besuch positiv auf die Gesundheit aus. Mit steigender Anzahl an Kita-Jahren sinkt der Anteil über- oder untergewichtiger Kinder. Dieses zeigen die Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen.

Altersarmut erneut gestiegen: 12.847 Menschen im Alter von 60 Jahren und älter leben von Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts. Rund 300 Menschen mehr als ein Jahr zuvor. Betroffen ist fast jede/r Zehnte (60 plus) in Hannover (9,8 Prozent). Umso wichtiger ist es, dass Menschen mit wenig Geld ihren Rechtsanspruch geltend machen. Gerade ältere Menschen nehmen Leistungen wie Grundsicherung im Alter oder Wohngeld seltener in Anspruch, sei es aus Scham, Unwissenheit oder Stolz. Hier setzt die Wohngeldkampagne des Fachbereichs Soziales an. Diese und die vergangene Wohngeldreform haben – anders als im bundesweiten Trend - dazu beigetragen, dass mehr Menschen Wohngeld beantragen und beziehen.

Steigende Anzahl Schwerbehinderter: Infolge demografischer Alterung steigt die Anzahl der Schwerbehinderten. Innerhalb von zwei Jahren hat sich die Zahl der Menschen mit Behinderungen um 1.695 (plus 3,2 Prozent) erhöht, meist handelt es sich dabei um Hochaltrige im Alter von 85 Jahren und älter. Die Schwerbehindertenquote stieg von 9,7 Prozent (2015) auf 10,0 Prozent (2017).

Barrierefreier Wohnraum fehlt: Hannover benötigt barrierefreie Wohnungen, allein für 28.000 Menschen mit Gehhilfe, Rollator, Rollstuhl. Familien mit Kinderwagen und andere Gruppen, die gleichermaßen von Barrierefreiheit profitieren, nicht mitgezählt. Wie viele Menschen bereits barrierefrei wohnen und wie viele barrierefreien Wohnraum suchen, lässt sich nicht beziffern. Fakt ist, dass nur 3,2 Prozent der inserierten Mietwohnungen in Mehrfamilienhäusern barrierefrei sind. Bei Eigentumswohnungen liegt der Anteil deutlich höher (10,4 Prozent). Im Neubaubereich entsteht zunehmend barrierefreier Wohnraum. Dies wird sich ab Januar 2019 mit der Novellierung der NBauO beschleunigen. Diese sieht für den Wohnungsbau vor, dass bei Gebäuden mit mehr als vier Wohnungen sämtliche Wohnungen barrierefrei zu errichten sind. Jede achte Wohnung eines Gebäudes muss zusätzlich rollstuhlgerecht sein.

Auch künftig mehr Pflegebedürftige: Die Zahl der Pflegebedürftigen liegt auf Rekordniveau. 19.381 Hannoveranerinnen und Hannoveraner sind pflegebedürftig. Zwei Jahre zuvor betraf dies 1.700 Hannoveranerinnen und Hannoveraner weniger. Im Jahr 2030 könnten es über 25.000 Pflegebedürftige sein, so die Vorausschätzung. Die Stadt hat mit der "alter(n)sgerechten Quartiersentwicklung" frühzeitig Weichen gestellt und verfolgt das Ziel, dass Menschen möglichst lange und selbständig in ihren eigenen vier Wänden leben können. Neben dem Kommunalen Seniorenservice des Fachbereichs Senioren wirken daran Wohlfahrtsverbände sowie die Wohnungswirtschaft mit.

Wählen - Wer will, wer darf? Nicht alle, die wahlberechtigt sind, nehmen ihr Wahlrecht in Anspruch. In einigen Stadtteilen waren es bei der letzten Bundestagswahl weniger als 60 Prozent. Und nicht alle dürfen wählen. In Mühlenberg zum Beispiel war mehr als die Hälfte der Einwohnerinnen und Einwohner zur Bundestagswahl 2017 nicht wahlberechtigt. Dies sind Orte, an denen andere Formen der Beteiligung, zum Beispiel Quartiersmanagement, ansetzen müssen, um Teilhabe zu ermöglichen.

Wohnungsnotfälle: Nicht nur Obdachlose zählen zu den Wohnungsnotfällen. Auch Menschen in Flüchtlingseinrichtungen, Frauenhäusern oder von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen. Der Sozialbericht versucht erstmals, die hannoverschen Wohnungsnotfälle systematisch und vollständig abzubilden, auch mit dem Ziel, das "nicht immer Zählbare sichtbar" zu machen.

Kontakt

Ansprechpartnerinnen für den Sozialbericht sind Dr. Silke Mardorf und Elke Sauermann, Koordinationsstelle Sozialplanung, Telefon 168-46966 und 168-46459.