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Wasser zum Überleben

Stadtverwaltung intensiviert die Pflege von Straßenbäumen

In der derzeitigen, schon länger andauernden Trockenperiode intensiviert die Stadtverwaltung die Bewässerung von Bäumen. Mit mehreren Maßnahmen stellt der Fachbereich Umwelt und Stadtgrün sicher, dass die Straßen- und Grünflächenbäume mit der notwendigen Flüssigkeit versorgt werden. 

Ein Mann bewässert mit einem Gartenschlauch einen Straßenbaum © LHH

Benjamin Stahl vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün bei der Bewässerung eines Straßenbaums

Neben regelmäßiger Wassergabe gehören immer mehr auch Wassersäcke und Gießringe dazu. "Andauernde Trockenperioden sorgen nicht nur bei Jungbäumen für Probleme, sondern betreffen zunehmend auch den Altbestand, bei dem besondere Methoden eingesetzt werden", erläutert Manuel Kowalski, Sachgebietsleiter Grünflächenpflege im Fachbereich Umwelt und Stadtgrün. "Ziel ist es, die trockenheitsbedingten Schäden an Hannovers Bäumen so gering wie möglich zu halten. Deshalb werden je nach Witterungslage bis auf weiteres – bis auf Verkehrssicherungspflichten – alle Mahd- und Pflegearbeiten zurückgestellt und alle vorhandenen Personalkapazitäten für die Bewässerung von Bäumen eingesetzt."

Schädlinge befallen geschwächte Altbäume

Die vergangenen niederschlagsarmen Jahre mit erhöhten Durchschnittstemperaturen haben dazu geführt, dass es im gesamten Stadtgebiet vermehrt ältere Bäume sind, die Schaden nehmen und absterben. Zu beobachten sind starke Trockenschäden und Ausfälle vor allem bei den Baumarten Birke, Buche und Ahorn. Aufgrund der Schwächung sind viele Bäume auch von sogenannten Sekundärschädlingen wie der Rußrindenkrankheit (Pilz) an Ahornen betroffen. Vor allem viele Exemplare mit einem Alter von zum Teil mehr als 50 Jahren sind gefährdet. Im Mai 2020 musste etwa im Von-Alten-Garten in Linden an einer großen Buche mit einem Stammumfang von über 400 Zentimetern ein Kronensicherungsschnitt durchgeführt werden, eine Fällung im Winter wird unumgänglich sein.

Die Bodenschichten sind zum Teil bis in rund drei Metern Tiefe ausgetrocknet. Aus diesen Bereichen ziehen viele Bäume ihre Nährstoffe und das notwendige Wasser. Ein weiteres Problem für alte Bäume, die in der Nachkriegszeit gepflanzt wurden, stellt der an manchen Standorten noch im Boden enthaltene Trümmerschutt dar. Diese Untergründe können zusätzliche negative Auswirkungen auf die Wasser- und Nährstoffaufnahme haben.

Um das Absterben der Altbäume zu verhindern, bewässern die Fachleute der Landeshauptstadt Hannover diese gezielt. Weil nicht alle Exemplare betroffen sind und auch eine Versorgung aller Stadtbäume nicht möglich ist, werden vom Fachbereich Umwelt und Stadtgrün regelmäßig die Standorte und die Vitalität der Bäume kontrolliert und eine Prioritätenliste der besonders gefährdeten Bäume angelegt. Diese derzeit rund 500 bis 600 Bäume werden durch eigenes Personal und an Fachfirmen vergebene Bewässerungsaufträge besonders versorgt.

"Die Bewässerung der besonders durch Trockenheit gefährdeten Bäume ist in vielen Fällen sehr aufwändig und schwierig", unterstreicht Manuel Kowalski und führt weiter aus: "Durch die dichten und hoch anstehenden Wurzeln und die vorherrschende Bodenverdichtung können die Bäume nicht einfach mit einem Schlauch bewässert werden." Spezielle Methoden seien notwendig – so etwa das "Tree-life-Verfahren", einer Tiefenbewässerung mittels einer Drucklanze. Dabei werden Wasser und Nährstoffe tief in den Boden eingebracht und gleichzeitig wird die Bodenverdichtung in Teilen aufgebrochen. Andere Methoden sind zum Beispiel ein häufiges Wässern mit geringen Wassermengen oder die Nutzung temporärer Wasserbarrikaden wie Sandsäcke (etwa am Georgsplatz). Für einen Bewässerungsvorgang am Baum werden, je nach Größe, zwischen 100 und 500 Liter Wasser benötigt.

120 Liter Wasser für junge Bäume

Neben alten Bäumen werden rund 4.000 Neupflanzungen aus den vergangenen drei bis vier Jahren in den warmen Monaten regelmäßig bewässert, davon etwa 1.600 Bäume durch beauftragte Firmen. Die jungen Straßenbäume werden dann, je nach Witterungsverlauf, rund zweimal im Monat mit Wasser versorgt. Bei einer durchschnittlichen Wassergabe je Baum und Wässerungsgang werden circa 120 Liter Wasser benötigt. Auf 4.000 Bäume hochgerechnet sind dies insgesamt 480 Kubikmeter Wasser (480.000 Liter) pro Wässerung aller jungen Straßenbäume.

Vermehrt wird bei jungen Gewächsen ein Gießrand verwendet. Dabei wird bereits bei der Pflanzung ein grüner Kunststoffring an die Baumverankerung (Dreibock) befestigt und einige Zentimeter in das Erdreich eingelassen. So wird das Gießwasser (circa 120 Liter je Wässerungsgang) direkt im Wurzelbereich gehalten und kann dort zielgerichtet versickern und den Baum mit Wasser versorgen, ohne in die seitlichen Flächen abzulaufen.

Eine weitere Maßnahme mit zunehmender Bedeutung ist die Anbringung von Wassersäcken an neu gepflanzten, aber zum Teil auch an alten Bäumen. Diese grünen Säcke werden mit 60 bis 120 Litern Wasser gefüllt, das dann in einem Zeitraum von bis zu neun Stunden gleichmäßig in den Wurzelbereich der Bäume abgeführt wird.

Zunehmend klimaangepasste Arten gepflanzt

Um dem umfangreichen Bewässerungsaufwand mittel- bis langfristig entgegenzuwirken, werden bei neuen Baumpflanzungen bereits neue Standards durch den Fachbereich Umwelt und Stadtgrün der Landeshauptstadt Hannover angewendet. Diese betreffen unter anderem die Auswahl der Baumarten, die an die jetzigen und zukünftigen Klimabedingungen angepasst sind. Diese Exemplare sind weniger anfällig für Baumkrankheiten und können auch Trockenperioden besser überstehen. Bei der Auswahl, zum Beispiel Amberbaum oder spezielle Sorten von Eichen und Linden, orientiert sich der Fachbereich neben den eignen Erfahrungen und Erkenntnissen unter anderem an den Empfehlungen der Straßenbaumliste der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) oder der "KlimaArtenMatrix" für Stadtbaumarten.

Weitere neue Standards betreffen die Herstellung des Baumstandortes vor einer Bepflanzung. Dabei wird, vor allem für die Pflanzung von Straßenbäumen, auf einen durchwurzelbaren Raum von mindestens zwölf Kubikmetern geachtet. Die eingebauten Baumsubstrate müssen dabei nicht nur tragfähig für den Verkehr sein, sondern gleichzeitig auch noch Wurzelraum, Wasser und Nährstoffe für den Baum bieten. Durch Schutzmaßnahmen an den Baumscheiben, zum Beispiel den Einbau von Absperrbügeln gegen das Befahren und Parken von Fahrzeugen, wird zusätzlich die Verdichtung der Baumscheiben verhindert.