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Landeshauptstadt Hannover

Sucht- und Drogenhilfe: Ausbau der Angebote

Das Hilfs- und Beratungsangebot der Sucht- und Drogenhilfe in der Stadt Hannover deckt das gesamte Spektrum der stoffgebundenen und stoffungebundenen Suchterkrankungen ab. Für Konsument*innen illegaler Drogen gibt es in diesem Jahr zwei wichtige neue Bausteine, die eine Versorgungslücke am Wochenende und in den Nachtstunden schließen – und von der Stadt Hannover, der STEP gGmbH und La Strada als Mitglieder des Hilfenetzwerks realisiert werden: Zwei "Spritzenautomaten" zur Vermeidung von Neuinfektionen der Konsument*innen durch HIV oder Hepatitis-C sowie die Ausweitung der Öffnungszeiten des "Stellwerks" auf sonnabends.

Café im Stellwerk © STEP gGmbH / Fotografin: Isabel Winarsch

Im Café im Stellwerk werden Mahlzeiten angeboten, zudem dient es als Begegnungsraum

Spritzenautomaten aufgestellt

Seit Mitte Februar gibt es an der Ecke Brüderstraße / Herschelstraße und am "Stellwerk" (Fernroder Straße) zwei "Spritzenautomaten". Es sind die ersten im Stadtgebiet von Hannover.

Die Automaten funktionieren nach dem Muster früherer Zigarettenautomaten. Sie enthalten acht verschiedene Pakete mit unterschiedlicher Zusammenstellung aus sterilen Kanülen, Löffel, Mundstücke, Kondome, Desinfektionsmittel und weiteren Utensilien. Ein Paket kostet 50 Cent (Selbstkostenpreis). Das Angebot soll helfen, Neuinfektionen mit Hepatitis-C und HIV der Konsument*innen zu verhindern (Prinzip der sogenannten "harm reduction").

Die Waren werden aus den Einnahmen gezahlt. Für Anschaffung und Aufbau hat die Stadt 3.000 Euro investiert; für das Befüllen stehen in diesem Jahr 1.000 Euro Personalkosten für beide Automaten zur Verfügung. Durch die Automaten sind die Artikel auch außerhalb der Öffnungszeiten der Suchthilfeeinrichtungen verfügbar.

Erste Erfahrungen

Nach den Erfahrungen der ersten Wochen bewähren sich die Automaten: Sie werden an Wochenenden außerhalb der Öffnungszeiten der Suchthilfeeinrichtungen deutlich häufiger frequentiert. Artikel, die einen besseren Schutz vor Infektionskrankheiten ("safer-use-Artikel") bieten, werden in größerer Zahl gekauft.

Verunreinigung des öffentlichen Raumes mit gebrauchten Spritzen und ähnlichem im Umfeld der Geräte wurden nicht beobachtet. Das entspricht den Erfahrungen anderer Standorte in Deutschland. Außerdem stellen Spritzen, ähnlich wie Pfandflaschen, einen Tauschwert für neue Spritzen dar. Sie können unter anderem im Stellwerk und weiteren Einrichtungen getauscht werden. Der Automat hat außerdem einen Einwurf für gebrauchte Utensilien.

Der Spritzenautomat in der Fernroder Straße © STEP gGmbH / Fotografin: Isabel Winarsch

Der Spritzenautomat in der Fernroder Straße

Zwei Standorte für unterschiedliche Zielgruppen

Betrieben wird der Automat beim "Stellwerk" in der Fernroder Straße durch die STEP gGmbH, die Anlauf- und Beratungsstelle La Strada kümmert sich um das Angebot in der Herschelstraße / Brüderstraße. Mit den beiden Standorten werden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen.

Am "Stellwerk" hält sich die offene Drogenszene auf. Der Automat wird sehr gut angenommen. Vikas Bapat, Leiter des Stellwerks, bilanziert: "Wir haben in sechs Wochen etwas über 500 Pakete nachgefüllt. Klar erkennbar ist der erhöhte Bedarf an Wochenenden. Spritzen werden nach wie vor direkt in der Einrichtung eins zu eins getauscht."

Am Standort Brüderstraße / Herschelstraße sollen auch Konsument*innen erreicht werden, die keinen Kontakt zu den Einrichtungen der Suchthilfe haben möchten. Hier gehören zum Angebot auch Kondome ("safer use"-Artikel). Die Anlauf- und Fachberatungsstelle La Strada ist spezialisiert auf drogengebrauchende Frauen im Kontext von Sexarbeit und die einzige Einrichtung dieser Art in Niedersachsen. La Strada unterstützt die Einrichtung des Automaten, weil es dadurch möglich ist, bei Bedarf diskret und unauffällig Utensilien und Arbeitsmaterial zu bekommen, das hilft, gesund zu bleiben. "Endlich ist in dieser Hinsicht nun auch in Hannover eine Versorgung rund um die Uhr gewährleistet", freut sich Michaela Neumann von La Strada für die Betroffenen. An vier Tagen der Woche sind abends auch Sozialarbeiterinnen von Phoenix und La Strada sowie von der Aids- und STD-Beratungsstelle der Region Hannover vor Ort und begleiten und beraten die dort tätigen Sexarbeiter*innen mit und ohne Drogengebrauch.

Erweiterte Öffnungszeiten des "Stellwerks"

Die Suchterkrankung bestimmt das Leben der betroffenen Menschen an allen Tagen in der Woche. Daher gibt es die grundsätzliche Verständigung zwischen der Stadt und der Region Hannover, die Öffnungszeiten im Drogenkonsumraum "Stellwerk" der STEP gGmbH zu überprüfen und auszuweiten. Der erste Schritt ist die Ausweitung auf die regelmäßige Öffnung sonnabends.

Ab dem 6. April 2019 ist die Einrichtung an diesem Wochentag sechs Stunden lang (jeweils von 11 bis 17 Uhr) geöffnet. Es gibt das komplette Angebot aus Konsumraum, Beratung und Café mit frisch gekochtem Mittagessen.

Das Stellwerk liegt direkt hinter dem Hauptbahnhof. Es wendet sich an Frauen und Männer, die Drogen konsumieren. Im Stellwerk wird akzeptanzorientierte, niedrigschwellige Kontaktarbeit angeboten. Ein geschützter Raum zum Konsumieren (Konsumraum), warmes Essen, medizinische Versorgung, Duschen, Wäschewaschen, Gespräche und Aufenthalt werden hier regelmäßig genutzt.

Durch die erweiterten Öffnungszeiten wird die Spanne zwischen der Schließung freitags um 19 Uhr bis zur Öffnung am Montag um 10 Uhr deutlich verkürzt. Die sowohl männlichen als auch weiblichen Konsumenten haben somit die Möglichkeit auch samstags den Konsumraum zu nutzen, sozialpädagogische Unterstützung zu erhalten, sich an medizinisches Fachpersonal zu wenden und ein Mittagessen zu sich zu nehmen.

Für die Erweiterung stellt die Stadt Hannover laut einem Ratsbeschluss 80.000 Euro pro Jahr zur Verfügung.