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Erinnerungskultur

Trauer um Salomon Finkelstein

Die Landeshauptstadt Hannover trauert um Salomon Finkelstein, der am 26. Juni 2019 im Alter von 96 Jahren verstorben ist.

Portraitaufnahme eines Mannes © Christian Burkert

Salomon Finkelstein

Salomon Finkelstein war der letzte Zeuge der Schreckenszeit des 20. Jahrhunderts, der mit dem Begriff Auschwitz in Hannover leidvoll verbunden ist. Er wurde durch das nationalsozialistische Unrechtsregime verfolgt, deportiert, musste um sein Leben kämpfen, überlebte Auschwitz und den Todesmarsch vom KZ Mittelbau-Dora ins Lager Ravensbrück. Seine Eltern wurden von den Nationalsozialisten im Holocaust ermordet. Jahrzehnte nach der Befreiung erfuhr er, dass seine beiden Brüder in Israel und der Sowjetunion überlebt hatten.

Nach dem Krieg verschlug es ihn nach Hannover. Hier verwarf er seinen ursprünglichen Wunsch, auszuwandern, baute sich als Geschäftsmann erfolgreich eine sichere Existenz auf und gründete eine Familie. Doch erst nach Jahrzehnten des Schweigens – aus Angst, das Erlebte nicht mit Worten beschreiben zu können –, entschloss Salomon Finkelstein sich, als Zeitzeuge zu sprechen und insbesondere in Schulen das Gespräch mit jungen Menschen zu suchen. Diese Begegnungen gaben ihm Kraft und Hoffnung und waren gleichzeitig lebendiger Geschichtsunterricht und Mahnung. Eine starke Erinnerungskultur, getragen von der jüngeren Generation, war sein Anliegen.

Salomon Finkelstein war ein tief in der Familie und ihrer Tradition verankerter Mensch. Dass seine Eltern kein Grab hatten, belastete ihn wie die unheilbaren Verletzungen, die er als Verfolgter des NS-Regimes erlitten hatte. Er wurde nicht müde zu erinnern, dass die Nationalsozialisten Menschen im KZ zu namenlosen Nummern gemacht hatten.

Die Landeshauptstadt Hannover dankt Salomon Finkelstein von Herzen für seine Bereitschaft zur Versöhnung und wird ihm ein ehrendes Andenken bewahren.