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Engagement

Verdienstkreuz an Simin Nassiri verliehen

Seit 30 Jahren engagiert sich die Hannoveranerin Simin Nassiri in der Flüchtlingsarbeit und der Integration. Dafür hat ihr Oberbürgermeister Stefan Schostok am 20. November im Auftrag des Bundespräsidenten das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgehändigt.

Mann, der aus einer Mappe liest und eine Frau. © LHH

Simin Nassiri und Oberbürgermeister Stefan Schostok. 

Simin Nassiri ist 1986 aus politischen Gründen aus dem Iran geflüchtet und nach Deutschland gekommen. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen hat sie sich schnell für andere Flüchtlinge und die gleichberechtigte Teilhabe von Migrantinnen und Migranten in der deutschen Gesellschaft eingesetzt.

Engagement im Kargah e.V.

Bereits 1987 ist sie dem Kargah e. V. beigetreten, einem Verein für interkulturelle Kommunikation, Flüchtlings- und Migrationsarbeit in Hannover. Der Kargah e. V. ist eine Begegnungsstätte, in der Flüchtlinge, Migranten und Menschen mit Migrationshintergrund in sozialen, rechtlichen und beruflichen Fragen beraten und unterstützt werden. Es werden Maßnahmen zur beruflichen und sprachlichen Qualifizierung durchgeführt sowie Hausaufgabenbetreuung für Kinder und Jugendliche angeboten. Zudem werden ein internationales Café und der internationale Frauentreff La Rosa betrieben. Simin Nassiri hat sich von Beginn an ehrenamtlich in verschiedene Bereiche und Gruppen des Kargah e.V. eingebracht.

Mitbegründerin der Beratungsstelle Suana

Seit 1994 wirkt sie im Flüchtlingsbüro mit und war außerdem Mitbegründerin des Frauentreffs. Des Weiteren war Nassiri zu wesentlichen Teilen an der Entwicklung und Gründung der multilingualen und interkulturellen Beratungsstelle Suana beteiligt, bei der Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen geholfen wird, die von physischer und psychischer Männergewalt betroffenen sind. 2001 wurde das Beratungsangebot fest im Kargah e. V. installiert. Seit 2005 gilt Suana offiziell als Beratungs- und Interventionsstelle für von häuslicher Gewalt betroffene Migrantinnen. 

Aufbau des Niedersächsischen Krisentelefons gegen Zwangsheirat

Auch die Themen Zwangsheirat und Stalking gehören zu ihrem Aufgabenumfang. Betroffene Frauen werden sozialpädagogisch und rechtlich betreut, erhalten individuelle Unterstützungsangebote sowie die Möglichkeit, ihre Probleme im Rahmen von Einzelgesprächen und Gruppentreffen zu erörtern und Lösungsmöglichkeiten zu finden. Als die Niedersächsische Landesregierung im Jahr 2005 aufgrund mehrerer öffentlich gewordener tragischer Fälle von Ermordungen im "Namen der Ehre" ein Handlungskonzept zum Thema "Zwangsheirat ächten - Zwangsehen vorbeugen" entwickelt hat, hat sie Kontakt zur Beratungsstelle Suana beim Kargah e. V. aufgenommen, um verschiedene Hilfsangebote zu erarbeiten und anzubieten. In diesem Rahmen hat Frau Nassiri sich maßgeblich um den Aufbau und Betrieb des "Niedersächsischen Krisentelefons gegen Zwangsheirat" gekümmert, das heute auch in anderen Krisensituationen weiterhilft.

Breit angelegte Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit

Ergänzend zu diesen Hilfsangeboten bietet Suana eine Gewaltprävention bei Familien mit Migrationshintergrund an. Neben Informationsveranstaltungen und Gesprächsrunden besuchen die Beraterinnen und Berater betroffene Familien auf Wunsch auch zu Hause, um bestehende Probleme im privaten Rahmen zu klären. Nassiri ist Hauptansprechpartnerin der Beratungsstelle Suana, kümmert sich um die gesamte Koordination sowie die Zusammenarbeit mit Behörden, Institutionen und Vereinen. Die Beratungsstelle ist Mitglied des Netzwerkes "Hannoversches Interventionsprogramm gegen Häusliche Gewalt" (HAIP) und wirkt in mehreren Arbeitsgemeinschaften mit. Frau Nassiri betreibt eine medial breit angelegte Öffentlichkeits- und Aufklärungsarbeit und stellt die Arbeit sowohl der Beratungsstelle als auch des Vereins bei öffentlichen Veranstaltungen vor.

Vielfältiger Einsatz

Über diese umfangreiche Tätigkeit hinaus ist Frau Nassiri seit 1992 Mitglied des Verbandes binationaler Familien und Partnerschaften e. V. Regionalstelle Hannover und unterstützt dessen Arbeit. Der Verband berät bei Beziehungs- und Familienkonflikten, in Krisensituationen, bei Rassismus- und Diskriminierungserfahrungen, bei mehrsprachiger und internationaler Erziehung sowie in Fragen elterlicher Sorge. 1992 war Frau Nassiri auch Mitbegründerin des Runden Tisches gegen Männergewalt in der Familie, aus dem 1997 das Netzwerk HAIP entstanden ist. Hier ist sie Mitglied des Koordinationsteams und hat maßgeblich zur Entwicklung und inhaltlichen Ausrichtung des Netzwerkes sowie zur Ausgestaltung seines Programms beigetragen. Aufgrund ihrer umfangreichen Erfahrungen ist Simin Nassiri von 1993 bis 1996 als Mitglied in die ehemalige Ausländerkommission des Niedersächsischen Landtages berufen worden (heute MUT - Migration und Teilhabe). 1996 war sie an der Gründung der in Hannover ansässigen Migrantinnen-Selbstorganisation Frauen Tribunal e. V. beteiligt. Der Verein versteht sich als politisch-feministische Einrichtung, die Frauen jeder Nationalität oder ethnischer Zugehörigkeit berät. Es werden regelmäßige Treffen, Seminare und Schulungen angeboten. Simin Nassiri ist von Beginn an eines von drei Vorstandsmitgliedern. 

Weitere Auszeichnungen

Für ihr herausragendes Wirken im Bereich der Integration ist Frau Nassiri 2013 mit dem Integrationspreis des Gesellschaftsfonds Zusammenleben der Landeshauptstadt Hannover und 2016 mit der Plakette für Verdienste um die Landeshauptstadt Hannover auszeichnet worden