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Ehrung

Verdienstkreuz und Verdienstorden ausgehändigt

Oberbürgermeister Stefan Schostok hat am 6. November das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Georg-Günther Thürnau sowie die Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland an Dieter Müller verliehen.

Drei Männer. © LHH

Oberbürgermeister Stefan Schostok (rechts) mit Georg-Günther Thürnau (links) und Dieter Müller im Neuen Rathaus. 

Georg-Günther Thürnau erhält die Auszeichnung, weil er sich seit 24 Jahren im Bereich der Völkerverständigung engagiert. Durch sein langjähriges und tatkräftiges Wirken hat Georg-Günther Thürnau einen wichtigen Beitrag zu den positiven Beziehungen zwischen Deutschland und Japan geleistet. Stefan Schostok nannte den Geehrten einen "Menschenfreund, der sich für das gegenseitige Interesse an anderen Kulturen stark macht." Dieter Müller erhält die Auszeichnung, weil er sich seit 61 Jahren im kulturellen, sozialen und kirchlichen Bereich engagiert. "Ein Vorbild in der Ansprache und Förderung von Kindern und Jugendlichen", so der Oberbürgermeister. 

Im Einsatz für die Völkerverständigung

Vor vielen Jahren hatte Georg-Günther Thürnau gemeinsam mit seiner Familie mehrfach als Gastfamilie am Kinder- und Jugendaustauschprogramm der Landeshauptstadt Hannover (LHH) mit Hiroshima teilgenommen. Durch die dabei wahrgenommenen Aufgaben, gewonnenen Erfahrungen und entstandenen Freundschaften hat er sich in den Neunzigerjahren dazu entschlossen, Mitglied des Freundschaftskreises Hannover-Hiroshima e. V. (2010 erfolgte die Änderung des Vereinsnamens in Deutsch-Japanischer Freundschaftskreis Hannover-Hiroshima-Yukokai e. V.) zu werden. Von 1993 bis 2000 hatte Thürnau die Funktion des Stellvertretenden Vorsitzenden wahrgenommen, bis er im Jahr 2000 zum Ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Dieses Amt übt er bis heute aus. Im Rahmen seiner Vorstandstätigkeit hat er die Tätigkeitsfelder des Vereins stetig erweitert, um das Anliegen und die Angebote des Vereins der breiten Öffentlichkeit näher zu bringen. Der Freundschaftskreis bietet Informationsveranstaltungen, Vorträge, Lehrgänge und Kurse insbesondere zur japanischen Geschichte, Kultur und Sprache an. Es werden auch Sprachkurse für Deutsche und Japaner sowie ein Kinderspielkreis angeboten und die Teezeremonie im Stil der Ueda Söko-Tradition gelehrt und gepflegt. Neu zugezogene Japanerinnen und Japaner und ihre Familien werden durch Bildungs- und Freizeitangebote bei ihrem Deutschlandaufenthalt beziehungsweise Einleben in die deutsche Gesellschaft unterstützt. Der Kontakt zu den hier ansässigen Menschen und bereits länger in Deutschland lebenden Japanerinnen und Japanern wird durch deutsch-japanische Familientreffen sowie den interaktiven Japaner-Kreis gefördert. Darüber hinaus unterstützt und begleitet der Verein die Kinder- und Jugendaustausche, die von der LHH im Rahmen der Städtepartnerschaft Hannovers mit Hiroshima durchgeführt werden. Dazu hat Thürnau den Kontakt mit dem japanischen Austauschverband International Youth Association Hiroshima intensiviert und ausgebaut. Da dem Verein auch die Geschichte Hiroshimas und der Weltfrieden sehr am Herzen liegen, beteiligt sich der Freundschaftskreis regelmäßig an Veranstaltungen zu friedenspolitischen Themen und zur Abschaffung von Atomwaffen. Thürnau hat sich zudem sehr dafür eingesetzt, dass diese Themen in hannoverschen Jugendorganisationen und Schulen intensiver behandelt und unterrichtet werden.

Großes Engagement in mehreren Stiftungen

1957 absolvierte Dieter Müller ein Sozialpraktikum in einer Wohngruppe des Stephansstifts Hannover und war Anfang der Sechzigerjahre Lehrer an der Schule des Knabenhofes des Stephansstifts Hannover (Förderschule; später umbenannt in Ludwig-Wilhelm-Fricke-Schule). Nach dem Studium der Sozialpädagogik arbeitete Herr Müller Erziehungswissenschaftler an der Pädagogischen Hochschule Hannover, die in den Siebzigerjahren in die Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover überging. Dort war er bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2002 als Akademischer Direktor am Institut für Erziehungswissenschaften tätig. Seit seinem Praktikum im Jahr 1957 liest Müller bis heute wöchentlich Kindern und Jugendlichen einer sozialpädagogischen Wohngruppe im Stephansstift Hannover vor, das sich in der Trägerschaft der Dachstiftung Diakonie befindet. In diesem Rahmen hat er sich stets Zeit genommen, persönliche und freundschaftliche Gespräche mit den Kindern und Jugendlichen zu führen. Dabei hat er ein offenes Ohr für ihre Fragen und Erzählungen und nimmt sich ihrer Sorgen und Nöte an. Auf diese Weise hat er ihnen Aufmerksamkeit, Wertschätzung und menschliche Wärme geschenkt. Um das Lesen der jungen Menschen weitergehend zu fördern, hat Herr Müller 1960 eine Schülerbibliothek im Stephansstift eingerichtet, diese aufgebaut und geleitet. 2016 musste sie jedoch geschlossen werden. 1962 ist Müller in die damalige Brüderschaft des Stephansstifts eingetreten und seitdem als ehrenamtlicher Diakon tätig. Des Weiteren ist er seit Jahrzehnten Mitglied der evangelisch-lutherischen Nazareth-Kirchengemeinde Hannover (2009 erfolgte deren Zusammenschluss mit zwei weiteren Kirchengemeinden zur evangelisch-lutherischen Südstadt-Kirchengemeinde Hannover). Von 1952 bis 1996 war er Leiter des Gottesdiensthelferkreises und hat die wöchentlichen Kindergottesdienste gehalten. Auch die Familiengottesdienste hat Müller mehrere Jahre lang mit vorbereitet und durchgeführt. Zudem war er einige Jahre lang Mitglied des Kirchenvorstands. Für seine 36-jährige Ausrichtung der Kindergottesdienste ist er 1988 mit dem Kronenkreuz in Gold der Diakonie ausgezeichnet worden. Am Institut für Erziehungswissenschaften der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover ist Müller bis heute als Lehrbeauftragter tätig. Er gibt Seminare zum Thema "Psychohygiene im Lehrberuf". Im Rahmen seiner beruflichen Tätigkeit und als Lehrbeauftragter war und ist es ihm stets ein Herzensanliegen gewesen, bei den angehenden Pädagoginnen und Pädagogen ein Verständnis insbesondere für benachteiligte und behinderte Kinder und Jugendliche zu vermitteln. Auch war und ist es ihm wichtig, sie zu einer Selbstreflektion über ihre Motive für diese Berufswahl zu bringen und eine pädagogische Haltung zu entwickeln. Das langjährige, uneigennützige und vorbildhafte Wirken von Herrn Müller wird im Rahmen einer Lebenswerkehrung gewürdigt.

Hintergrund

Das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens wird an Bürgerinnen und Bürger für politische, wirtschaftliche, soziale und geistige Leistungen verliehen sowie darüber hinaus für alle besonderen Verdienste um die Bundesrepublik Deutschland wie zum Beispiel im sozialen und karitativen Bereich. Es ist die einzige allgemeine Verdienstauszeichnung in Deutschland und damit die höchste Anerkennung, die die Bundesrepublik für Verdienste um das Gemeinwohl ausspricht. Eine finanzielle Zuwendung ist mit der Verleihung des Verdienstordens nicht verbunden. Jeder kann die Verleihung des Verdienstordens an eine andere oder einen anderen anregen.