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Pressekonferenz KSL

Wer wird Kulturhauptstadt Europas 2025?

Am Dienstag, 1. Oktober, präsentierten sich die ins Rennen gegangenen Städte bei der Pressekonferenz der Kulturstiftung der Länder erstmals offiziell als Bewerberstädte um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025". Hannover bleibt seiner künstlerischen Linie treu und möchte als starke Stadt Europa stärken.

Alle Candidate Cities versammelten sich auf Einladung der Kulturstiftung der Länder in Berlin, um sich und ihre Bewerbung in einem dreiminütigen Statement vorzustellen. Aber was kann eine Stadt über ihre Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas 2025 in drei Minuten sagen, an der sie über ein Jahr intensiv gearbeitet hat? Hannover entschied sich, über Europa zu sprechen und hatte dafür eine Engländerin eingeladen.

"Wer, wenn nicht eine Britin, könnte den Ansatz unserer Bewerbung gerade besser erzählen?" fragt Hannovers Erste Stadträtin Sabine Tegtmeyer-Dette. Sie verweist auf den Brexit und will Hannovers enge geschichtliche Verbindungen zu England auch in Zukunft vertiefen: "Wir planen in Hannover 2025 gemeinsame Projekte mit den aus dem Kulturhauptstadtverfahren 2023 ausgeschiedenen, englischen Bewerberstädten."

Und so betrat eine Britin die Bühne. Sie dankte, in schönstem British, für die Einladung, über Europa sprechen zu dürfen. Über ein Europa, zu dem sie bald nicht mehr gehört.

Als würde sie sich der Tragweite dieser Tatsache gerade erst bewusst, überkommen sie ihre Emotionen: Sie beschreibt in ihrem Vortrag, wie es sich anfühlt, mit einem Bein im Abgrund zu stehen, sie beschreibt den Riss, der Europa spaltet. Und sie fordert ein Umdenken im Wettbewerb der Kulturhauptstädte. Sie ist sich sicher - nicht die Union muss in dieser schwierigen Phase der Krise ihren Städten beistehen, sondern die Städte der Union, um Europas Zusammenhalt zu stärken.

Und wie das gehen soll, weiß sie auch: Vor dem Hintergrund der lauten anti-europäischen Stimmen schlägt sie in ihrem Monolog den Bogen zu John Cage und seiner 1928, angesichts politischer Spannungen formulierten Forderung "Other People Think". Wie Cage sehnt sie sich nach einem Ort der Ruhe, des Zuhörens und Innehaltens. Es folgt ein Schweigen.

"Mit der monologisierenden Schauspielerin Hannah Gibson aus England lassen wir einmal mehr die Kunst für unsere Bewerbung sprechen", fasst die verantwortliche Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf Hannovers Bewerbungsstrategie zur Kulturhauptstadt Europas 2025 zusammen.

Eine Zusammenfassung der künstlerischen Präsentationen

Juni 2017

Hannover präsentiert sich bei einem ersten Treffen schlicht mit der dadaistischen Ausführung von Kurt Schwitters, in der er die Bedeutung des Wortes Hannover mit "vorwärts nach weit" herleitet. Dazu präsentiert Hannover ein weißes, mit "Hannover hat nichts" betiteltes Plakat. Erst durch eine UV-Lampe werden Sehenswürdigkeiten und Hotspots Hannovers sichtbar.

Seit dem zieht sich Kurt Schwitters, der international bedeutendste Vertreter avantgardistischer Kunst, wie ein roter Faden durch Hannovers Bewerbung. Kurt ist einer der Protagonisten von Hannovers, in Romanform geschriebenem, Bid Book, dessen Cover in seiner fragmentarischen Topographie an Schwitters "Merzbau" erinnert.

Oktober 2018

Hannover lässt einen lokalen Poetry Slammer im Pecha-Kucha-Format auftreten. Er beginnt damit, dass Hannover nichts habe und er deshalb lieber über andere Städte sprechen würde. Daraufhin präsentiert er Fotos von Paris, London, Rom und anderen europäischen Metropolen und spricht darüber, wie toll diese seien. Auflösung: Alle Bilder sind Teil des Projekts EINE STADT des Fotokünstlers Uwe Stelter, das Motive aus Hannover mit Überschriften anderer Städte zeigt.

März 2019 - Präsentation des Mottos in Hannover

Im Vorfeld der Veranstaltung lässt das Team Kulturhauptstadtbewerbung den Eindruck entstehen, es handle sich um eine klassische Pressekonferenz mit Podiumsdiskussion. Nachdem das Publikum Platz genommen hat, geht jedoch das Licht aus und ein Hörspiel beginnt.

Die Szenerie: Es ist 2024 und Hannover will sein Programm als Kulturhauptstadt 2025 vorstellen. Doch stattdessen wird auf einer Leinwand mitgeteilt, dass sich die Deutschen in einem Volksentscheid für den Dexit ausgesprochen haben. Daraufhin verkündet eine düstere Stimme "das Ende Europas und ein Europa der Nationen".

In der Stille danach setzt Hannovers Programmvorsteller zu einem erst vorsichtigen, dann immer überzeugteren Appell für ein vereintes Europa an. Er plädiert dafür, dass Hannover zur Plattform des Diskurses über aktuelle Fragen der Zukunft Europas werden soll und appelliert: HIER JETZT ALLE für Europa!

September 2019 – das Bid Book

Hannovers Bid Book ist ein Roman. In "Hannover 2025 - Agora of Europe" greift der hannoversche Autor Juan S. Guse das Szenario eines existenziell gefährdeten Europas auf und erweckt zwei der berühmtesten Hannoveraner Gottfried Wilhelm Leibniz und Kurt Schwitters zum Leben, die sich mit Hannovers Bewerbung auseinandersetzen. Im Laufe des Romans lassen sich Gottfried und Kurt davon überzeugen, dass Hannover anhand lokaler Bezugspunkte die aktuellen Fragen der Zukunft Europas bearbeiten kann und sie stellen fest, dass die Stadt für diesen Diskurs auf die beste Form der partizipativen Demokratie zurückgreift: die Agora.

Damit bezieht sich Hannover zum einen auf die Anfänge der europäischen Demokratie als die Agora das demokratische Zentrum des Volkes war, das politische Diskussion, Marktplatz und Theater vereinte. Und zum anderen besinnt sich die niedersächsische Landeshauptstadt auf die ursprüngliche Idee des Wettbewerbs der Kulturhauptstädte zurück: Hannover will wieder Europas Zusammenhalt stärken - durch kulturell leuchtende Metropolstädte.

Schauspielerin Hannah Gibson über sich selbst

I studied English Language at Jesus College, University of Oxford. Initially involved in youth theatre through Battersea Arts Centre, I recently appeared in the Punchdrunk production of Masque of The Red Death. I collaborate with other actors to perform at events and openings. Currently I balance voice work with teaching, educating, workshops and volunteering.