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Datenerhebung

Familienmonitoring 2014 veröffentlicht

"Familien leben in Hannover" – unter diesem Motto verfolgen Politik und Verwaltung das Ziel, Hannover zu einem attraktiven Umfeld für Familien zu machen – in allen Phasen, zum Leben, Wohnen und Arbeiten.

Ein Kind spielt in der Kita Ricklinger Straße © LHH (Lea Witte)

Ein Kind spielt in der Kita Ricklinger Straße

Unter anderem wurde dazu 2011 eine dialogorientierte und datenbasierte Familienoffensive gestartet: Mittlerweile zwei Familienforen, eine Online-Familienkonferenz, sechs Stadtteilkonferenzen, eine Repräsentativbefragung und das Instrument des Familienmonitorings verschaffen Einblicke in Wünsche, Ideen und Anforderungen der Familien an das Leben in der Stadt und liefern grundlegende Daten und Fakten.

"Zum zweiten Mal legen wir mit dem aktuellen Familienmonitoring 2014 einen umfassenden Bericht systematischer und kleinräumiger Beobachtung (Monitoring) vor und schreiben das Monitoring 2011 damit fort", erläuterte Jugend- und Sozialdezernent Thomas Walter am 28. Juli bei der Vorstellung der Ergebnisse.

Ziel und Aufbau

Das Familienmonitoring führt detailliert vorhandene Informationsgrundlagen und frei verfügbare Datenquellen zusammen, um möglichst zeitnah und ohne großen Aufwand die Auswertungen fortschreiben zu können. Themenfelder wie Geburtenentwicklung, Familien mit und ohne Trauschein oder Vereinbarkeit von Kindern, Pflege und Beruf stehen im Fokus.

Das Familienmonitoring gliedert sich in einen Text- und einen Monitoringteil mit jeweils drei Beobachtungsebenen:

  • Das Großstadtmonitoring (Teil 1) analysiert strukturelle Besonderheiten Hannovers im Vergleich zu anderen Großstädten Deutschlands.
  • Das gesamtstädtische Monitoring (Teil 2) fußt auf einer fortlaufenden Beobachtung gesamtstädtischer Entwicklungen mit Bezug auf "Familie".
  • Im Stadtteilmonitoring (Teil 3) geht es um typische Strukturen und Entwicklungen in den Stadtteilen.

Ausgewählte Ergebnisse des Familienmonitorings

Verglichen mit anderen Großstädten liegt Hannover auf den ersten drei Plätzen bei der Bildungszuwanderung, der Abiturientinnen-/Abiturienten- beziehungsweise Auszubildendenquote und der Pro-Kopf-Wohnfläche. Gleichzeitig zählt Hannover zu den Großstädten mit einem eher niedrigen Familienanteil und weist eine hohe Jugendarmutsquote auf.

Geburten: Die Geburtenzahlen wachsen seit 2005 stetig und überschritten im Jahr 2011 erstmals die 5.000er Grenze. Auch die aktuellen Säuglingszahlen deuten auf einen erneuten Anstieg hin. Das Durchschnittsalter hannoverscher Mütter bei der Geburt des ersten Kindes wird höher. Im Jahr 2000 lag es bei 29,2 Jahren, 2013 bei 30,7 Jahren.

Lebensformen: Die häufigsten Lebensformen sind der Einpersonenhaushalt (54 Prozent) und der Paarhaushalt ohne Kinder (22 Prozent). Erst an dritter Stelle kommt der Familienhaushalt (17 Prozent). Nichtsdestotrotz leben über 40 Prozent der HannoveranerInnen in familiären Zusammenhängen. Rund drei Viertel der 48.510 hannoverschen Familien mit Minderjährigen im Haushalt lebt klassischerweise als (un)verheiratetes Paar mit Kind(ern) zusammen. 27 Prozent der Familien sind allein Erziehende, davon über 91 Prozent Mütter.

Familienstandorte: Verglichen mit dem gesamtstädtischen Familienanteil (17 Prozent) sind die Stadtteile Lahe, Seelhorst, Bemerode, Waldheim oder Mühlenberg als familienreich einzustufen (jeweils 24 Prozent und mehr), an der Spitze Lahe (30 Prozent) und  Bemerode (27 Prozent). Allein Erziehende leben bevorzugt innenstadtnah oder in eher westlich gelegenen Stadtteilen, preiswert und aufgrund der durchschnittlich geringeren Kinderzahl oft auf kleinerem Wohnraum (zum Beispiel Leinhausen, Döhren, Mittelfeld, Linden-Nord und Linden-Süd sowie Ricklingen oder Limmer).

Internationalisierung: Familien werden immer internationaler: In fast 22.000 Familien (45,1 Prozent) hat mindestens ein Haushaltsmitglied einen Migrationshintergrund. Das sind fast 1.000 Familien mehr (plus 4,7 Prozent) als 2010. In etwas mehr als der Hälfte dieser Familien hatten alle Familienmitglieder einen Migrationshintergrund. Familien in Mitte, Vahrenheide, Hainholz, Linden-Süd, Stöcken oder Mühlenberg sind deutlich internationaler geprägt als beispielsweise in Seelhorst oder Bult. Die Spanne von Familien, in denen mindestens ein Mitglied einen Migrationshintergrund hat, reicht von unter 15 Prozent in Waldheim bis über 75 Prozent in Vahrenheide.

Anzahl der Kinder in Familien: Die Einkindfamilie ist nach wie vor der meist verbreitete Familientyp (54,6 Prozent), sowohl bei Paaren (49,5 Prozent), als auch bei allein erziehenden Müttern (67,2 Prozent) und besonders bei allein erziehenden Vätern (78,2 Prozent). Seit 2009 gab es unter Zweielternfamilien eine leichte Trendbewegung von der Einkindfamilie (minus 1,5 Prozentpunkte) hin zur Zweikindfamilie (plus 1,3 Prozentpunkte).

Familienarmut: Ein Viertel (12.215 bzw. 25,2 Prozent) der hannoverschen Familien bezog Ende 2012 Transferleistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts, überwiegend Leistungen nach dem SGB II ("Hartz IV"). Über die Hälfte (52 Prozent) der Transferleistungen beziehenden Familien waren allein Erziehende (6.400). Anders ausgedrückt: Fast jede zweite allein Erziehende Hannovers (48,4 Prozent) bezog Transferleistungen.

Kleinkindbetreuung: Hannover hat im Zeitraum 2008 bis 2014 1.834 Krippenplätze neu geschaffen. Zum Jahresbeginn 2014 standen in Hannover 5.228 Krippen- beziehungsweise Betreuungsplätze in der Kindertagespflege und 13.793 Kindergartenplätze zur Verfügung. Die Betreuungsquote für die Kinder im rechtsanspruchsrelevanten Alter von ein und zwei Jahren liegt aktuell bei über 55 Prozent. Nach dem Ausbauprogramm "Hannover bleibt am Ball" und unter der Voraussetzung, dass die Geburtszahlen gleichbleiben, wird eine Quote von zirka 65 Prozent im Jahr 2017 angestrebt.

Ausblick und Konsequenzen

Zusammen mit den Ergebnissen aus den Familienkonferenzen und der Familienbefragung (liegen voraussichtlich im Herbst vor), ermöglicht das Familienmonitoring ein rundes Bild über die Vielfalt der Familien in der Stadt, ihr Lebensumfeld im Stadtteil und ihre konkreten Bedarfe.

"Schon jetzt lässt sich sagen, dass die Felder Kinderbetreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf auf der hannoverschen 'To-do-Liste' zu Recht jetzt und in Zukunft weiter ganz oben stehen“, kündigt Dezernent Walter an und unterstreicht: "Trotz der immensen Kraftanstrengungen beim Krippenausbau werden wir uns jetzt nicht zurücklehnen."

Die Geburtenentwicklung, der Trend zur Zweikindfamilie sowie die verminderte Abwanderung junger Familien sind Grund genug, um am Ball zu bleiben. Davon zeugt unter anderem das neu aufgelegte Kita-Ausbau-Programm "Hannover bleibt am Ball", das weitere 900 Krippen- und 500 Kindergartenplätze bis Mitte 2017 vorsieht. 

"Hannoversche Unternehmen engagieren sich zunehmend für einen familienfreundlichen Wirtschaftsstandort", registriert Walter einen erfreulichen Trend und setzt auf dessen Fortsetzung.

  • Zum Beispiel bieten immer mehr Betriebe Teilzeitausbildung und -umschulung an (auch die Stadtverwaltung, Telekom etc.). Damit werden insbesondere junge Mütter und allein Erziehende erreicht, die den Berufseinstieg verpasst haben und erst durch das Kind merken, dass sie Verantwortung tragen und Vorbild sein wollen.
  • Hannoversche Hochschulen und das Studentenwerk engagieren sich für Studierende und Beschäftigte mit Kindern, zum Bespiel durch Auditierungen als familienfreundliche Hochschulen, die regelmäßigen Informationsveranstaltungen für Schwangere, das Coaching junger "schwangerer Paare" mit Blick auf ihre zukünftige Elternschaft und anderes.
  • Firmen nutzen Kinderbetreuungsbörse, den Familienkompass in leichter Sprache oder allgemein die Internetseite für Familien der Stadt unter www.hannover.de für ihre interne Information.

"Neben dem Angebot an Betreuungsplätzen sind die Qualität und der Betreuungsumfang Kriterien, nach denen Eltern Angebote auswählen oder bewerten. Wir stellen uns darauf ein", erläutert der Dezernent und nennt als Beispiele:

  • Weil Halbtags- oder 3/4-Betreuung immer weniger nachgefragt wird, wird die Betreuungszeit im Kindergartenbereich sukzessive ausgeweitet.
  • Um insbesondere auch allein Erziehenden oder Eltern mit Wochenend- oder Schichtdiensten die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu ermöglichen, wird zum 1. September eine flächendeckende Notfallbetreuung eingerichtet. "Fluxx" wird die Eltern bei spontan auftretenden Engpässen durch Vermittlung von geeigneten Betreuungslösungen unterstützen.

"Vor dem Hintergrund der zunehmenden Internationalisierung von Familien hat die Stadt zudem etliche Angebote eingeführt, die sowohl die Bildungschancen vom frühen Kindesalter an erhöhen, als auch zu einer stärkeren Willkommens- und Anerkennungskultur im Allgemeinen beitragen. Diese werden wir fortsetzen." Walter nennt besonders die 31 Familienzentren, die u.a. dort aktiven 60 Rucksackmütter und 24 Stadtteilmütter, die jährlichen 1.350 Willkommensbesuche bei Eltern Neugeborener, die Eltern-Kind- und Baby-Gruppen, Elternbildungsangebote oder die 18 Gemeinsam-Wachsen-Gruppen.

Der Familien- und Kinderarmut begegnet die Stadt Hannover unter anderem gezielt mit dem "HannoverAktivPass". Inzwischen über 100.000 Hannoveranerinnen und Hannoveraner konnten damit im vergangenen Jahr Vergünstigungen bei Bildung, Sport und Kultur in Anspruch nehmen. Für fast 2.000 hannoversche Kinder und Jugendliche wurde der Mitgliedsbeitrag in einem Sportverein übernommen. Über 6.000 Kinder und Jugendliche nutzten spezielle Angebote wie z.B. die Feriencard und über 20.000 Kinder das ermäßigte Angebot der städtischen Bäder.

Das inzwischen in der Kurt-Schumacher-Straße etablierte Familienhebammen-Zentrum Hannover (FHZ) – getragen von der Stiftung EINE CHANCE FÜR KINDER – bietet Schwangeren, jungen Müttern und Familien Unterstützung, vermittelt (Familien-)Hebammen, Kurse und persönliche Beratung.

Familienmonitoring online

Eine Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse enthält das Familienmonitoring 2014 auf den Seiten 2 bis 3.