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Kleingärten

Vorsorgliche radiologische Untersuchungen stadteigener Flächen

auf ehemaligen Besitzflächen der Familie De Haën

Ein Mann, der mit einem Messgerät den Boden untersucht. © LHH

Bodenprobenahme für chemische Untersuchungen.

Die Landeshauptstadt Hannover lässt seit Anfang 2018 radiologische Voruntersuchungen auf mehreren stadteigenen Flächen durchführen, die sich ehemals im Besitz der Familie De Haën befunden haben und für die nicht ausgeschlossen werden kann, dass möglicherweise betriebliche Abfälle von der ehemaligen Chemischen Fabrik Eugen de Haën dorthin verbracht worden sein könnten.

Gemäß der Beschlussdrucksache Nr. 2457/2017 sollen in insgesamt circa 450 Kleingärten, auf zwei Sportanlagen sowie auf der Fläche eines ehemaligen Regenrückhaltebeckens vorsorgliche radiologische Messungen stattfinden. Bei Auffälligkeiten werden dann weitere, umfangreichere Untersuchungen und gegebenenfalls Maßnahmen erforderlich.

Die radiologischen Voruntersuchungen erfolgen gestaffelt in drei Abschnitten (in Anlehnung an die Prioritäten 1 - 3 einer vertieften historischen Recherche).

Aktuelle Ergebnisse der Untersuchungen und weitere Vorgehensweise (Stand: Dezember 2018)

Die radiologischen Voruntersuchungen in circa 120 Kleingärten auf den drei Untersuchungsflächen des ersten Abschnittes wurden mittlerweile abgeschlossen. Die Messungen ergaben, dass zwei Flächen (Kolonie "Immergrün" und Kolonie "Sperlingslust") radiologisch unauffällig sind, so dass es hier keinen weiteren Handlungsbedarf gibt. Die Bearbeitung dieser beiden Flächen im "Projekt De Haën" ist damit abgeschlossen. Die Pächter*innen wurden schriftlich über die Ergebnisse in ihren Kleingärten informiert.

Auf der dritten Untersuchungsfläche im Bereich des ersten Abschnittes (Kolonien "Gut Grün" und "Zur guten Hoffnung") wurden größtenteils ebenfalls unauffällige radiologische Messwerte festgestellt.

In zwei Gärten der Kolonie "Gut Grün" und in drei Teilbereichen des Weges wurden, im Abgleich mit den Hintergrundwerten in Hannover, punktuell schwach erhöhte radiologische Messwerte nachgewiesen. Zurzeit werden auf diesen Flächen orientierende radiologische Untersuchungen durchgeführt, durch die geklärt werden soll, ob tatsächlich und falls ja, in welchem Umfang, radiologisch belastete Materialien im Boden vorliegen.

Gleiches gilt für zwei Gärten der Kolonie "Zur Guten Hoffnung", wobei hier in einem der beiden Gärten teilflächig vergleichsweise hohe ODL-Werte (also eine hohe Direktstrahlung) gemessen wurden. Auch hier finden aktuell orientierende radiologische Untersuchungen statt, um genauere Aussagen zu möglichen Bodenbelastungen machen zu können. Auf Grundlage des dann erreichten Kenntnisstandes wird das Gutachterbüro (Nuclear Control & Consulting GmbH) eine Gefahrenbeurteilung vornehmen und Empfehlungen zum weiteren Vorgehen aussprechen.

In weiteren 13 Kleingärten in der Kolonie "Gut Grün" und "Zur Guten Hoffnung", für die nach Abschluss der vorsorglichen Messungen aus fachgutachterlicher radiologischer Sicht kein Handlungsbedarf besteht, wurden in Teilbereichen Messwerte im oberen Bereich des für Hannover typischen Hintergrundwertes ermittelt. Diese werden im Kontext zu den vorliegenden Untersuchungsergebnissen durch die Untere Bodenschutzbehörde als Indikator für mögliche Produktionsreste von der ehemaligen Chemiefabrik De Haën angesehen.

Da sich die große Produktpalette der Fa. De Haën nicht nur auf den Einsatz von radioaktiven Elementen beschränkte, sondern auch andere chemische Stoffe verarbeitet wurden, werden daher vorsorglich alle 55 Kleingärten der Kolonien "Gut Grün" und "Zur guten Hoffnung" im Bereich der auffälligen Untersuchungsfläche chemisch untersucht. Die Entnahme der Bodenproben durch ein Fachbüro (Mull & Partner Ingenieurgesellschaft mbh) hat in der 44. Kalenderwoche 2018 begonnen und wird voraussichtlich im Januar 2019 abgeschlossen sein.

Die geplanten radiologischen Voruntersuchungen auf den Untersuchungsflächen der Abschnitte zwei und drei (circa. 330 weitere Kleingärten sowie Flächen der Sportvereine TSV Fortuna Sachsenross und TSV Schwarz-Weiß Hannover) wurden zunächst zurückgestellt. Mit dem Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. wurde bereits im Vorfeld der Untersuchungen vereinbart, dass zunächst die angetroffenen radiologischen Auffälligkeiten auf Flächen, die eine weitere Sachverhaltsermittlung erforderlich machen, umfänglich und abschließend untersucht werden sollen. Erst im Anschluss daran beginnen die Untersuchungen des nächsten Abschnittes.

Eine konkrete Aussage zu der zeitlichen Verschiebung der übrigen vorsorglichen radiologischen Untersuchungen kann zum jetzigen Zeitpunkt nicht getroffen werden, da dies insbesondere auch vom weiteren Untersuchungsumfang und den Ergebnissen der erforderlichen chemischen und ergänzenden radiologischen Untersuchungen in den Kolonien "Gut Grün" und "Zur guten Hoffnung" abhängt. 

Für Fragen steht den betroffen Kleingärtner*innen auch weiterhin die Expertin Petra Günther (Diplom-Biologin) von der IFUA-Projekt-GmbH (Bielefeld) immer montags bis freitags von 8.30 bis 18 Uhr unter der Telefonnummer (0511) 168-38000 zur Verfügung.

Hintergrund für die Untersuchungen auf den ehemaligen De-Haën-Besitzflächen

Grundlage für alle Untersuchungen sind zwei Gutachten, die Stadt und Region Hannover nach Sanierungsmaßnahmen im Bereich des De-Haën-Platzes und am Lister Damm (Parkplatz und fünf angrenzende Kleingärten der Kolonie "Gut Grün") in Auftrag gegeben hatten. Nach den historischen Recherchen in den Jahren 2014 bis 2016 empfahl die Gutachterin vorsorgliche radiologische Untersuchungen in bestimmten Bereichen.

Konkrete Anhaltspunkte für die Ablagerung radiologisch belasteter Materialien lagen nicht vor. Es handelt sich um eine vorsorgliche Maßnahme. Weil sich die betroffenen Flächen Anfang des 20. Jahrhunderts im Eigentum der chemischen Fabrik de Haën oder der Unternehmerfamilie befanden, besteht die theoretische Möglichkeit, dass diese Areale vorübergehend als Produktions- oder Lagerflächen genutzt worden sein könnten.

Dem Vorschlag der Stadtverwaltung gemäß der Beschlussdrucksache 2457/2017 vorsorgliche radiologische Untersuchungen auf den stadteigenen Flächen durchführen zu lassen, stimmte der Rat der Landeshauptstadt Hannover am 21.12.2017 zu (siehe www.ratsinfo-hannover.de).  

Alle Maßnahmen wurden im Vorfeld und werden während des Projektverlaufes regelmäßig mit dem Bezirksverband Hannover der Kleingärtner e.V. und der Unteren Bodenschutzbehörde der Region abgestimmt.