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Lyriker

Hölty-Preisträger Paulus Böhmer gestorben

Der Dichter und Hölty-Preisträger Paulus Böhmer ist am 5. Dezember im Alter von 82 Jahren in Frankfurt am Main verstorben.

Paulus Böhmer 2010 am Hölty-Denkmal auf dem Nikolaifriedhof © Thomas Preikschat

Paulus Böhmer 2010 am Hölty-Denkmal auf dem Nikolaifriedhof

Böhmer, der am 20. September 1936 in Berlin geboren wurde, studierte Jura, Architektur und Germanistik und lebte seit den 70er-Jahren als Schriftsteller und Maler in Frankfurt am Main, wo er von 1985 bis 2001 das Hessische Literaturbüro leitete. Er war auch als Lektor und Werbetexter tätig, schrieb für das Theater und den Rundfunk und übersetzte, zusammen mit seiner Ehefrau Lydia Böhmer, unter anderem den israelischen Dichter Jehuda Amichai ins Deutsche. Kulturdezernentin Konstanze Beckedorf spricht in ihrem Kondolenzschreiben der Witwe Lydia Böhmer ihr "tiefes und herzliches Beileid" aus: "Die deutschsprachige Gegenwartslyrik verliert mit dem Tod Ihres Mannes einen literarischen Visionär und Solitär."

Für seine eigene Lyrik, die in einzigartigen, rauschhaft-rhythmischen, enzyklopädisch angelegten Langgedichten die Traditionslinien der Beat Poetry und der modernen Avantgarde fortführt, wurde Paulus Böhmer mit zahlreichen wichtigen Preisen ausgezeichnet. 2010 bekam er in Hannover den Hölty-Preis für Lyrik der Landeshauptstadt und der Sparkasse Hannover verliehen. Die Hölty-Jury urteilte über den Dichter und seine epischen Gedichte: "Das in fast fünfzig Jahren geschaffene Werk von Paulus Böhmer steht einzigartig in der zeitgenössischen deutschen Literaturlandschaft, es findet sich nichts Vergleichbares." Auf den Hölty-Preis folgten die Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2013), der Robert-Gernhardt-Preis (2013) und der Peter-Huchel-Preis (2015).